Allergie - Allergieformen

Geschrieben am 24.07.2006 von Conni Kreißl

Alle Allergieformen werden im allgemeinen in unterschiedliche Reaktionstypen unterteilt, da jede etwas anders ist bzw. die Reaktionsmechanismen und die Behandlungsmöglichkeiten bei jeder unterschiedlich sind. Infolgedessen entwickelten die Engländer Coombs und Gell im Jahre 1963 eine Einteilung der Vielfalt krankmachender Immunreaktionen, indem sie diese medizinisch sinnvoll in vier verschiedene Allergieformen unterschieden. Diese sind uns heute als Reaktionsarten Typ 1 bis 4 bekannt, wovon die Typen 1 und 4 im alltäglichen Leben am häufigsten auftreten, obwohl es auch noch andere Typen gibt.
Typ 1 Reaktionen
Die Typ 1 Reaktion wird vorwiegend auch als Reaktion vom Soforttyp und etwas seltener als Anaphylaxie bezeichnet. Sie ist die am häufigsten auftretende Allergieform und umfasst alle charakteristischen antikörper-vermittelten Sofortreaktionen. Bei ihr erfolgt eine immunologische Reaktion des Körpers auf einen Fremdstoff bzw. ein Allergen, wodurch bestimmte Eiweißbausteine bzw. Antikörper vom Typ Immunglobulin E gebildet werden, deren Moleküle dazu neigen, sich bevorzugt an bestimmte Blutzellen, den sogenannten basophilen und eosinophilen Granulozyten und an den Gewebemastzellen an zu lagern. Dies bewirkt eine Freisetzung des Botenstoffs Histamin und anderer Substanzen, welche die allseits bekannten klassischen Symptome der Allergie hervorrufen. Diese treten erfahrungsgemäß innerhalb von Sekunden oder nur wenigen Minuten nach dem Allergenkontakt ein und können meist nur medikamentös behandelt werden. Zu diesen Typ 1 Allergien gehören in der Regel alle klassischen Umweltkrankheiten wie etwa Insektengiftallergien, allergische Bindehautentzündung, Heuschnupfen, allergisches Asthma, Nahrungsmittelallergien und der anaphylaktische Schock. Obwohl ihr Erscheinungsbild sowie ihre Auslöser äußerst verschieden sind wird der Typ 1 Soforttyp, größtenteils automatisch nur mit solchen Krankheiten wie dem saisonalen oder ganzjährigen allergische Schnupfen, dem allergische Bronchialasthma, sowie vielfältigen Erscheinungsformen der Nesselsucht oder Neurodermitis in Verbindung gebracht. Da sie so oft auftritt, steht sie heute auch am häufigsten im Mittelpunkt umweltmedizinischer Forschungen.
Typ 2 Reaktionen
Diese sind wesentlich seltener als die vom Typ 1 und 4 und werden gelegentlich auch als zytotoxischer Typ bezeichnet. Bei ihnen bilden zellständige Antigene bzw. aufgenommene Fremdsubstanzen wie gewisse Medikamente oder transfundiertes Blut Immunkomplexe mit körpereigenen, im Blutstrom kreisenden IgG-Antikörpern. Wodurch diese innerhalb von etwa zwölf Stunden die zytotoxischen Killerzellen und Komplemente aktivieren, woraufhin es zur Zerstörung körpereigener Zellen kommt. Das heißt vereinfacht ausgedrückt, sie entstehen durch Antikörper, die gegen die Oberflächenbestandteile von Zellen des eigenen Körpers gerichtet sind. Hierfür ist die sogenannte allergische granulozytose ein gutes Beispiel, die eine sehr schwer verlaufende Immunerkrankung ist oder der medikamenten-induzierter Mangel an Gerinnungsplättchen, den man Thrombopenie nennt.
Typ 3 Reaktionen
Der Typ 3, welcher auch Immunkomplex- oder Arthus-Typ genannt wird, ist der seltenste Typ überhaupt. Er lässt sich in zeitliche Abläufe unterscheiden die einerseits leicht verzögert sind und andererseits auch als Sofortreaktion auftreten, wodurch er sich kaum bzw. sehr schwer vom Typ 1 unterscheiden lässt. Bei diesem Typ bilden sich innerhalb von Stunden Klumpen von Antikörpern und Antigenen, die einerseits zellständig sein andererseits aber auch frei im Blut schwimmen können. Hierbei wird ebenfalls der Komplement aktiviert, was zur Aufnahme der Komplexe durch die weißen Blutkörperchen führt, welche wiederum Enzyme freisetzen, die das Gewebe angreifen. Typische Erkrankungen hiefür sind allergische Entzündungen der Haut bzw. Gefäßentzündungen, die man Vaskulitis nennt und auch Erkrankungen wie die sogenannte Farmer-Lunge, die Serumkrankheit und allergischen Alveolitis, welches eine Lungenerkrankung ist, die mit grippeähnlichen Symptomen einhergeht.
Typ 4 Reaktionen
Beim der Typ 4 spricht man auch vom verzögerten Typ bzw. vom Spättyp, denn hier setzen die Reaktionen erst nach ein bis drei Tagen ein. Außerdem gehört er mit zu den häufigsten Reaktionstypen. Er basiert auf der Basis einer zellulären Überempfindlichkeit, welche sich vornehmlich an der Haut, in Gestalt von Kontaktekzemen ausprägt und insbesondere die Arbeitsmedizin vor große Herausforderungen stellt. Denn hierbei setzen sensibilisierte T-Lymphozyten sogenannte Lymphokine frei, welche weitere weiße Blutzellen zum Ort des Allergens locken, wodurch eine Entzündung entsteht. Weshalb der Typ 4 auch die einzigste zellvermittelte Reaktion ist. Zu ihm gehören Leiden wie die Kontaktallergien bzw. Ekzeme, Abstoßungsreaktionen nach Transplantationen, Ausschläge nach Medikamenteneinnahme aber auch die Tuberkulinreaktion bei Verdacht auf Tuberkulose.
Sondertypen von Reaktionen
Mittlerweile wurden neben den vier Haupttypen von Allergien noch zwei weitere beschrieben die noch seltenere Reaktionen einbeziehen, über die öffentlich aber noch nichts genaues berichtet wird. Dabei ist es auch überaus wichtig zu wissen, das es außerdem noch pseudo-allergische Krankheitsbilder gibt, die zwar eine den Allergien ähnliche Symptomatik zeigen, bei denen jedoch keine Immunphänomene nachweisbar sind. Dazu zählen beispielsweise die Überempfindlichkeitsreaktionen nach der Gabe von Lokalbetäubungsmitteln oder nach Röntgen-Kontrastmitteln.