Allergie - Neurodermitis

Geschrieben am 15.07.2006 von Conni Kreißl

Beschreibung:
Neurodermitis ist neben den Atemwegsproblemen die am häufigsten auftretende allergische Reaktion des Immunsystems und keine psychische Erkrankung, wie vielfach vermutet wird. Mediziner bezeichnen die Neurodermitis auch als Atopische Dermatitis, was soviel heißt wie „fehl am Platz“ und die Tatsache umschreibt, das die Erkrankungsschübe gelegentlich ohne erkennbare äußere Ursache scheinbar aus dem Nichts heraus auftreten. Obwohl man unter Atopie eigentlich die gesteigerte Neigung zu allergischen Erkrankungen bzw. Reaktionen versteht. Neurodermitis äußert sich in Hautveränderungen, welche einerseits sehr gering andererseits aber auch sehr großflächig sein können. Bei dieser Erkrankung handelt es sich demzufolge um eine schubweise auftretende, chronische Entzündung der Haut, die vielfach bereits im Kleinkindalter beginnt und sowohl von genetischen Faktoren und von Umwelteinflüssen als auch von zahlreichen Stoffen aus der Umwelt sowie psychischen Faktoren ausgelöst oder verstärkt wird. Diese Erkrankung wird zusätzlich noch als Atopisches Ekzem, Neurodermitis disseminata, Neurodermitis diffusa, Neurodermitis constitutionalis, Neurodermitis atopica, Prurigo Besnier, Asthmaekzem, Asthmaprurigo, Beugenekzem, neurogene Dermatose, neuropathisches Ekzem und konstitutionelles Ekzem bezeichnet.
Ursachen:
Sie gehört ebenso wie Heuschnupfen und Asthma, zu den allergischen bzw. atopischen Erkrankungen, bei denen das körpereigene Immunsystem gegen im allgemeinen harmlose Substanzen aus der Umwelt wie Nahrungsmittel und Pollen bzw. sogenannte Allergene heftige Abwehrreaktionen durchführt. Speziell bei der Neurodermitis richten sich dabei bestimmte Untergruppen der Lymphozyten bzw. weißen Blutkörperchen gegen diese Allergene, die eigentlich schädliche körperfremde Bestandteile bekämpfen sollen. Dies führt dann zur Bildung großer Mengen von speziellen Abwehrstoffen bzw. Allergenen zu denen auch das Immunglobulin E (IgE) gehört und zur Abgabe des entzündungsfördernden Botenstoffs Histamin. Womit es zu einer entzündlichen Abwehrreaktion der Haut mit unerträglichem Juckreiz kommt. Die stärke der Erkrankung ist dabei von den verschiedenen Allergenen abhängig. Sie kann durch mechanische Reizungen der Haut über die Kleidung, durch bestimmte Nahrungsmittel, Umwelteinflüsse, Infektionen oder klimatische Bedingungen beeinflusst werden. Aber auch psychischer Stress und gewisse erbliche Faktoren können Neurodermitis auslösen.
Krankheitsbild & Beschwerden:
Diese sogenannte Neurodermitishaut ist wesentlich trockener als normale Haut, da sie eine stark verminderte Speicherfähigkeit für Feuchtigkeit besitzt und außerdem einen Mangel an bestimmten Hautfetten aufweist. Dadurch ist sie extrem rau und rissig und neigt auffallend zur Schuppung, wodurch sie sowohl ihre schützende Funktion verliert, als auch die Fähigkeit zur Regulierung der Schweißbildung, Hautdurchblutung und Temperaturregelung. Außerdem verändert sich an diesen erkrankten Hautstellen auch die Vielzahl von Bakterien und Pilzen und die Zusammensetzung der Keime, welche normalerweise auf der gesunden Haut siedeln, wodurch sich die Krankheit noch weiter verschlimmern kann. Zusätzlich peinigt auch noch ein quälender Juckreiz an diesen Hautstellen den betroffenen Patienten, Kratzen kann die Krankheit allerdings verstärken. Dieser Juckreiz kann so stark sein, das in Mediziner inzwischend dem chronischen Schmerz gleichstellen, da dieser die Lebensqualität ebenso beeinträchtigt.
Behandlung:
Eine Heilung dieser komplexen Erkrankung ist leider noch nicht möglich, man kann jedoch die Symptome behandeln. Dafür stehen bereits äußerst wirkungsvolle Therapeutika wie Kortisonsalben und andere Wirkstoffe wie Tacrolimus in Salbenform zur Verfügung, sowie zahlreiche begleitende Therapiemaßnahmen, die zusätzlich zur deutlichen Besserung der Symptome beitragen. Zusätzlich werden aber auch gut verträgliche Medikamente wie Antihistaminika in Form von Tabletten verabreicht, Zinkschüttelmixturen, Teere und Schieferöle in Emulsionen oder Salbenform angewendet und in schweren Fällen auch entzündungshemmende Substanzen und Kortisone. Manche schwören allerdings auf die sogenannte Photo- bzw. Lichttherapie, bei der nur Licht ganz bestimmter Wellenlängen zur Anwendung kommt wie ultraviolettes Licht in Kombination aus UVA- und UVB-Strahlen. Dies soll dann die Entzündungen hemmen, hat aber auch viele Nebenwirkungen wie eine stark erhöhte Lichtempfindlichkeit und ein erhöhtes Krebsrisiko.
Selbsthilfe:
Erwiesenermaßen verringert das konsequentes Stillen über die ersten sechs Lebensmonate hinweg ohne Zufüttern von Fremdeiweißen wie Kuhmilch, die Häufigkeit und Schwere von atopischen Erkrankungen. Leider kann man das aber schlecht nachholen, wenn man dann später erkrankt. Dann kann man sich nur noch schützen indem man den Kontakt mit den Allergenen meidet und auf eine rauchfreie Umgebung achtet, da Zigarettenrauch ein Verstärkungsfaktor für die Erkrankung ist. Außerdem sollten aggressive Seifen und Waschmittel vermieden werden, da diese die so schon empfindliche Haut nur noch mehr reizen würden. Auch ein jährlicher Aufenthalt von 4 bis 6 Wochen im Hochgebirge oder an der Küste soll zu einer deutlichen Verbesserung beitragen.