Anatomie - Becken

Geschrieben am 18.06.2006 von Conni Kreißl

Das Becken ist der knöcherne Körperabschnitt unterhalb des Bauchs und oberhalb der Beine, der aus einem durch starre Gelenke zusammengehaltenen, leicht federnden Ring besteht, welcher die Belastungen der Wirbelsäule auf die Beine überträgt. Weshalb sein Aufbau im wesentlichen auch durch die Funktionsweise der unteren Gliedmaßen bedingt ist, die hauptsächlich auf Standfestigkeit beruhen und nicht wie die oberen Gliedmaßen auf allseitige Beweglichkeit.
Seine Knochen sind knorpelig vorgebildet. Wobei das Becken bei den weiblichen Individuen für gewöhnlich frontal bzw. von vorne gesehen breiter und von der Seite betrachtet schmaler ist als bei den männlichen. Wodurch sehr deutliche Proportionsunterschiede zwischen den Geschlechtern entstehen. Denn bei den weiblichen Individuen sind die Beckenschaufeln viel ausladender und das Hüftbeinloch ovaler, während sie bei den männlichen kleiner und das Hüftloch runder geformt ist.
Wobei man eigentlich zwischen einem großen Becken Pelvis major und dem kleinen Becken Pelvis minor unterscheidet. Dieses große Becken liegt oberhalb der Beckeneingangsebene, zwischen den beiden Darmbeinschaufeln und gehört zum Bauchraum und das kleine ist der knöcherne Teil dieses Körperabschnitts, der den Beckengürtel und zusammen mit Muskeln, Bändern und Sehnen den Boden der Bauchhöhle bildet. Über ihn ist das Rumpfskelett mit den Beinen verbunden und über ihn wird die Last des Körperrumpfs in den Hüftgelenken auf die Beine weitergeleitet und es wird im allgemeinen in den Beckeneingang, die Beckenhöhle und den Beckenausgang untergliedert.
Dieses knöcherne Becken setzt sich mit anderen Worten aus den beiden Hüftbeinen, dem Kreuzbein und dem Steißbein zusammen und jedes der Hüftbeine lässt sich noch zusätzlich in ein Sitzbein, ein Schambein sowie ein Darmbein unterteilen. Wobei das Sitz- sowie das Schambein erst etwa ab dem 6. Lebensjahr knöchern miteinander verschmelzen und sich später ungefähr mit dem 16. Lebensjahr auch mit dem Darmbein verbinden. Alle drei bilden dabei jeweils eine gemeinsame Gelenkpfanne bzw. ein Hüftgelenk für den entsprechenden Oberschenkelknochen.
Die Knochen von Kreuz- und Hüftbein werden mit Hilfe eines straffen Gelenks leicht federnd miteinander verknüpft und die beiden Hüftbeine nur durch die knorpelartigen Verbindungen der Schamfuge zusammengehalten. Wodurch jedes Hüftbein eine Art Rahmenkonstruktion darstellt, bei dem jeder dieser Rahmen einer etwas sehr verbogenen acht gleicht, an deren Kreuzungspunkt die sogenannte Hüftgelenkspfanne liegt. Diese beiden sich überkreuzenden Schenkel der acht sind so konstruiert das sie den Druck des Rumpfes auf das Hüftbein und damit auch auf den Oberschenkel abfangen.
Auch das Darmbein lässt sich noch aufteilen, denn es besteht aus einem dicken, kräftigen Darmbeinkörper und aus einer weit ausladenden, mächtigen Darmbeinschaufel, welche bei Mädchen flacher ist als bei Jungs. Diese Schaufel ist in der Innenfläche etwas ausgehöhlt, von Muskulatur ausgefüllt und bildet eine breit ausladende Unterlage für die Eingeweide der Bauchhöhle. Ihr oberer Rand wird von dem Darmbeinkamm gebildet, der nach vorn in den sogenannten vorderen Darmeinstachel und nach hinten in den hinteren Darmbeinstachel endet. Der hintere Darmbeinstachel erzeugt indes den sogenannten seitlichen Punkt der Michaelisschen Rautengrube. Während die Außenseite der Schaufel den Ursprung für die drei Gesäßmuskeln bildet und die Ansatzstelle für die drei Bauchmuskeln ist.
Das Darmbein ist zusätzlich noch mit dem Kreuzbein über die breite, annähernd ohrförmige Gelenkfläche, die man Iliosakralgelenk nennt, verbunden. Diese Verbindung wird durch sehr kräftige Bänder ermöglicht, welche die Bewegungsmöglichkeiten des Gelenks einschränken. Wogegen die Kippneigung durch den Druck des Körpers auf die Knochen das Kreuzbeins nach vorn durch starke vom Sitzbeinhöcker zum Kreuz- und Steißbein verlaufende Bänder aufgefangen wird.
Nach hinten und unten schließt das Darmbein mit dem Sitzbein ab, welches mit seinem sehr dicken Knochen des Sitzbeinkörpers den hinteren Teil der Hüftgelenkspfanne bildet und sich durch eine Rinne vom oberen Sitzbeinast absetzt, der weiter unten etwas spitzwinklig in den unteren Sitzbeinast übergeht. Dabei wird die mit sehr viel Fettgewebe optimal gepolsterte Umbiegungsstelle der beiden Äste, auf der das Körpergewicht beim Sitzen liegt, Sitzhöcker genannt. Wobei sich oberhalb des Sitzhöckers, an der Rückseite des Sitzbeins, in der Mitte der Einschnitte, noch der sogenannte Sitzbeinstachel befindet, der in den Beckenraum rein piekst, eine Art Bandverknöcherung und ein Teil des Beckenbodens ist.
Das Schambein bildet zum Schluss zusammen mit dem Schambeinkörper den vorderen Teil der Hüftgelenkspfanne. Es besitzt einen querverlaufenden breiten oberen und einen abwärts verlaufenden dünnen unteren Schambeinast, die in einer schmalen, hohen Platte die man Leistenbeinecke nennt spitzwinklig zusammen laufen. Durch sie laufen die Nerven und auch Gefäße in den Bauchraum. Wobei die unteren Äste der Schambeine den Schambeinbogen der Frau bzw. den Schambeinwinkel des Mannes bilden.
Durch seine extrem hohe Festigkeit und überaus gute Stabilität ermöglicht das Becken dem menschlichen Körper einen sicheren Stand und die aufrechte Haltung.