Anatomie – Endokrines System

Geschrieben am 13.05.2006 von Conni Kreißl

Während das neuroendokrine System alle Zellen, Organe oder Organbestandteile erfasst, die an der Prozessierung und Sekretion von Neurohormonen beteiligt sind, umfasst das Endokrine System alle Hormonbildenden Organe und Zellen. Trotzdem gehören beide Systeme auch in mancher Hinsicht zusammen.
Zum endokrinen System fasst man alle Organe zusammen die als endokrine Drüsen oder endokrine Organe bezeichnet werden. Diese stehen untereinander in engen funktionellen Beziehungen, die einen hormonalen Gleichgewichtszustand sicher stellen. Denn sie sind durch Kommunikationsnetze wie Regelkreise, Umfeldhemmungen und über Systeme mit antagonistischer Redundanz bzw. fehlerkorrigierende Übertragungskanäle, miteinander verbunden, damit eine sinnvolle Funktion des Gesamtsystems ständig gewährleistet ist. Weswegen sogar schon der teilweise oder vollständige Ausfall einer einzigen Drüse dieses Gleichgewicht erheblich behindern und Störungen in der Funktion der anderen Drüsen nach sich ziehen kann. Wobei die Dimension dieser Beeinträchtigungen von der gegenseitigen Abhängigkeit der jeweils beteiligten Drüsen abhängt.
Die endokrinen Drüsen besitzen im Gegensatz zu anderen Drüsen keine Ausführungsgänge, sondern geben ihre Hormone direkt bzw. unmittelbar ins Blut ab. Diese Eigenschaft verlieh ihnen auch ihre Bezeichnung Endokrin, denn Endo kommt von Innen und Krinein bzw. Krin von Ausscheiden. Wobei einige dieser hormonproduzierenden Zellverbände bzw. Drüsen mitunter auch direkt auf ihre Nachbarzellen oder auf sich selbst wirken. Was man bei einer Wirkung welche für die eigene Zelle bestimmt ist autokrine Wirkung nennt und bei einer Auswirkung auf das Nachbarsgewebe als parakrine Wirkung bezeichnet, die schließlich endokrin wird, wenn die Substanz mit dem Blut über weite Strecken bis zum Effektororgan transportiert wird, bevor sie ihre Wirkung entfaltet.
Zu den endokrinen Organen gehören Drüsen wie die Schilddrüse, Hypophyse, Zirbeldrüse, Nebenschilddrüse, Nebenniere und die Langerhansschen Inseln. Aber auch Organe wie die Leydigschen Zwischenzellen im Hoden, der Gelbkörper und die Ovarialfollikel im Eierstock. Nur die Paraganglien Nervenzellen gehören sowohl zum endokrinen System, als auch zum Nervensystem, womit sie zwischen den beiden stehen.
Zusätzlich steht das Endokrine System nämlich auch noch mit dem Nervensystem in sehr enger Beziehung, da beide über den Hypothalamus des Großhirns miteinander verbunden sind. Denn dieser ist die Schaltzentrale vom vegetativen Nervensystem und dem endokrinen System. Er koordiniert die unterschiedlichen Prozesse des Organismus und erhält dabei das physiologische Gleichgewicht aufrecht. Und obwohl der Hypothalamus die übergeordnete Zentrale für das gesamte endokrine System darstellt, ist er in Wirklichkeit selbst auch eine endokrine Drüse. Da er obendrein auch noch die Zusammenarbeit der Hormondrüsen auf nervösem und humoralem Wege steuert. So wird die Tätigkeit der Hormondrüsen nach dem Prinzip der doppelten Sicherung über die Nervenbahnen geregelt.
Aber nicht alle Hormondrüsen bzw. endokrinen Drüsen werden über dieses Hypothalamus System kontrolliert.
Denn die Existenz bzw. die Entstehung der glandotropen bzw. auf die Drüsen einwirkenden Hormone, wie die Epithelkörperchen, das Nebennierenmark, sowie das Inselorgan der Bauchspeicheldrüse und die Epiphyse, sind davon ausgenommen. Genauso wie die Gruppe der Gewebshormone, deren Bildung auch nicht an die spezifischen drüsenartigen Organe gebunden ist, sondern in bestimmten Gewebszellen erfolgt, die durch gewisse Änderungen des Stoffwechsels dazu angeregt werden. Wie zum Beispiel die Epithelkörperchen, deren Ausschüttung anscheinend durch die Senkung des Kalziumspiegels im Blut ausgelöst wird. Was zumindest beweist, das die Bildung von vereinzelten Hormonen allein schon durch verschiedene veränderte Parameter des Stoffwechsels angeregt wird.
Die vom endokrinen System produzierten Hormone sind im allgemeinen für das Wachstum, die Entwicklung und die Funktionen vieler Organe sowie für die korrekte Koordination von Stoffwechselvorgängen zuständig.
Wobei man die Hormonbildenden Organe eigentlich noch in die drei Gruppen, rein endokrine Drüsen, die ausschließlich der Hormonproduktion dienen, Exo-endokrine Drüsen, die neben den Hormonen auch andere exokrine Sekrete herstellen und in nicht drüsenartige Gewebe, wie die autonomen Nerven, die ebenfalls hormonähnliche Substanzen ausscheiden, einteilen kann.