Anatomie - Epiphyse

Geschrieben am 21.06.2006 von Conni Kreißl

Obwohl die Wachstumsbereiche der Knochen ebenfalls Epiphysen genannt werden, meine ich hier die Epiphyse die man im allgemeinen auch Zirbeldrüse oder selten die Zirbel nennt. Diese Drüse, welche sich aus einer Ausstülpung des Zwischenhirnbläschens entwickelt, liegt im Mittelhirn und ist das zentrale Regulationsorgan für die Synchronisation des gewöhnlichen 24 Stunden Rhythmus. Womit es die biologische Uhr des Körpers und die Ausschüttung aller wichtigen Hormone reguliert.
Sie wird nicht nur zum Epithalamus, welcher ein Teil des Zwischenhirn ist, sondern auch zu den zirkumventrikulären Organen gezählt, welche spezialisierte Organe in den Hirnventrikeln sind und in der Median-Ebene des Gehirns liegen.
Sie ist beim ausgewachsenen Menschen Zapfenförmig bzw. wie ein Dreieck mit nach hinten gerichteter Spitze geformt. Obendrein ist sie auch ein relativ kleines Organ, welches an der Hinterwand des dritten Ventrikels über der Vierhügelplatte des Mittelhirns liegt und mit dem Zwischenhirn in Verbindung steht. Ansonsten ist die Epiphyse rötlich-grau gefärbt und besitzt eine durchschnittliche Länge von 5 bis 8 mm, bei einer Breite von nahezu 3 bis 5 mm, wobei das Gewicht bei nur ca. 80 bis 500 mg liegt, im Mittel aber eher 100 mg beträgt.
Sie besteht zum größten Teil aus sekretorischen Nervenzellen und lässt sich einfach durch das gefäßführende Bindegewebe in mikroskopisch kleine unregelmäßige Bezirke aufteilen, welche aus marklosen Fasern, charakteristischen Zellen die man Pinealzellen nennt, sowie Ganglienzellen bzw. Nervenknoten und Gliazellen bestehen.
Wobei die letzteren den Raum zwischen den Nervenzellen wie ein Füllmaterial ausfüllen, um deren Lage zu stabilisieren, da die Nervenzellen ansonsten konfus durcheinander flutschen würden, wie in einer Kiste voller Calamari. Außerdem versorgen die Gliazellen die Neuronen mit den Nährstoffen die sie benötigen, bewahren ein angenehmes Milieu in deren Umgebung damit sie optimal funktionieren können und umhüllen die Fortsätze der Neuronen um deren Leitungsgeschwindigkeit erheblich zu verbessern. Was wiederum ebenso der Zirbeldrüse zu gute kommt.
In ihr wird das Hormon Melatonin produziert, welches den normalen Schlaf-Wach-Rhythmus und andere zeitabhängige Rhythmen des Körpers steuert und somit für einen ungestörten, reibungslosen Tagesrhythmus von innen und außen sorgt. Wobei die eigentliche Produktion der Hormone vorwiegend nachts stattfindet und die Lichtreize dafür dann indirekt über die Retina, die Sehnerven und den Hypothalamus zur Epiphyse gelangen.
Andererseits stellte man fest das ein Fehlen oder ein Defekt der Epiphyse bei sehr jungen Menschen zur vorzeitigen Geschlechtsreife führt. Bei Menschen im höheren Lebensalter wurden dagegen relativ häufig konzentrisch aufgebaute bzw. geschichtete, sehr verschieden große Kalkkonkremente in den Drüsen gefunden, die man als Hirnsand bezeichnet und auf Röntgenbilder sehen kann. Welche aber dessen ungeachtet den Betroffenen anscheinend nicht schaden.
Eine gut funktionierende Zirbeldrüse, die ausreichend Melatonin produziert, wird hingegen meist als sogenannte „Oberste Kontrollinstanz“ angesehen, denn sie sorgt auf sichere Weise für langes Leben und hohe Lebensqualität. Manche meinen auch sie steuert den Prozess des Alterns insgesamt. Denn Melatonin ist für die Schlafqualität verantwortlich, fördert den Schlaf, kurbelt das Immunsystem an und hat einen äußerst günstigen Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System. Weshalb die unabänderliche Tatsache, das die Produktion von Melatonin mit zunehmenden Alter drastisch abnimmt, auch das Altern des Körpers und des Geistes nach sich zieht.
Neben dem Malatonin, das durch die Freisetzung von Noradrenalin in den Nervenenden aus der in den allermeisten Eiweißstoffen enthaltenen Aminosäure Tryptophan und über einige Zwischenstufen des Neurotransmitters des ZNS Serotonin gebildet wird, stellt die Epiphyse auch das 5-Methoxytryptophol her, das die Freisetzung des Follikelstimulierenden Hormons FSH hemmt.