Anatomie – Haare

Geschrieben am 11.05.2006 von Conni Kreißl

Da die Haare ähnlich wie die Hornschicht der Haut aufgebaut sind, werden sie auch als ein Teil der Haut angesehen. Bei den Medizinern werden sie im allgemeinen genau wie die Nägel als Hautanhangsgebilde bezeichnet.
Denn Haare sind lange Hornfäden die überwiegend aus Keratin bestehen und mit minimalen Ausnahmen die gesamte äußere Haut bedecken. Diese Ausnahmen sind die Handflächen, Fingerinnenseiten, Fußsohlen, Zehennagelbetten, Augäpfel, Zähne, Lippen Brustwarzen, und Schleimhäute der Körperöffnungen bzw. –höhlen, mit Ausnahme der Nase und Ohren. Alles andere ist dicht behaart.
Die Haare bzw. Pili entstehen bereits im 3. Keimlingsmonat, indem sich die Haarkeime in das Gewebe der Haus versenken. Daraus gehen dann, neben der eigentlichen Haaranlage, auch die mit dem Haar verbundenen Talgdrüsen hervor. Später entwickeln sich neue Haare Haar an der Haarpapille im unteren Bereich der Lederhaut.
Es wird in den, aus der Haut herausragenden Haarschaft und in die Haarwurzel unterteilt. Wobei die Haarwurzel in der gewebeartigen Wurzelscheide steckt, die sich in einen inneren und äußeren Teil gliedert und deren Aufbau mit der Haarzwiebel endet, in die von unten die bindegewebsartige Haarpapille eindringt, welche die Blutgefäße mit dem Haar verbindet. Diese Wurzelscheide wird von außen durch eine Glashaut begrenzt, an die sich der Haarbalg bzw. Follikel anschließt. In der Haarzwiebel befinden sich dagegen die mitotisch aktiven Zellen, welche die Fähigkeit besitzen neue Zellen zu bilden und somit für das Haarwachstum verantwortlich sind. Denn die dort gebildeten keratinreichen Hornzellen wandern von dort nach oben und bilden dabei den Haarschaft aus, der sich im inneren des Follikels zur Hautoberfläche schiebt. Der Haarschaft wiederum liegt in dieser länglichen Einstülpung der Oberhaut die man auch Haarfollikel oder Haarbalg nennt, an deren unterem Ende die Haarwurzel hängt. In diesen Follikel mündet auch die Talgdrüse, gelegentlich eine Duftdrüse sowie zahlreiche Blutgefäße und Nervenfasern. Wobei die Talgdrüsen schräg zwischen Haar und Haarbalgmuskel liegen, um so ihr in den Haarkanal angegebenes Sekret direkt auf die Hautoberfläche zu bringen. An den Follikel setzen außerdem noch an einer Verdickung der Wurzelscheide die glatten Muskeln an, die schräg zwischen Oberhaut und Unterhautzellgewebe in der Lederhaut liegen und die Haare bei psychischen Einflüssen wie Erregung, Wut, Schreck oder Kälte aufrichten.
Das Haar selbst wird in Mark und Rinde aufgeteilt, wobei sehr dünne, feine Haare mitunter kein Mark beinhalten. Außerdem ist es von einer sogenannten Haarkutikula überzogen, die aus winzigen dachziegelartig angeordneten Hornschüppchen besteht, welche die aufgeraute Oberfläche des Haares bewirken.
Die Farbe des Haars bestimmt der Pigmentgranula Gehalt der Rinde, je weniger Pigmente um so heller das Haar. Wobei weißes Haar nicht nur pigmentarm ist, sondern zusätzlich noch Luftbläschen enthält.
Der Mensch hat ungefähr 25.000 Körperhaare und je nach Haarfarbe unterschiedlich viele Kopfhaare, die bei blonden ca. 140.000 und bei rothaarigen etwa 90.000 ausmachen. Sie wachsen in mehreren Phasen die als Haarzyklus bezeichnet werden und das ständig auch während des Schlafs oder bei Patienten die im Koma liegen. In einem Jahr sogar ca. 15 cm, was einer Wachstumsrate von ca. 0,33 mm pro Tag entspricht. Dafür fallen aber auch täglich ungefähr 60 bis 100 Stück wieder aus. Sie haben eine Dicke von 0,07 mm bis 0,12 mm und eine Zugfestigkeit pro Haar von 200g. Wobei die Vellushaare die dünnsten und feinsten und die Terminalhaare die dicksten und kräftigsten Haare sind.
Denn zwischen den Haaren an sich gibt es auch noch große Unterschiede, da man sie in Flaumhaare bzw. Lanugohaar, Wollhaare bzw. Vellushaar, Langhaare sowie Kurz- und Borstenhaare bzw. Terminalhaar gliedert. Wobei Flaumhaar die feinen Härchen sind, die Frühgeborene noch an der ganzen Körperoberfläche tragen, Wollhaare die feinen Härchen der Körperoberfläche sind. Und zum langhaarigen Terminalhaar die Kopf-, Bart-, Scham- und Achselhaare zählen und zu den Kurz- und Borstenartigen Terminalhaaren die Wimpern, Augenbrauen sowie die am äußeren Gehörgang und am Naseneingang.
Die Form des Haare, ob glatt, gewellt oder gelockt, hängt dagegen ganz von der Art der Haarausbildung und von seinem Querschnitt ab. So haben die meist sehr glatten Haare der Ostasiaten meist einen runden Querschnitt, die der Europäer zumeist einen runden bis ovalen Querschnitt, wodurch diese glatt oder gelockt sind und die sehr starke, kleine Locken der Afrikaner einen stark elliptischen Querschnitt.