Anatomie - Harnorgane

Geschrieben am 12.05.2006 von Conni Kreißl

Die Harnorgane sind Exkretionsorgane, welche durch Bildung und Ausscheidung von Harn das Blut von den Stoffwechselendprodukten reinigen, die im Körper anfallen. Zudem halten sie den osmotischen Druck und die Ionen-Konzentration konstant.
Entwicklungsgeschichtlich und auch morphologisch gesehen stehen sie in enger Beziehung zu den Geschlechtsorganen, weshalb beide Organsysteme trotz ihrer sehr unterschiedlichen Aufgaben, zusammen genommen als Urogenitalsystem bzw. Urogenitaltrakt bezeichnet werden.
Die Harnwege sind äußerst muskulöse Hohlorgane mit einer eigenen unabhängigen, teils auch bewusst kontrollierbaren bzw. beeinflussbaren Muskulatur. Sie sind mit einem besonderen Gewebe ausgekleidet, dem Urothel, das sich weit dehnen und wieder eng zusammenziehen kann, da seine Gewebezellen wie Schuppen übereinander liegen.
Zu den Harnorganen selber gehören Organe wie Niere, Harnleiter, Harnblase und die Harnröhre. Zu den ableitenden Harnwegen, das paarige Nierenbecken, der paarige Harnleiter, die Harnblase und die Harnröhre. Wobei die Harnröhre im Weiblichen Geschlecht nur allein der direkten Harnausscheidung dient und die im Männlichen Geschlecht sich in dem selben mit den ableitenden Samenwegen zur gemeinsamen Harnsamenröhre vereinigt. Um das Zusammenspiel und die Arbeitsweise dieses Systems kurz zu erläutern fang ich mal bei der Niere an.
Die Niere bzw. Nieren, da jeder ja zwei davon hat, sehen wie große dunkelbraune Bohnen aus, sind etwa faustgroß, wiegen 120 bis 200 Gramm und werden zu ihrem Schutz von einer dünnen Nierenkapsel umschlossen. Durch sie fließt das gesamte Blut des Körpers ungefähr 300 mal am Tag, was einem Volumen von 1500 Litern gleichkommt. Dementsprechend groß ist ihre Filterleistung. Ihr Aufgabenbereich ist aber auch recht umfangreich, denn sie regeln den Wasser- und Salzhaushalt des Körpers, halten das Volumen und die Zusammensetzung des Blutes konstant und bewahren das Flüssigkeitsgleichgewicht des Organismus. Nebenbei trennen sie noch die Abfallprodukte aus dem Stoffwechsel und scheiden sie aus.
Die Nieren gliedern sich in die drei Bereiche Rinde, Mark und Becken auf. Wobei sich in dem äußeren Bereich der Rinde die Nierenkörperchen befinden, welche das Blut filtern. Im Mark hingegen laufen die Nierenkanälchen entlang, über die alle noch gebrauchten Stoffe ins Blut zurück gegeben werden. Dabei filtern diese Nierenkörperchen Wasser, Salze und andere kleine Molekühle aus, die von den Nephronen weitergeleitet werden. Die dort entstandene Flüssigkeit ist der Primärharn und der wird über die unförmigen Nierenkanälchen hinab ins Mark und wieder zurück in die Rinde geleitet. Wo er von den mehr als eine Million Nephrone Filterheinheiten, die den eigentlichen Harn herstellen und aus Haargefäßknäulen mit einem Kern aus einer Bowman-Kapsel bestehen, intensiv ausgefiltert. Der restliche unbrauchbare Teil der übrig bleibt und den man einfach Harn oder Urin nennt, fließt über die Sammelrohre in das Nierenbecken. Dabei sollte man wissen, das von den täglich gefilterten 170 Litern Primärharn, gerade mal etwa eineinhalb Liter Urin abfallen, der dazu noch zu 95 Prozent aus Wasser besteht. Wobei alle anderen gelösten Substanzen in ihrer Konzentration je nach Zusammensetzung des gefilterten Blutes und Funktionszustand der Nieren meist erheblich schwanken.
Womit wir zur Harnblase kommen, die ein elastischer Muskelsack ist, der in der Größe je nach Füllstand von einer Pflaume bis zur Grapefruit schwankt. In ihr speichert sich der Urin der über die beiden Harnleiter kommt, welche ca. 25 bis 30 cm lang und 3 bis 7 mm breit und eine konische Verjüngung des Nierenbeckens sind. Diese beiden durchsetzen die Wand der Harnblase am Blasengrund in schräger Richtung, was bei einem Anstieg des Blasendrucks eine Beeinträchtigung der Nieren verhindert.
Die Harnblase selber, hat einerseits die Funktion eines Harnreservoirs und ist andererseits ein Entleerungsapparat und befindet sich im vorderen Teil des kleinen Beckens hinter den Schambeinen. Sie kann durchschnittlich 700 bis 800 ml und maximal bis zu 1500 ml Urin enthalten. Ihre Entleerung erfolgt über die Harnröhre, die wie die beiden Harnleiter mit dem Blasengrund verbunden ist. Diese hat an ihrem Anfang einen schlingenartigen Muskel, den man Blasenschließmuskel nennt und der zusammen mit dem Harnröhrenschließmuskel, den Abfluss des Urins reguliert. Wobei der letztere ein Ringmuskel ist, der die Harnröhre von außen umfasst. Wobei die eigentliche Entleerung rein reflektorisch erfolgt, indem sie durch ein Gefühl des Harndrangs eingeleitet wird und mit der willkürlich beherrschten bzw. bewusst kontrollierten Entleerung endet.