Anatomie - Hirnanhangdrüse

Geschrieben am 6.06.2006 von Conni Kreißl

Die Hirnanhangdrüse bzw. Hypophyse ist die übergeordnete Drüse innerhalb des endokrinen Systems. Sie ist nur ungefähr erbsen- bis haselnussgroß, wird von straffem Bindegewebe umschlossen und befindet sich an der Unterseite des Gehirns, wo sie über den sogenannten Hypophysenstiel direkt mit dem Hypothalamus verbunden ist.
Sie liegt in Höhe der Nase mitten im Kopf, in einer knöchernen Vertiefung an der Hirnbasis, am Boden des Zwischenhirns auf dem Knochenteil der Schädelbasis, welcher Türkensattel bzw. Fossa hypophysialis oder auch Sella turcica genannt wird und sich aus einem Teil der Hirnwand und einer Ausstülpung des Munddachs zusammensetzt. Von da aus kontrolliert sie das gesamte Hormonsystem. Weswegen sie auch zumeist als Meisterdrüse bezeichnet wird, die mit ihren Hormonen direkt oder indirekt das komplette endokrine Systems beherrscht. Da sie neben ihrer eigenen Produktion von Hormone auch sehr effektvoll die Hormonproduktion aller anderen endokrinen Drüsen beeinflusst.
Wobei man ihre selbst produzierten Hormonen in zwei verschiedene Gruppen einteilen kann, denn die sogenannten nichtglandotropen Hormone wirken direkt auf ihre Zielorgane ein und die glandotropen Hormone stimulieren die Hormonproduktion der nachgelagerten endokrinen Drüsen. Die glandotropen Hormone lassen sich überdies noch in die gonadotropen bzw. auf die Keimdrüsen einwirkenden Hormone und in die nichtgonadotropen Hormone, also in die nicht auf die Keimdrüsen einwirkenden Hormone, einteilen.
Die Hirnanhangdrüse besteht aus den zwei unabhängig voneinander arbeitenden Hälften Hypophysenvorderlappen bzw. Adenohypophyse sowie Hypophysenhinterlappen bzw. Neurohypophyse. Wobei sich die Adenohypophyse aus dem Vorderlappen Lobus Anterior, dem Trichterlappen Pars Tuberalis und dem Mittel- oder Zwischenlappen Pars Intermedia zusammensetzt. Die Neurohypophyse untergliedert sich dagegen in den Hinterlappen Lobus Posterior und in den Hypophysenstiel Infundibulum.
Der etwas größere Hypophysenvorderlappen unterscheidet sich nicht nur größenmäßig und aufbaumäßig sondern auch durch seine rötliche Farbe von dem helleren und dazu kleineren Hypophysenhinterlappen. Anders als der Hypophysenhinterlappen, welcher eigentlich sogar entwicklungsgeschichtlich gesehen ein Teil des Hypothalamus ist, besitzt der Vorderlappen keine Verbindung mit dem Hypothalamus.
Der Hypophysenvorderlappen stellt die Hormone her, welche direkt auf das Körpergewebe und andere Drüsen einwirken und von Faktoren gesteuert werden, die sich im Hypothalamus bilden und dann über ein spezielles Gefäßnetz zum Vorderlappen gelangen. Darüber hinaus reagiert er vollkommen selbständig auf einen zu hohen Hormonspiegel im Blut, indem er die Produktion der Hormone von den Drüsen eingestellt, welchen den zu hohen Hormonspiegel verursachen, um deren Hormontätigkeit zu bremsen.
Der Hypophysenhinterlappen, der direkt über den Hypophysenstiel mit dem Hypothalamus verbunden ist, steuert über eine Nervenverbindung die Hormone, die im Hinterlappen des Gehirns produziert werden. Er speichert, diese dort gebildeten und über die gemeinsame Nervenverbindung zu ihm transportierten, Hormone. Weshalb er im Grunde genommen nur ein einfaches Speicherorgan und keine produzierende Drüse ist, das seine Hormone erst in der Hypophyse in den Blutkreislauf freisetzt. Allerdings steuert er zugleich auch die Sekretion bzw. Hormonfreisetzung der Vorderlappenhormone, indem er die Releasing- und Inhibiting-Hormone des Hypothalamus reguliert. Diese werden dann in seinem proximalen Teil in das Kapillarnetz abgesondert und gelangen dann erst von dort über die Portalvenen zu den Drüsenzellen im Vorderlappen.
Die Hirnanhangdrüse wird durch vier Arterien ständig mit ausreichend Blut versorgt, welche durch mehrere Kapillarnetze und Portalgefäße miteinander verschmelzen.
Sie hat viele wichtige Aufgaben im Körper, denn sie erhöht die Wasserabsorption, steigert den Blutdruck, regt die Kontraktion der schwangeren Gebärmutter an, fördert die Produktion von Brustmilch nach der Geburt eines Kindes und bringt die Knochen- und Muskeln zum wachsen. Aber sie fördert auch die Proteinsynthese und die Fettmobilisierung und regt die Produktion und Ausscheidung von Thyroidhormonen bzw. Schilddrüsenhormonen an. Wegen ihrer Lage im Gehirn und ihrer teilweisen Verbindungen zum Hypothalamus ist sie auch mit der kognitiven Steuerung verbunden, die auf den Erkenntnissen beruht, also auf Sachen wie Wahrnehmung, Lernen, Erinnern und Denken.
All das funktioniert nur, weil sie prompt auf alle Nervensignale, die sie über das autonome Nervensystem erhält, mit entsprechenden Hormonfreisetzungen antwortet und mit einer ganzen Reihe von regulierenden Rückkopplungsschleifen ihre Reaktionen ausgleicht. Diese eigentliche Regulierung kann allerdings auch durch zusätzliche Signale vom Nervensystem übersteuert werden.