Anatomie – Hormone

Geschrieben am 14.05.2006 von Conni Kreißl

Hormone sind biochemische Botenstoffe, die durch verschiedene Organe bzw. endokrine Drüsen gebildet werden, welche man zum Endokrinen System zusammenfasst. Davon sind die Gewebshormone allerdings ausgenommen, die im selben Organ gebildet werden indem sie wirken und somit nicht in speziellen Drüsen, sondern direkt im Gewebe erzeugt werden und auch da bleiben.
Sie gehören ihrer chemischen Natur nach zu verschiedenen Stoffklassen, wodurch auch ihre physiologischen Wirkungen recht vielfältig und unterschiedlich sind, so das eine spezielle bzw. systematische Einteilung nur sehr willkürlich möglich ist. Man kann sie aber nach ihrer chemischen Struktur in Aminosäure- und Eiweißabkömmlinge, Fettsäurederivate und auch Steroide gliedern. Aber auch eine Unterteilung nach rein physiologischen Gesichtpunkten ist möglich, wenn man die Stoffklassen nicht beachtet. So gibt es dahingehend die sogenannten Metabolischen Hormone, wie die Bauchspeichelhormone Insulin und Glukagon und das Schilddrüsenhormon Thyroxin. Dazu zählen aber auch die Morphologischen Hormone, wie das Wachtumshormon der Hirnanhangdrüse, die Kinetischen bzw. Organotropischen Hormone, wie Oxytozin und Sekretin und die Gruppe der Endokrinokinetischen Hormone. Wobei die letzten, Hormone des Hypophysenvorderlappens und Freisetzerhormone sind, welche die Sekretion anderer endokriner Drüsen anregen.
Hormone werden genau wie die Enzyme zur Aufrechterhaltung und zum geregelten Ablauf der Stoffwechselprozesse im Organismus gebraucht, da alle beide die Geschwindigkeit der zellulären biochemischen Reaktionen beeinflussen. Nur das die Enzyme für den Start und den Fortgang der chemischen Reaktionen verantwortlich sind und die Hormone für die Beschleunigung und Verlangsamung der Geschwindigkeit dieser Prozesse. Fernerhin dienen die Hormone auch als Informationsträger, da sie auf dem Blutweg Verbindungen komplexer Vorgänge weitergeben bzw. Informationen von einem Organ zum anderen oder von einem Gewebe zum anderen übermitteln. Nur das sie bis zu ihrer Wirkung, im Gegensatz zur sehr hohen Geschwindigkeit der durch Nerven vermittelten Information, mehrere Sekunden oder auch Stunden dafür benötigen. Das kommt aber von der Tatsache, das die Hormone erst über den Blutweg transportiert und im Körper verteilt werden, was ihre Wirkung nicht gerade scharf abgrenzt und gegenüber der nervösen Regulation eher verzögert. Dafür halten die hormonell bewirkten Reaktionen aber länger an und wirken nur auf bestimmte Zielorgane, die spezielle Rezeptoren besitzen, an welche die Hormonmoleküle anbinden können. Denn nur die Zellen, die den Rezeptor für das jeweilige Hormon haben, können die Informationen weiterverarbeiten.
Die meisten Hormone wirken nach dem Second-Messenger-Prinzip, was heißt das sie auf ein bestimmtes Signal hin, Hormone erzeugen die eine benötigte Reaktion bewirken. Da sie wasserlöslich sind können sie nicht durch die Zellmembran in die Zelle eindringen, sondern docken an die jeweils passenden Rezeptoren auf der Zelloberfläche an, die für das gerade präsente Hormon bestimmt sind. Dieses Andocken löst den Hormon-Rezeptor-Komplex im Zellinneren und damit biochemische Reaktionen aus, die eine bestimmte Reaktion der Körpers hervorrufen. Einige Hormone, die man auch Steroidhormone nennt, sind allerdings hydrophob bzw. wasserabweisend und können so durch die Zellmembran durchdringen und dort an den cytoplasmatischen bzw. den zellinneren nicht strukturgebundenen Rezeptoren wirken.
Störungen des hormonellen Gleichgewichts entstehen immer dann, wenn von einer Drüse zu große Hormonmengen erzeugt werden, was man als Hyperfunktion bezeichnet, oder auch zu kleine mengen produziert werden, was man Hypofunktion nennt. Was sich aber nur sehr schwer feststellen bzw. diagnostizieren lässt, da das komplexe Wechselspiel zwischen dem Endokrinen System und dem Nervensystem dieses sehr schwierig macht.