Anatomie - Immunsystem

Geschrieben am 16.05.2006 von Conni Kreißl

Das Immunsystem ist ein äußerst komplexes Abwehrsystem das den Körper ununterbrochen vor fremden Substanzen bzw. Antigen wirkenden körperfremden Bestandteilen und auch Lebewesen schützt und fehlerhafte Zellen vernichtet, um auf diese Weise Gefahren für den Körper abzuwenden. Denn es kann zwischen eigenen und fremden Formen unterscheiden, so das es den Organismus vor Krankheiten die von Bakterien, Pilzen, Viren, Parasiten oder anderen Fremdeinflüssen ausgehen schützt, womit es der Erhaltung der individuellen Integrität dient.
Beim Menschen besteht das Immunsystem aus spezialisierten Proteinen bzw. Antikörpern, Immunzellen und Immunorganen, welche entweder erst produziert oder schon im Körper vorhanden sind. So müssen die eigentlichen typischen Abwehrzellen, die Lymphozyten, erst in Knochenmark, Leber und Thymus, einem Organ des Lymphsystems, produziert werden. Während die Immunorgane des Lymphsystems wie Thymus, Milz, Gaumen- und Rachenmandeln, der Wurmfortsatz des Blinddarms und die Lymphknoten sowie viele sesshafte Immunzellen in vielen Organen bereits vorhanden sind.
Des weiteren gibt es neben dem angeborenen Immunsystem, auch noch ein erworbenes Immunsystem bzw. adaptives Immunsystem. Wobei das erste eine unspezifische Abwehr gegen Schadstoffe darstellt bzw. Infektionserreger bekämpfen kann, ohne das der Körper vorher mit dem Erreger Kontakt gehabt hatte. Die dafür notwendigen Funktionen werden im allgemeinen von verschiedenen Zellen wahrgenommen wie den Granulozyten, Epithelzellen, dendritischen Zellen, Makrophagen bzw. Fresszellen und den natürlichen NK-Zellen bzw. Killerzellen. Aber auch von den Botenstoffen der Abwehrkoordination sowie den lytischen Enzymen und den antibiotischen Peptiden, die zum Teil in der Lage sind die Eindringlinge oder Erreger selbst zu vernichten. Nebenbei versetzen sie den gesamten Organismus durch die Produktion von Botenstoffen in Alarmzustand, was zum verstärkten Einsatz der zellulären Abwehr führt und sich mitunter in Entzündungen und Fieber äußert.
Das zweite oder adaptive Immunsystem, stellt spezifische Mechanismen der Abwehr zur Verfügung bzw. zeichnet sich durch die Anpassungsfähigkeit seiner Verteidigung gegenüber den Eindringlingen aus. Wofür die Zellen des adaptiven Immunsystems, welche man in T- und B-Zellen einteilt in der Lage sind, charakteristische Strukturen der Angreifer zu erkennen um dann gezielt zelluläre Abwehrmechanismen und molekulare Antikörper dagegen zu bilden. Wobei diese erzeugten individuellen Antikörper und die Gedächtniszellen nach einer Infektion erhalten bleiben, um künftig den gleichen Unruhestifter mit kürzerer Reaktionszeit unschädlich machen zu können. Dabei verfügen die T-Zellen über mehrere Rezeptoren auf ihrer Oberfläche, die man in Andock- und Erkennungsstellen unterteilt und nach denen sie auch in T-Helferzellen und T-Killerzellen unterschieden werden. Diese Abwehrvorläuferzellen stammen aus dem Knochenmark und werden dann in Organen wie Thymus, Milz, Gaumen- und Rachenmandeln, dem Wurmfortsatz des Blinddarms und den Lymphknoten entwickelt und vermehrt. Dagegen besitzen B-Zellen bereits auf ihrer Zelloberfläche Antikörper an die schon Antigene angedockt haben, die bei Bedarf aktiviert werden können. Wofür sich die B-Zellen teilen um entsprechende Antikörper zu produzieren, weshalb sie in diesem Stadium als Plasmazellen bezeichnet werden. Bis sich aber aus B-Zellen Antikörperproduzierende Plasmazellen entwickeln, dauert es bei einer Erstinfektion mindestens fünf Tage oder auch mehr, was man als Karenzzeit bezeichnet.
Allerdings wird das Immunssystem auch da aktiv, wo Ärzte im Rahmen einer Heilbehandlung fremde Zellen in einen Körper einbringen, wie zum Beispiel bei Organtransplantationen oder Bluttransfusionen. Was dann zu schweren Komplikationen führen kann, wenn sich zu viele der fremden Antigene auf den Körperzellen des transplantierten Organs befinden. Oder auch wenn bei einer Transfusion von roten Blutkörperchen manche Oberflächenstrukturen auf den roten Blutkörperchen als Antigene wirken, gegen die der Organismus des Empfängers mit Antikörperbildung reagiert. Was wiederum zu schweren Gesundheitlichen Schäden führen kann. Weshalb es wichtig ist, das sich die Antigene die auch als Gewebetypen bezeichnet werden, von Spender und Empfänger ähneln, um solch eine Immunreaktion zu vermeiden. Andererseits erkennt es Tumorzellen nicht, da diese niemals so fremd wie Bakterien, Viren, Pilze oder andere Fremdstoffe sind. Denn diese zwar krankhaft veränderten Zellen tragen im Vergleich zu diesen Eindringlingen immer noch sehr viele Merkmale des Ursprungsgewebes in sich. Wohingegen andere Mechanismen welche für die Signalkette zur Erkennung kranker Zellen wichtig sind, um die Immunreaktion zu aktivieren, bei den Krebszellen verloren gehen. Ja Krebszellen können sich sogar regelrecht tarnen, indem sie Eigenschaften anderer noch gesunder Gewebe annehmen.
Was das Immunsystem, das nach gegensätzlichen Aspekten arbeit, indem es einerseits alle fremden und gefährlichen eigenen Zellen schnellstmöglich ausschalten soll und andererseits gesunde, körpereigene Zellen nicht angreifen darf, mitunter überfordert. Wodurch es unter Umständen zu starken Überreaktionen wie bei Allergien oder zu Unterreaktionen wie bei der Immunschwäche AIDS kommt.