Anatomie - Knorpel

Geschrieben am 18.05.2006 von Conni Kreißl

Ein Knorpel ist eine aus Knorpelgewebe aufgebaute Struktur des Organismus, wie Beispielsweise die Ohrmuschel. Obwohl manche auch das Knorpelgewebe selbst gelegentlich als Knorpel bezeichnen. Das Knorpelgewebe wiederum ist ein äußerst gefäßarmes, gut schneidbares Gewebe und eine aus Knorpelzellen bzw. Chondrozyten und Interzellularsubstanz, also dem Gewebe zwischen den Zellen, aufgebaute Form des Bindegewebes, das keine Blutgefäße oder Nerven enthält. Während die fortsatzlosen Knorpelzellen entweder genau wie ihr Zellkern kugelig geformt oder eiförmig bzw. länglich sind und viel Wasser, Fett und Glykogen enthalten, besteht die Interzellularsubstanz aus bis zu 70% Wasser und ist arm an Gefäßen und Nerven.
Knorpel sind biegungselastisch und sowohl druck- als auch reißresistent und werden nach dem Charakter ihrer Interzellularsubstanz in drei Arten unterschieden. Was da wären der hyaline Knorpel, der elastische Knorpel und der Faserknorpel.
Der hyaline Knorpel bildet die Grundlage für das Keimlingsskelett und bleibt nach seiner Verknöcherung beim Erwachsenen als Gelenkknorpel an den Gelenken, als Rippenknorpel, als Wachstumsfuge bzw. Epiphysenfuge oder auch Nasenknorpel teilweise erhalten. Außerdem bildet er das Gerüst des Kehlkopfes und die Knorpelspangen der Luftröhre und der Bronchien. Er ist die häufigste Knorpelart, hat eine milchig bläuliche Farbe und es liegen meist mehrere von ihnen gruppenweise beieinander. Seine Interzellularsubstanz besteht aus kollagenen Fasern, elastischen Fasernetzen und einem Schleimstoff bzw. einer durchsichtigen festen Substanz die als Chondromukoid bezeichnet wird. Da diese Bestandteile ein gleichartiges Lichtbrechungsverhältnis besitzen sind die Fasern im normalen Licht nicht sichtbar, wodurch der Knorpel gleichmäßig glasartig durchscheinend erscheint. Er besitzt eine ausgesprochen glatte Oberfläche die ein reibungsarmes Bewegen der Gelenkkörper gegeneinander ermöglicht und kann sich an bestimmte Grenzen der Gelenkmechanismusfunktionen anpassen. Seine druckfesten, elastischen Gelenkkörper schützen die Knochen indem er Stöße beim Laufen und Springen abfängt und somit vor Zerstörung bewahrt.
Der elastische Knorpel, mit seiner gelblichen Färbung, ist derjenige der keinerlei Tendenz zur Verkalkung zeigt, da in seiner Zwischensubstanz reichlich elastische Fasernetze liegen und nur vereinzelt ein paar kollagene Fasern. Er kommt nur als kleinster Bronchialknorpel und im Ohr bei der Ohrmuschel, dem äußeren Gehörgang und beim distalen Teil der Ohrtrompete, sowie im Kehlkopfskelett beim Kehldeckel und an Teilen des Stellknorpels vor. Er ist ähnlich wie der hyaline Knorpel aufgebaut, nur das er noch zusätzliche Netze elastischer Fasern enthält, die ihm seine besonders hohe Elastizität verleihen.
Der Faserknorpel, der fachmännisch auch als Bindegewebsknorpel bezeichnet wird, enthält weniger Zellen als die anderen beiden Arten, dafür aber äußerst viele dieser eiweißverstärkten, kollagenen Faserbündel. Aus ihm bestehen die Bandscheiben bzw. Zwischenwirbelscheiben, die Schambeinfuge bzw. Symphysenscheibe zwischen den Schambeinen, die Gelenklippen, die Disken und Menisken innerhalb der Gelenkspalten. Außerdem sind mit ihm die Gelenkkörper des Kiefer- und des inneren Schlüsselbeingelenks und die distale bzw. äußere Fläche des ulnaren bzw. ellenseitigen Gelenkhöckers des Oberarmknochens überzogen. Er ähnelt im Aufbau dem straffen Bindegewebe, da er wie diese aus Bündeln derber, kollagener Fasern besteht, die sich in verschiedenen Richtungen überkreuzen und somit ein dichtes Geflecht bilden. Nur das der Faserknorpel im Gegensatz zum Bindegewebe verstreute, abgerundete Knorpelzellen enthält, die allein oder zu zweit zwischen den Faserbündeln liegen und von einer dünnen Schale aus Chondromukoid umgeben sind.
Wenn Knorpelgewebe entsteht, wird das auch Chondrogenese genannt, was vornehmlich durch die Größenzunahme der Interzellularsubstanz geschieht.
Alle Knorpel sind gefäßlos, nur das die Gelenkknorpel von der Gelenkschmiere und vom Knochen und die restlichen Knorpel von der sie umhüllenden bindegewebsartigen, derben und gefäßreichen Haut Perichondrium mit Nährstoffen versorgt werden. Diese Haut, die so eng mit dem Knorpel verbunden ist das sie allmählich ins Knorpelgewebe übergeht, ist auch die den Knorpel regenerierende Schicht.