Anatomie - Leber

Geschrieben am 18.05.2006 von Conni Kreißl

Die Leber ist nicht nur einfach ein zentrales bzw. wichtiges Stoffwechselorgan, sondern sie ist das größte innere Organ bzw. die größte Drüse überhaupt und wiegt ungefähr etwa 1500 bis 2000 g. Sie verfügt über eine enorme Kraft zur Neubildung, weshalb sie sich auch nach Verletzungen rasch wieder erholt. Manche bezeichnen sie wegen dieser Fähigkeit und ihrem vielfältigen Aufgabengebiet auch als Zentrallabor des Körpers.
Die Leber hat während der Fötalperiode eine blutbildende Funktion und ist später sehr eng in die Steuerung des Glukose-, Fett- und Eiweißstoffwechsels eingebunden. Sie verarbeitet die vom Darm zu ihr gelangten resorbierten Nährstoffe je nach Bedarf, speichert überschüssigen Zucker als Glykogen und baut diesen bei sinkendem Blutzuckerspiegel oder Hunger wieder in Zucker um. Sie stellt Bluteiweiße her, baut Fette ab und entgiftet den Körper, indem sie Schadstoffe beseitigt oder unwirksam macht und nebenbei beeinflusst sie, gesteuert von Hormonen wie Insulin und Glucagon, den Blutzuckerspiegel und kann diesen auch von der Nahrungsmittelzufuhr unabhängig, konstant halten. Zusätzlich speichert sie noch Vitamine und ist für die Synthese von Ausgangsprodukten der Hormonproduktion zuständig. Aber ihre wichtigste Aufgabe ist definitiv neben all den anderen, die Produktion von lebenswichtigen Eiweißstoffen bzw. Proteinen wie die der Gerinnungsfaktoren sowie von Abwehrstoffen und Galle. Sie ist das Hauptentgiftungsorgan, denn fast alle Nährstoffe, die aus dem Darm ins Blut aufgenommen werden, gelangen zuerst in die Leber und werden dann von dieser ans Blut abgegeben oder aus ihm Blut entfernt.
Die Leber ist ein weiches, gleichmäßig strukturiertes Organ, das sich größtenteils im rechten Oberbauch unter der rechten Zwerchfellkuppel befindet, unmittelbar an der Bauchwand liegt und durch die Rippen gut geschützt das Magenfeld freilässt. Sie ist über mehrere Bänder in der Bauchhöhle befestigt, die eigentlich keine richtigen Bindegewebsstrukturen, sondern Doppelfalten des Bauchfells sind. Zusätzlich Sicherung erhält sie über ihre Verbindungen mit dem Zwerchfell, dem Magen und den Zwölffingerdarm. Weshalb sich ihre Lage auch mit der Zwerchfellatmung stehts leicht verändert.
Die Leber hat eine etwas rötlichbraune Farbe, eine glatte Oberfläche und erinnert in ihrer Form etwas an eine Halbkugel. Sie lässt sich in zwei Hauptlappen aufteilen, die sich noch weiter unterteilen lassen. Wobei der große rechte Leberlappen, der direkt unterm Zwerchfell liegt, mit diesem auch teilweise verwachsen ist und der viel kleinere linke Leberlappen bis in den linken Oberbauch hineinreicht.
Es gibt jedoch noch zwei weitere etwas kleinere Leberlappen, den quadratischen und den geschwänzten Lappen und an der Unterseite der Leber liegt noch die Leberpforte. Über die einerseits die Pfortader und die Leberarterie in die Leber ein und andererseits die Leber-Gallengänge austreten. Wobei die Pfortader Nahrungsbestandteile von Magen und Darm in Form von nährstoffreichen Blut zur Leber bringt und die Leberarterie das sauerstoffreiche Blut vom Herzen zur Leber transportiert.
Die Grenze zwischen linkem und rechten Leberlappen liegt nicht wie meist angenommen auf der Zwerchfellseite rechtwinklig zur Bauchseite beim sichelförmigen Leberband, sondern senkrecht im Bereich der Gallenblase. Außerdem wird die Leber durch die Aufzweigung der Pfortader horizontal in eine obere und eine untere Segmentgruppe eingeteilt. Zusätzlich kommt noch die weitere Unterteilung der Leberlappen in weitere maximal 1 bis 2 mm winzige Leberläppchen hinzu, die vieleckig und nur unvollkommen durch Bindegewebe getrennt sind, im Zentrum eine Zentralvene haben und vorwiegend aus Leberzellen bzw. Hepatozyten bestehen. Die Hepatozyten wiederum bestehen aus mehreren Zellkernen, sind in Strängen bzw. Balken angeordnet und haben an den Eckpunkten zu den benachbarten Leberläppchen sogenannte Periportalfelder. Das sind gefäßführende bindegewebsartige Zwischenräume in denen jeweils ein Ast der Leberarterie, der Pfortader und ein Gallengang verläuft.
Zwischen den Leberzellen, die in einem dreidimensionalen Gerüst zu Platten und Balken geordnet sind, liegen erweiterte Kapillaren bzw. Lebersinusoide. Diese Sinusoide leiten das Blut der Pfortader zusammen mit dem Blut aus der Leberarterie durch die Leberläppchen in Richtung Läppchenzentrum, wo es dann über die Zentralvene zur Lebervene transportieren wird.
Die eigentliche Entgiftung findet allerdings erst in dem Spalt zwischen den Lebersinusoiden und Leberzellen statt, den man Dissé-Raum nennt und indem sich Zellen die Vitamin A enthalten und Blutplasma befinden, die der Fettspeicherung dienen.
Dann gibt es aber auch noch die Gallenkapillaren, die keine eigene Wand besitzen, da sie innerhalb der Leberläppchen nur Vertiefungen der Leberzellen sind. Diese bekommen erst nach dem Austritt aus den Läppchen eine eigene Wand bevor sie zu Gallengängen werden, aus denen dann die Galle über größere Gallengänge aus der Leber fließt.
Da die Enzyme der Leber überall im Körper verteilt sind, erkennt man Lebererkrankungen bei Blutuntersuchungen und kann je nach Ergebnis der Untersuchung oft auf die Art der Erkrankung schließen.