Anatomie - Lunge

Geschrieben am 22.05.2006 von Conni Kreißl

Die Lunge ist ein paariges Körperorgan das zur Atmung dient, einem umgedrehten Baum ähnelt und den größten Teil des Brustraumes einnimmt. Sie dient dem Gasaustausch zwischen Luft und Blut und gibt die Luft die sie enthält nie ganz ab.
Sie besteht aus einem großen rechten und einem kleineren linken Lungenflügel, die durch ein Bindegewebe, das sich Mittelfell nennt, getrennt sind. Dieses Mittelfell reicht von der Wirbelsäule bis zum Brustbein. In ihm sind neben dem Herz, der Speise- und Luftröhre auch die Nerven, Blut- und Lymphgefäße und die Aufzweigungen der Lungenarterien und -venen eingebettet. Wobei zu beachten ist, das die Blutkreislaufverhältnisse hier in der Lunge genau umgedreht zum restlichen Körper verlaufen, da die Arterien hier sauerstoffarmes Blut und die Venen sauerstoffreiches Blut befördern.
Die Lungenflügel, welche größtenteils an der Brustwand anliegen, haben eine kegelartige Form, deren Spitze bedingt durch den Verlauf der Rippen den oberen Brustraum beim Schlüsselbein um etwa 3 bis 4 cm überragt, während das breitere Ende auf dem Zwerchfell aufsitzt. Wobei die direkt an das Mittelfell angrenzende Lungenfläche das Herz mantelartig schützend umhüllt.
Die Oberfläche der Lunge ist von einer glatten Auskleidung mit Namen Serosa überzogen, die man in der Brusthöhle als Brustfell bezeichnet. Zwischen dieser Serosa und der dünnen Brustfellauskleidung der Brusthöhle liegt ein schmaler Spaltraum, in dem ständig Unterdruck herrscht und der für die Atmung von enormer Bedeutung ist. Dieser ist auch Verantwortlich wenn bei einer Verletzung des Brustkorbs die Lunge kollabiert, da bei Verletzungen dieser Gegend meist der Unterdruck zusammenbricht.
Erstaunlicherweise besitzt die Lunge keinerlei Muskulatur, aber durch ihre bewegliche Lage im Brustraum, kann die Luft zum Atmen nur mit Hilfe der Rippen- und Zwerchfellmuskulatur eingesogen werden. Denn ihre sehr variable Position ist vorrangig von der Atemstellung und der Körperlage abhängig, so das in ihrer Atemruhestellung die Lungenränder bauchseitig in Höhe der 6. Rippe, seitlich in Höhe der 8. Rippe und auf der Rückenseite in Höhe der 10. Rippe zu liegen kommen.
In der Mitte zwischen den beiden Lungenflügeln befindet sich die sogenannte Lungenpforte, welche die Ein- bzw. Austrittstelle der Blut- und Lymphgefäße, Bronchien und Nerven ist. Außerdem werden die Lungenflügel durch mehr oder weniger tiefe Einschnitte in sogenannte Lungenlappen unterteilt. Wobei der rechte Flügel drei Lappen hat und der linke Flügel nur zwei, damit das Herz ausreichend Platz hat, was auch die unterschiedlichen Größen der Lungenflügel erklärt.
Diese Lungenlappen lassen sich noch in weitere 9 bis10 Segmente gliedern, wobei deren Bezeichnung entsprechend der Zuordnung zum versorgenden Bronchialast erfolgt. So liegen auf der rechten Seite zehn Segmente und in der linken nur neun, da auf dieser das siebente Segment wegen dem Herzen fehlt. Zusätzlich ist das Innere der Lunge auch noch von einem luftführenden System von Röhren bzw. Bronchien durchzogen, die in blind abschließenden Säckchen, den Lungenbläschen bzw. Alveolen enden. Diese Alveolen sind traubenförmig angeordnet und von einem dichten Kapillarnetz umschlossen, da in diesen Lungenbläschen das Blut, das aus den Lungenarterien kommt, oxigeniert bzw. mit Sauerstoff angereichert wird. Während die Bronchien massenhaft winzige Flimmerhärchen auf ihrer schleimigen Oberfläche haben, die sich immerzu rhythmisch hin und her bewegen, um so die mit der Atemluft in die Bronchien gelangten Fremdkörper wie Staubpartikel und Pollen wieder nach oben in den Rachenraum zu befördern. Dieses komplette luftführende System bezeichnet man insgesamt auch als Bronchialsystem bzw. Bronchialbaum.
Durch die Lage der Lunge und bedingt durch die ungleiche Aufspaltung der Luftröhre in die Hauptbronchien, so das der linke Luftröhren-Bronchien-Winkel kleiner ist als der rechte, wird die rechte Lunge im allgemeinen besser belüftet.
Da der rechte Lungenflügel aber größer ist als der Linke, ist auch der rechte Stammbronchus weiter als der Linke. Außerdem verläuft der rechte Stammbronchus steiler als der Linke. Was wohl auch den Umstand erklärt, warum bei Koordinationsstörungen des Schluckvorgangs und Versagen des Kehlkopfreflexes, Fremdkörper aus der Mundhöhle, welche in die tieferen Luftwege gelangen, meist in der rechten Lunge landen.
Die Farbe der Lunge ändert sich vom sauberen rosa bei Kleinkindern, mit den Jahren zu dunkelgrau bis schwarz-blau. Was je nach Lebensweise und Umwelt sehr unterschiedlich ist. Da ein nichtrauchender Landmann meist eine hellere Lunge hat als ein rauchender Städter, mit zusätzlichen Ablagerungen aus Staub- und Kohleteilchen der Industriegebiete.