Anatomie - Lymphsystem

Geschrieben am 22.05.2006 von Conni Kreißl

Das Lymphsystem, das ein Teil des Abwehrsystems gegen Krankheitserreger, Fremdpartikel und krankhaft veränderte Körperbestandteile wie Tumorzellen ist, bildet im Gegensatz zum Blutkreislauf kein in sich geschlossenes System. Weswegen man bei ihm auch nicht von einem Lymphkreislauf sprechen kann.
Das Lymphsystem gliedert sich in die lymphatischen Organe, das Lymphgefäßsystem und die Lymphe, welches ein klares Körperwasser ist. Zu den lymphatischen Organen gehören unter anderem die Lymphknoten, die Milz, das Knochenmark, der Thymus und all die lymphoepithelialen Organe, welche den lymphatischen Rachenring bilden, wie die Gaumen-, Zungen-, Rachen- und Tubenmandeln. Wobei der Thymus und das Knochenmark primäre lymphatische Organe sind, da in ihnen die eigentliche Differenzierung der T- bzw. B-Lymphozyten erfolgt. Während die restlichen zu den sekundären lymphatischen Organen zählen, in denen nur die Vermehrung dieser Zellen erfolgt. Nur Milz und Knochenmark haben darüber hinaus noch zusätzliche Funktionen bei der Blutbildung, Blutspeicherung und dem Blutabbau. Auf alle Fälle gehören jedoch sämtliche lymphatische Organe zu den äußerst wichtigen Bestandteile des Immunsystems, da sie den Körper sicher vor Makromolekühlen schützen.
Das Lymphgefäßsystem beginnt im Gewebe als blindsackige Lymphkapillaren in der direkten Nachbarschaft der Blutkapillaren und endet als zwei Lymphstämme, welche am Venenwinkel bzw. der Vereinigungsstelle der Hals- und Armvenen in die Blutbahn münden. Da sie damit jedoch in die vordere Hohlvene und somit in das Venensystem direkt einmünden, können sie wie schon erwähnt keinen vollständigen Kreislauf mehr bilden.
In die Lymphkapillaren, die sich zu größeren Lymphgefäßen bzw. Lymphsammelstämmen vereinigen, sind in regelmäßigen Abständen die sogenannte Lymphknoten als Filterstationen eingebaut. Wobei die Lymphkapillaren temporär weit geöffnete Interzellularspalten besitzen, aber keine Basalmembran haben. Was heißt, die Proteinschicht, die sich üblicherweise an der unteren Seite des Deckgewebes befindet und dieses sonst mit dem darrunterliegenden Gewebe verbindet fehlt. Trotzdem und vermutlich gerade deshalb weisen die Interzellular-spalten eine außerordentlich große Durchlässigkeit auf. Wodurch sie als Drainagesystem der bindegewebsartigen Interzellularräume angesehen werden, das die Flüssigkeiten mit allen ihren Bestandteilen aus dem Gewebe aufnimmt.
Die Lymphgefäße, von denen die größeren muskuläre Wände besitzen, transportieren die Lymphe aus den Interzellularräumen mittels rhythmischer Kontraktionen, die für einen schubweisen Beförderung sorgen, in den Blutkreislauf. Wobei die Lymphe dabei direkt aus den Kapillaren in die Lymphgefäße geleitet wird, welche ein perlschnurartiges Aussehen besitzen und deren Einschnürungen durch den Einsatz von Klappen zustande kommt, die denen der Venenklappen ähneln. Wodurch die Lymphgefäße auch der Verbreitung der Lymphozyten dienen.
Diese sogenannte Lymphe ist eine wässrige Körperflüssigkeit, die sich in den Lymphgefäßen des Körpers befindet und Elektrolyte, Chylomikronen, Proteine, Abwehrstoffe, Eiweißstoffe, Salze, Fette und weiße Blutkörperchen sowie Lymphozyten enthält. Nur das ihr Proteingehalt deutlich geringer ist als der des Blutplasmas.
Die Lymphe passiert auf ihrem Weg zum Blutkreislauf mindestens einen, meist aber mehrere der 1 bis 25 mm großen, rundlichen, an einer Stelle eingebeulten Lymphknoten. Diese sind durch eine bindegewebsartige Kapsel gegen ihre Umgebung abgegrenzt, in deren inneren ein grobes Bindegewebsgerüst ist, in dessen Zwischenräumen die Lymphozyten in ihrer charakteristischen Anordnung liegen. Diese ist im äußeren Bereich zusammenhängend mit knötchenartigen Gebieten besonderer Struktur und im inneren Bereich des Lymphknotens strangartig.
Von dieser Lymphflüssigkeit befördert das System pro Tag nur etwa 2 Liter, da ihr Transport durch unregelmäßige, etwa 10 mal pro Minute erfolgende Kontraktionen, der Lymphangione bzw. Lymphherzen erfolgt.
Strukturell ähneln die Lymphgefäße den Venen., da sie ebenfalls einen dreischichtigen Aufbau haben und aus elastischen Fasern, glatten Muskelzellen und Bindegewebe bestehen. Nur bei kleineren Lymphgefäßen fehlen die elastischen Fasern und die glatte Muskulatur, so sie nur einen zweischichtiger Aufbau aus Deck- und Bindegewebe aufweisen. Dafür haben die größeren Lymphgefäßen Gefäßklappen, die den Rückstrom der Lymphe verhindern. Wodurch die Lymphflüssigkeit dem geringsten Widerstand in Richtung der sich zunächst erweiternden Lymphgefäße folgt.
Neben ihrer entgiftenden Funktion leitet die Lymphe auch überschüssige Gewebsflüssigkeit aus den verschiedenen Körperteilen ab, indem sie diese in die vordere Hohlvene leitet, wo Lymphe und Blut sich vereinen, damit die Abfallstoffe über den Dickdarm ausgeschieden werden können.