Anatomie - Mandeln

Geschrieben am 14.06.2006 von Conni Kreißl

Die Mandeln bzw. Tonsillen sind lymphatische Organe mit unmittelbarem engen Kontakt zum Gewebe des oberen Verdauungstrakts, die meist von Spüldrüsen unterlagert werden. Sie sind ein Teil des Immunabwehrsystems, welches Erreger unmittelbar an den Eintrittspforten von Mund und Nase abwehrt und sie lassen sich in vier Erscheinungsformen untergliedern. Dazu gehören die Gaumenmandeln bzw. Tonsilla palatina, die Rachenmandeln bzw. Tonsilla pharyngea, die Zungenmandeln bzw. Tonsilla lingualis und die Tubenmandeln bzw. Tonsilla tubaria.
Diese bilden alle zusammen den Iymphatischen Rachenring, der nach seinem Entdecker auch als Waldeyer-Rachenring bezeichnet wird und sich von den hinteren Abschnitten über Nasenrachen und Mundhöhle bis in den Schlund bzw. Rachen erstreckt. Er setzt sich aus einer Sammlung von drüsenartigen lymphatischen Gewebsinseln zusammen, die zumeist symmetrisch angeordnet sind und von Kapseln aus Bindegewebe eingefasst werden, welche die Mandeln untereinander klar abgrenzen.
Alle Mandeln enthalten Lymphfollikel bzw. Lymphknötchen mit speziellen Abwehrzellen, in denen sich die äußerst langlebigen B-Zellen bzw. B-Lymphozyten, mit Antigengedächtnis, der spezifischen Abwehr vermehren. Die wiederum die Vorläufer der Antikörper bildenden Plasmazellen darstellen. Weswegen bei starkem Kontakt mit Krankheitserregern aus der Atemluft und der Nahrung derart viele Lymphozyten produziert werden, das die Mandeln anschwellen. Was oft heftige Schmerzen verursacht, aber bei entsprechender Behandlung rückstandslos verschwindet.
Das Gerücht das die funktionelle Wirkung der Mandeln im Alter nachlässt, konnte bis jetzt nicht bewiesen werden, das sie jedoch durch die Erstkontaktaufnahme mit den Antigenen wie ein Frühwarnsystem wirken und diese Signale an die anderen lymphatischen Organe weiterleiten steht fest. Dadurch sind sie quasi die erste Station des Körpers, an der Erreger lokalisiert werden und funktionieren so als Detektor für Fremdstoffe.
Die Gaumenmandeln liegen in einer Nische zwischen den beiden Gaumenbögen genau auf der Ebene des Zäpfchens und sind teilweise bei offenem Mund deutlich sichtbar. Sie sind ein paariges, mandelförmiges Organ, mit einer extrem zerklüfteten Oberfläche, mit Spalten und Krypten bzw. Höhlen und einen Überzug aus mehrschichtigen, unverhornten Plattengewebe. Wobei die Krypten, die der eigentliche Ort der Eiterbildung bei einer eventuellen Entzündung sind, abgestoßene Gewebezellen, lebende und tote Lymphozyten und Flüssigkeit enthalten. Die Gaumenmandeln werden zusätzlich noch durch straffes Bindegewebe umkapselt und vom umliegenden Gewebe getrennt, um auf diese Weise eine Ausbreitung von Infektionen zu verhindern. Bei einer entzündlichen Vergrößerung dieser Mandel wird der Rachen stark eingeengt, was Fieber, Halsschmerzen und Schluckbeschwerden verursacht.
Die Rachenmandeln befinden sich an der Hinterwand des Rachens, hinten am Übergang von der Nasenhöhle zum Rachen im Rachendach und werden dort von einem mehrreihigen hochprismatischen Gewebe bedeckt sowie von einer dünnen Kapsel umhüllt. Sie besitzen anders als die Rachenmandeln keine Krypten bzw. Höhlen. Sie können allerdings bei einer krankhaften Vergrößerung zu Ohrentzündungen und Schwerhörigkeit führen, weswegen sie manchmal entfernt werden müssen.
Die Zungenmandeln befinden sich an der Basis bzw. dem Grund der Zunge, sind sehr klein und bestehen aus einem mehrschichtigen, unverhornten Plattengewebe. Sie besitzen nicht ganz so tiefe, etwas weniger verzweigte, nur isoliert stehende Krypten bzw. Höhlen und eine äußerst dünne oder auch ganz fehlende Kapsel. Dafür haben sie zahlreiche Drüsen, welche in die Krypten innerhalb der Kapsel münden.
Die Tubenmandeln sitzen dagegen an der Öffnung der Ohrtrompete und bestehen aus einer Ansammlung von lymphatischen Gewebe. Wenn diese sich durch irgendeine Angelegenheit vergrößern kann es zum Zuschwellen der Ohrtrompete kommen, so das der Druckausgleich zwischen Außenwelt und Mittelohr nicht mehr gewährleistet ist. Dies löst ein Druckgefühl auf dem Ohr und Schwerhörigkeit aus, was dann dringend behandelt werden muss.