Anatomie - Muskulatur

Geschrieben am 24.05.2006 von Conni Kreißl

Die Muskulatur ist ein Organsystem, das die Gesamtheit aller Muskeln eines Organismus oder einzelner Körperregionen umfasst. Von den insgesamt 656 Muskeln die wir besitzen gehören rund 400 zur Skelettmuskulatur. Alle Muskeln zusammen machen ungefähr vierzig Prozent des Körpergewichts aus und sind damit weitaus schwerer als das Skelett mit nur zwölf Prozent. Womit die Muskulatur unbestreitbar das massemäßig größte Organ des Menschen darstellt, während die Haut das flächenmäßig größte Organ ist.
Die Muskeln ermöglichen Bewegungen aller Art, sie halten den Körper aufrecht, lassen das Herz schlagen, formen Gesichtsausdrücke, treiben die Verdauung voran und ermöglichen die Fortbewegung.
Obwohl der Begriff Muskulatur nicht immer korrekt angewendet wird, da man ihn auch bei Organbezeichnungen wie Bauchmuskulatur oder Rückenmuskulatur verwendet, wo man sich eigentlich auf die unterschiedliche Muskelgruppen des jeweiligen Körperabschnitts und ihre Wechselwirkung bezieht. Dabei lässt sie sich einfach nach ihren spezifischen Eigenschaften und histologischen Aspekten in völlig verschiedene Bauarten einteilen. Wie die quergestreifte Muskulatur, welche sich noch in Skelettmuskulatur und Herzmuskulatur untergliedern lässt und dann gibt es noch die glatte Muskulatur.
Wobei ein einzelner Muskel ein pulsierendes Organ ist, das sich durch die Aufeinanderfolge von Kontraktion und Erschlaffen der inneren und äußeren Strukturen bewegt. Diese Art von Bewegungen werden von elektrischen Impulsen ausgelöst, die von Gehirn und Rückenmark ausgesandt und über die Nerven weitergeleitet worden sind. Außerdem besteht der Muskel eigentlich aus gebündelten Muskelfasern bzw. Muskelzellen die von einem Bindegewebe umhüllt sind, das von zahlreichen Nerven und Blutgefäßen durchsetzt ist. Wobei jede dieser langen, zylindrischen Muskelfasern noch mit kleinen Fasern, die Myofibrillen heißen, gefüllt ist. Diese Myofibrillen wiederum sind mit etlichen hoch komplexen Eiweißstäben gefüllt, die man auch als Aktin und Myosin bezeichnet.
Diese Muskelfasern bzw. Muskelzellen sind nicht unmittelbar, sondern in der Regel über zwei Sehnen oder sehnige Platten, die Aponeurosen, am wenig beweglichen, rumpfnahen Skelett befestigt. Diese Anheftungsstellen haben einen Ansatz am Knochen, der Ursprung genannt wird und einen am Muskel. Und zwischen diesen beiden liegt oder hängt nun die eigentliche Muskelmasse bzw. der Muskelbauch. Wobei die Knochenanheftung meist die beweglichere von beiden ist. Was aber in Abhängigkeit von der Art der Bewegung auch mal umgedreht sein kann. Was zu Beispiel beim Klimmzug der Fall ist, wenn die Oberarmbeuger den Rumpf an den Arm heranbringen.
All diese Muskeln lassen sich noch weiter in verschiedene Formen ordnen, so gibt es lange, kurze, breite, platte, runde und ringförmige Muskeln. Diese wiederum können spindelförmig, einfach, doppelt oder mehrfach gefiedert, ein-, zwei-, drei- oder mehrköpfig bzw. -schwänzig oder sogar mehrbäuchig sein. Wobei die Fiederung durch nicht senkrechte Anheftungen der zum Muskel gehörenden, parallel verlaufenden Muskelfasern zustande kommen. Die Köpfe sind jedoch die Ursprünge der Muskeln, während mehrköpfige Muskeln, wie die dreiköpfigen Armmuskeln, mehrere Ursprungssehen haben und mehrschwänzige Muskel, wie die langen Fingerbeuger, mehrere Ansatzsehen besitzen. Bei einem mehrbäuchigen Muskel, wie dem Schulterzungenbeinmuskel, welcher das Zungenbein zurückziehen soll, ist hingegen der Muskelbauch durch Sehnen unterteilt.
Diese Sehnen gehören wie die Schleimbeutel, die Bandschlingen, die Sehnenscheiden und die Faszien, die zähe Bindegewebshäute sind, zu den Hilfseinrichtungen der Muskeln ohne die kein Muskel seine Arbeit nicht ausführen könnte.
Die glatte Muskulatur befindet sich meist an den Wänden der Hohlorgane, wie Magen oder Darm oder Blase. Ihre langgestreckten, dünnen, spindel- oder bandförmige Muskelzellen sind direkt über die Enden des vegetativen Nervensystems verknüpft und haben keinerlei Querstreifung. Sie verkürzt sich nur langsam, aber dafür ausdauernd. Sie ist nicht gezielt durch den Willen steuerbar, kann jedoch lange Zeit auch ohne großen Energieaufwand, Ermüdung oder Aktionsströme im kontrahierten Zustand verharren.
Die quergestreifte Muskulatur Skelettmuskulatur kann jedoch ganz gezielt gesteuert werden, kontrahiert kräftig, ermüdet dafür allerdings schneller. Dadurch gewährleistet sie aber die Mobilität. Diese Muskeln heißen gestreifte - bzw. quergestreifte Muskeln, da ihre Myofibrillen im Gegensatz zu denen der glatten Muskeln ganz regelmäßig angeordnet sind. Wodurch sie ein klar erkennbares Ringmuster aus roten Myosinfilamenten und weißen Aktinfilamenten besitzen.
Anders ist das nur bei der Herzmuskulatur, welche beide Muskelarten kombiniert, um ein Leben lang regelmäßig und automatisch das Blut durch den Körper pumpen zu können. Er arbeitet ständig und kann nicht krampfen, da er ein eigenes Nervensystem hat. Er weist zwar die Querstreifung der Skelettmuskeln auf, wird aber unwillkürlich gesteuert und stellt somit eine vollkommen eigene Muskelart dar.