Anatomie - Nervenzelle

Geschrieben am 15.06.2006 von Conni Kreißl

Die Nervenzellen bzw. Neuronen sind nicht nur für die Reizaufnahme sondern auch für die Weitergabe und Verarbeitung von Nervenimpulsen zuständig. Sie sind mit ihren speziellen Kontaktstellen, den Synapsen, über die sie ständig mit anderen Zellen in Kontakt stehen, der funktionelle und morphologische Grundstein des Nervensystems.
Sie bestehen aus dem Zellleib, dem Zellkern, dem Zellkernkörper, den Synaptischen Knoten bzw. Synapsen, den Dentriten und dem Axon bzw. Nervenfortsatz. Was mächtig gewaltig ist, wenn man bedenkt wie winzig klein die Biester sind, da ein Zellkörper gerade mal 5 bis 150 µm misst. Wobei die Körnerzellen des Kleinhirns zu den allerkleinsten und die sogenannten Betzschen Riesenpyramiden der mororischen Rinde zu den größten gehören.
Allein im Gehirn des Menschen gibt es schätzungsweise ungefähr etwa 100 Milliarden von ihnen die miteinander kommunizieren und unentwegt biochemische Signale austauschen. Sie sind durch 100 Billionen Synapsen miteinander verschaltet, was eine Konstruktion von unvergleichlicher Komplexität bewirkt. Die Anzahl der damit theoretisch möglich werdenden Kommunikationswege im Gehirn ist größer als die Gesamtzahl aller Atome im Universum. So ist es wohl verständlich, das ein derartig hochkomplexes System überaus fein aufeinander abgestimmt sein muss, um funktionieren zu können.
Die Neuronen weisen dazu eine große Formenvielfalt, mit einer Reihe von gemeinsamen Baumerkmalen auf, die den jeweiligen spezifischen Charakter des Neurons festlegen. Alle besitzen nichtsdestoweniger den Zellleib und fast immer die zusätzlichen mehr oder weniger vielen Zellfortsätze und wenn man die physiologischen Funktionen berücksichtigt kann man sogar an allen Nervenzellen so eine Art polare Organisation nachweisen. Dabei enthält der eine der Zellpole den überwiegenden Teil der synaptischen Eingänge für die eingehenden Erregungsimpulse, weswegen man ihn auch Rezeptorpol nennt. Während der andere ihm gegenüberliegende Effektorpol, die Ausgänge der Zelle beinhaltet, welche die Erregungs-impulse über die Synapsen an die nachgeschalteten Zellen weiterleiten. Zudem bezeichnet man die Zellfortsätze des Rezeptorpols als Dentriten und jene am Effektorpol als Neuriten oder Axone. Alle Nervenzellen lassen sich allerdings noch weiter, nach ihrer Anzahl der Zellfortsätze, in die Bautypen apolare, unipolare, bipolare, pseudounipolare und multipolare Neuronen untergliedern.
Die Apolaren Nervenzellen sind Zellen ohne irgend welche Fortsätze und stellen eigentlich gar keinen richtigen Zelltyp dar, weil sie nur das Frühstadium noch nicht ausdifferenzierter Neuronen während der Embryonalentwicklung darstellen. Fachleute bezeichnen sie auch als Neuroplasten.
Die Unipolaren Nervenzellen besitzen nur einen Fortsatz und sind ebenso vorwiegend nur im Embryonalen Stadium anzutreffen. Beim ausgewachsenen Menschen sind sie aber noch als retinale Photorezeptoren in Stäbchen und Zapfen Form zu finden, wobei diese letztlich auch nicht so richtige Nervenzellen sind.
Die Bipolaren Nervenzellen haben immerhin zwei ungefähr gleichwertige Fortsätze, welche sich nur in ihrer Zellpolzuordnung unterscheiden. Man findet sie in Sinnesorganen wie Auge und Ohr, wo sie unmittelbar an den Rezeptoren angrenzen und von diesen die Signale über nehmen.
Die Pseudounipolaren Nervenzellen sind in Wirklichkeit ein besonderer Bautyp der bipolaren Neuronen, sie sind in den Spinalganglien zu finden und bei ihnen nutzten sowohl der Dendrit als auch das Axon eine gemeinsame Abgangsstelle, weil deren Zellkörper zur Seite gedrückt ist.
Die Multipolaren Nervenzellen sind der Prototyp eines Neurons, sie treten am häufigsten auf und besitzen in der Regel zahllose Dentriten und mindestens einen, meistens aber mehrere Neuriten. Diese Art Nervenzelle lässt sich noch in die Untertypen Deiterssches Neuron, das einen oft in Nervenstämmen verlaufenden, langen Neuriten aufweist und in die Golgischen Neuronen, welche mit ihren kurzen, verzweigten Neuriten oft als Schaltnervenzellen bzw. Interneurone dienen, unterteilen.
Wobei der Zellkern, der die Erbsubstanz in sich trägt, immer im Zellkörper steckt, der sich wiederum im Zellleib befindet und das biochemische Zentrum der Nervenzelle darstellt, in dem vor allem die Stoffwechselprozesse der Zelle stattfinden. Dagegen sind die Dendriten vielmehr so eine Art Antenne der Nervenzelle, welche die Signale der anderen Nervenzellen aus dem Körper und der Umwelt empfangen. Während die Axone bzw. Neuriten durch ihre elektrische Erregbarkeit und Leitfähigkeit die bereits vom Zellkörper verarbeiteten Signale zu den anderen Nervenzellen und bisweilen auch zu Muskelzellen weiterleiten.
Solch ein Nervenfortsatz kann von wenigen Millimeter bis zu über einen ganzen Meter lang sein und viele solcher Axone gebündelt bilden gemeinschaftlich erst einen Nerv, der Signale auch an weiter entlegene Ziele übertragen kann.
Dabei treffen die Kontaktstelle zwischen zwei Nervenzellen bzw. zwischen einer Nerven- und einer Muskelzelle oder Empfängerzellen, die man Synapsen nennt, nicht direkt aufeinander, sondern sie sind vielmehr durch einen schmalen Spalt, den synaptischen Spalt, voneinander getrennt.
Fernerhin gilt das Knüpfen und Verstärken von Nervenzellen Verbindungen als biologische Grundlage des Lernens und der Zerfall bzw. die Schwächung dieser Verbindungen bedeutet soviel wie Vergessen.