Anatomie - Ohren

Geschrieben am 30.05.2006 von Conni Kreißl

Das Ohr ist eines der wichtigsten Sinnesorgane, da es so eine Art Sensor ist, der akustische Signale wie Schall, Töne und auch Geräusche als akustische Wahrnehmungen aufnimmt. Mit seiner Hilfe kann man sich sehr sicher im Raum orientieren, Schallquellen lokalisieren und deren Richtung und Entfernung bestimmen. Denn in ihm befinden sich neben dem Hörorgan noch sensorische Einrichtungen für die Raumorientierung und die Wahrung des Gleichgewichts. Da der letztere jedoch ein statischer Sinn ist, wird für das Ohr an sich, im allgemeinen der Begriff stato-akustisches Sinnesorgan verwendet.
Wobei das menschliche Gehör akustische Angelegenheiten nur innerhalb eines bestimmten Frequenz- und Schalldruckpegelbereichs wahrnehmen kann. Dieser Hörbereich bzw. diese Hörzone reicht von etwa 16 Hertz bis maximal 20.000 Hertz, wobei er im Alter bei den hohen Frequenzen noch etwas nachlässt.
Das Ohr als Ganzes lässt sich in drei Hauptabschnitte untergliedern, das ist das äußere Ohr, das mittlere Ohr und das innere Ohr. Dabei dient sowohl das äußere, als auch das mittlere Ohr dem Reiztransport zum Hörorgan und das innere Ohr ist der Stammplatz der gesamten sensorischen Strukturen.
Das äußere Ohr bzw. Außenohr besteht aus Ohrmuschel, Ohrläppchen, Ohrleiste, Ohrwulst , und dem äußeren Gehörgang. Wobei die Ohrmuschel eigentlich eine Hautfalte darstellt, die mit einem einwärts gewölbten, elastischen Knorpel ausgestattet ist. Dessen Innenfläche weist eine aus Leisten und Gruben bestehende Oberflächengestaltung auf, die individuellen Schwankungen unterliegt. Sie ist sogar bei jedem so individuell einzigartig, das sie ähnlich wie die Fingerabdrücke, in der Kriminalistik verwendet wird. Obwohl sie eigentlich nur ein akustisches Filtersystem ist, das je nachdem, aus welcher Richtung der Schall auf das Ohr trifft, unterschiedliche Filterkurven angeregt. Womit jede Richtung ihre eigene Klangfärbung erhält, man also exakt erkennt ob Geräusche von vorne, hinten, oben oder unten kommen. Die Ohrmuschel wird durch einen Ausläufer der Ohrleiste in 2 Teile getrennt, in den oberen Ohrmuschelbereich und die untere Muschelhöhle, welche den Übergang zum äußeren Gehörgang darstellt. Seitlich vor dem oberen Ohrmuschelbereich sind zwei Vorwölbungen, das sind der vordere Ohrdeckel und die hintere Ohrwulst. Unterhalb des Tragus, der kleinen Knorpelmasse die den direkten Zugang zum äußeren Gehörgang versperrt, schließt sich dann das Ohrläppchen an. Das Ohrläppchen hingegen ist der fleischige, knorpelfreie, weiche, nicht sehr schmerzempfindlich Teil der unteren Ohrmuschel. Er hat die Funktion eines Resonanzkörpers und wird wegen seiner relativen Schmerzlosigkeit zur Blutentnahme genutzt, aber auch für Ohrringe, Piercings und Ohrgehänge durchstochen. Die Ohrleiste ist dagegen einfach nur der äußere Rand der Ohrmuschel oder besser gesagt sie rahmt die Ohrmuschel ein.
Das Mittelohr besteht aus einer Höhle, die sich an den beiden Seiten des Schädels befindet sowie aus Trommelfell, Paukenhöhle, Tube bzw. Ohrtrompete und den Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel. Es liegt zwischen Trommelfell und Innenohr, dient der Schallleitung und bewerkstelligt eine optimale Übertragung der Signale vom Außenohr zum Innenohr. Wobei die mit Luft gefüllte Paukenhöhle, die embryonal aus der 1. Schlundtasche entsteht, über die Ohrtrompete mit dem Nasenrachenraum verbunden ist, wo sie für den Druckausgleich gegenüber der Außenwelt sorgt. Während die winzigen Gehörknöchelchen, das Außenohr mit dem Innenohr verbinden. Wobei der Hammer am Trommelfell anliegt und mit dem Amboss verbunden ist, der wiederum mit dem Steigbügel, der das ovale Fenster des Innenohrs berührt, in Kontakt steht. All diese kleinen Gehörknöchelchen sind zusätzlich noch durch feine Bänder und Muskeln beweglich aufgehängt.
Das Innenohr ist der Sitz des eigentlichen Sinnesorgans, das den Hörsinn bzw. das Gehör ermöglicht. Es besteht zwei separaten Organ. Erstens aus einem gewebeartigen Labyrinth, das als Gleichgewichtsorgan dient, innerhalb der Felsenbeinpyramide in das sogenannte knöcherne Labyrinth, aus Schnecke und Bogengangsystem, eingebettet ist und das im Schläfenbein liegt. Und zweitens aus der Gehörschnecke, von welcher der Hörnerv ins Gehirn geht und die den Schall in Nervenimpulse umwandelt.
In beiden Organen befinden sich zudem unzählige Rezeptoren in Form von Haarzellen, die von den Innenohrflüssigkeiten umgeben sind. Diese Haarzellen bestehen aus den sogenannten Stereozilien bzw. Fortsätzen am oberen Ende der Zellen und haben an ihrem unteren Ende eine Kontaktstelle mit einer sensorischen Nervenzelle, die schon im Ruhezustand ein paar Neurotransmitter ausschüttet. Sie sind zylinderförmig, biegen bzw. bewegen sich je nach Ortsveränderung des Körpers in den Flüssigkeiten hin und her und lösen Nervenimpulse aus. Wobei die Haarzellen im Gleichgewichtsorgan mit einer Art Gallertschicht überzogen sind auf der sich Calciumkarbonat befindet, was die Auswirkung der Bewegungen noch verstärkt werden soll.