Anatomie - Schilddrüse

Geschrieben am 30.05.2006 von Conni Kreißl

Die Schilddrüse, die unterhalb des Kehlkopfes vor der Luftröhre liegt, ist eine sehr wichtige Hormondrüse und gehört mit zu den sogenannten endokrinen Drüsen. Sie ist bestimmt die bekannteste Hormondrüse überhaupt.
Ihre zwei Lappen, die sich seitlich und oberhalb der Luftröhre wie Flügel erstrecken, geben ihr die Form eines Schmetterlings. Wobei sich der rechte und linke Lappen um Schildknorpel und Ringknorpel des Kehlkopfes wölben. Diese Flügel sind in der Mitte über einen schmalen Gewebesteg miteinander verbunden und legen sich schildartig unterhalb des Schildknorpels vor Kehlkopf und Luftröhre, was ihr auch ihren Namen gab. Diesen Gewebesteg nennt man auch Isthmus und er besteht durchweg aus purem Drüsengewebe. Nicht selten befindet sich an diesem Isthmus auch ein kleines pyramidenförmiges Überbleibsel aus der Schilddrüsen Entwicklungszeit, das sich kopfwärts erstreckt.
Die Schilddrüse die sehr weich ist und sich im Normalfall bzw. beim gesunden Menschen nicht ertasten lässt, hat normalerweise ein Gesamtvolumen von ungefähr 18 bis 25 g und ihre Lappen haben eine Länge von ca. 3 bis 5 cm.
Ihr Drüsengewebe besteht aus mehreren kleinen Drüsenläppchen die man Lobuli nennt, in deren inneren sich ausnehmend viele mikroskopisch kleine Bläschen befinden, die Follikel heißen. Diese sind fast immer kreisrund, nur 0,1 bis 1 mm groß, ihre Wände bestehen aus Follikelgewebezellen und sie sind von einem einschichtigen Gewebe umhüllt. Diese Zellen stellen die Hormone Tyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) her, die sie anschließend in das Innere der Follikel ausschütten, um sie dann in den dort vorhandenen winzigkleinen Kolloid Tröpfchen zu speichern. Womit die Follikel im Grunde nur eine Art Speichertank für die Schilddrüsenhormone sind. Allerdings schwankt die Größe der Follikel, da diese auch vom Füllungstand abhängt und auch deren Farbe ist variabel, da diese wiederum sehr stark vom Wassergehalt abhängt.
Zwischen den Gewebezellen der Follikel und ihrer Basalmembran liegen außerdem noch die parafollikulären C-Zellen, die nicht ganz bis an den Innenraum der Follikel reichen. Um diese Follikel herum liegen außerdem noch netzförmige Fasern und ein dichtes Kapillarnetz aus Blut- und Lymphkapillaren. Die C-Zellen, die nur durch Antikörperfärbung auszumachen sind, bilden das Calcitonin, welches den Calcium-Spiegel im Blut senkt.
Die Funktion der Schilddrüse wird durch das Hormon TSH bzw. Thyreoidea stimulierendes Hormon gesteuert, welches aus der Hirnanhangsdrüse bzw. der Hypophyse stammt. Dabei werden die Hormone T3 und T4 in Abhängigkeit vom TSH-Spiegel vom Gewebe aus den Follikeln aufgenommen und in das Blut abgegeben. Von da aus können diese Hormone dann in fast allen Körperzellen wirken und den Energiestoffwechsel anregen. Ihre bevorzugte Wirkung besteht jedoch in der Erhöhung von Puls und Blutdruck, in Gefäßerweiterungen und dem Anstieg der Körpertemperatur und überdies sind sie auch noch für das Wachstum und die Differenzierung bzw. strukturelle Individualentwicklungen notwendig. Außerdem sind sie für den Energieumsatz der Zellen und auch für die Eiweißproduktion zuständig. Damit die Schilddrüse diese lebenswichtigen Hormone allerdings produzieren kann, benötigt sie Jod, das sie aus dem bzw. über das Blut bekommt und speichert.
Die Schilddrüse selber ist von zwei bindegewebsartigen Kapseln umhüllt. Das ist einerseits die innere Kapsel, welche direkt auf dem Organ liegt und fest mit diesem verwachsen ist. Andererseits aber auch die äußere Kapsel, welche vorne mit der Zungenbeinmuskulatur und seitlich mit vielen wichtigen Gefäßen und Nerven in Verbindung steht und hinten direkt an die Luftröhre grenzt.
Die Schilddrüse wird sehr gut durchblutet, da ihre Blutversorgung dauerhaft durch die obere Schilddrüsenarterie aus der Halsschlagader und durch die untere Schilddrüsenarterie über einen Gefäßast der Unterschlüsselbeinarterie gesichert ist.
Ihre Nervenversorgung bzw. Reizwahrnehmung hingegen erfolgt ausschließlich nur über die Nervenfasern des vegetativen Nervensystems. Diese sogenannten Sympathikus Fasern verlaufen vom Nervenzellknoten im Bereich des zweiten Halswirbels, der Ganglion cervicale superius heißt, zum entgegengesetzten Parasympathikus Nerv bzw. Ruhenerv, welcher vom Nervus vagus, dem zehnten Hirnnerv kommt.
Zusätzlich zu der eigentlichen Schilddrüse besitzt der Mensch allerdings auch noch die vier kleinen Nebenschilddrüsen, die an der Rückseite der Schilddrüse liegen. Ihr Hormon, das Parathormon heißt, regelt den Kalziumhaushalt des Körpers, der wichtig für den Knochen- und Zahnaufbau, die Funktion von Nerven- und Muskelzellen und auch die Regulierung der Blutgerinnung ist.