Anatomie - Schluckvorgang

Geschrieben am 25.06.2006 von Conni Kreißl

Der Schluckvorgang ist ein automatischer Vorgang bzw. ein Reflex oder genauer gesagt ein willkürlich eingeleiteter Vorgang der in einer automatischen Reflexkette endet. Mit ihm wird der durch den Kauvorgang zerkleinerte und mit Speichel vermengte Nahrungsbrei über die Speiseröhre in den Magen befördert.
Dieser Vorgang findet unbewusst ungefähr 600 bis 2000 mal täglich statt, wobei dabei auch etwa eineinhalb Liter Speichel mit geschluckt werden und er wird meist erst dann bewusst wahrgenommen, wenn er durch eine Störung beeinträchtigt ist.
Damit es möglichst keine Störungen gibt und eben weder Speichel noch Nahrung über den Kehlkopf in die Luftröhre oder unnötige Luft nicht in die Speiseröhre gelangen, besitzt der Körper zusätzlich besondere Schluss- und Sicherheitsmechanismen.
Beim Schlucken erfolgt eine komplexe Bewegungsabfolge vieler Muskeln im Mund-, Rachen- und Halsbereich bzw. ungefähr 26 Muskelpaare koordinieren zeitlich und räumlich begrenzt rein willkürlich den Schluckakt.
Genaugenommen kann der Schluckvorgang in verschiedene Phasen eingeteilt werden, die mit der zerkleinerten Nahrung beginnt. Denn in der ersten Phase wird die im Mund durch kauen zerkleinerte und eingespeichelte Nahrung durch Zungenbewegungen zwischen die Zähne und Gaumen transportiert und zu einem Speiseball geformt. Dieser wird zunächst mit der Zungenspitze an den Gaumen gehoben und dann mit Hilfe des Zungenrückend in die Rachenenge gedrückt. Bis dahin kann der Schluckvorgang immer noch abgebrochen werden.
Sobald der Speisebrei jedoch mit der Schleimhaut des Zungengrundes und der Rachenwand in Berührung kommt und die Rachenenge passiert hat, setzt automatisch die unaufhaltsame zweite Phase des Schluckreflexes ein. Ab hier läuft alles rundweg unwillkürlich ab und kann nicht mehr aufgehalten werden.
Denn von diesem Zeitpunkt an werden die sogenannte Mechanorezeptoren erregt, welche die erhaltenen Signale über den neunten und zehnten Gehirnnerv dem Schluckzentrum im verlängerten Mark senden. Woraufhin die Informationen über Fasern des achten, neunten, zehnten und zwölften Gehirnnerv die Muskulatur von Zunge, Zungenbein, Gaumen sowie Rachen anregt.
Dadurch hebt sich das Gaumensegel, der Musculus constrictor pharyngis superior bildet die Passavant-Ringwulst, der Zugang zum oberen Gaumenabschnitt bzw. Nasenrachenraum schließt sich, der Mundboden spannt sich und der Kehlkopf wird nach vorne oben an das Zungenbein herangezogen. Daraufhin verschließt der Kehldeckel die Luftröhre und der obere Schließmuskel der Speiseröhre, der mit dem Ringknorpel des Kehlkopfs verbunden ist, wird geöffnet um die durchfluss der Nahrung zu ermöglichen.
Während dessen zieht der Musculus styloglossus Muskel der Mundbodenmuskulatur den Zungenkörper nach hinten oben, wodurch sowohl der Kehlkopf vom Zungengrund überdeckt und verschlossen als auch der Happen Nahrung maßgenau direkt in den Rachen hinein geschleudert wird.
Da in diesem Augenblick die untersten Abschnitte des Rachens noch erschlafft sind, rutscht die Nahrung nun ohne weiteren Aufenthalt in den unteren Schlundabschnitt hinab. Die dabei ausgelösten von oben nach unten fortschreitenden Kontraktionen der sogenannten mittleren und unteren Schlundschnürer treibt die Nahrung sodann direkt in die Speiseröhre hinein. Ist das vollbracht erschlafft die Muskulatur wieder und der Zungenkörper geht zurück in seine Ausgangslage, wo er darauf wartet den nächsten Happen zu einem Klumpen formen zu können.
Die dritte Phase kommt jedoch nur bei der Aufnahme von Flüssigkeiten zum Einsatz. Denn das Schlucken von Flüssigkeiten läuft zwar grundsätzlich genauso ab wie bei der geformten Nahrung, sie kann aber auch ohne den eigentlichen Schluckvorgang aufgenommen werden. Dies geschieht durch die dritte Phase, bei der die Flüssigkeit über die Recessus Piriformes am Kehlkopf vorbei in Speiseröhre gelangt.
Äußerlich ist dieser gesamte Vorgang nur durch die Bewegungen des Kehlkopfes sichtbar nachzuvollziehen. Er dauert in etwa ein bis zwei Sekunden bzw. drei wenn man die Sekunde nach dem Schlucken mitzählt in der alles in seine Ausgangslage zurückgeht und die man auch Refraktärphase nennt.