Anatomie - Schultergürtel

Geschrieben am 26.06.2006 von Conni Kreißl

Der Schultergürtel setzt sich aus dem rückwärtigen rechten und linken Schulterblatt und dem vorderseitigen rechten und linken Schlüsselbein zusammen und gehört zusammen mit dem Beckengürtel zum sogenannten Zonoskelett bzw. Gliedmaßengürtel. Eigentlich gehört auch das Rabenbein mit dazu, dieses hat sich beim Menschen allerdings zu einem winzigen nicht mehr erwähnenswerten Fortsatz am Schulterblatt zurückgebildet.
Der Schultergürtel verbindet die oberen Extremitäten mit dem Rumpf. Aber im Gegensatz zum Becken, das einen fest geschlossenen Ring mit der Wirbelsäule bildet, liegt er außen auf dem Brustkorn auf und ist nur durch die Enden der Schlüsselbeine mit dem restlichen Rumpfskelett gelenkig verknüpft. Wodurch er nach allen Seiten außerordentliche beweglich ist. Dieses wird zusätzlich noch von den zwischen Schultergürtel und Rumpf gespannten dorsalen bzw. sekundären Rückenmuskeln und den ventralen bzw. äußeren Brustmuskeln unterstützt.
Dabei ist das etwa handlange Schlüsselbein ein bindegewebsartiger, leicht bogenförmiger Knochen der einem sehr altertümlichen Schlüssel ähnelt. Es bildet als vorderer Teil des Schultergürtels über seine ganze Länge eine sehr deutlich ertastbare Grenze zwischen Hals und Brust und liegt unmittelbar direkt unter der Haut. Wo es genau zwischen dem Handgriff des Brustbeins und der Schulterhöhe des Schulterblattes klemmt. Dadurch wird der Arm auch ein bisschen von der Brustwand weggeschoben, womit sich sein Aktionsradius deutlich vergrößert. Weshalb die Schulter auch bei einem gebrochenen Schlüsselbein meist nach vorne absinkt. Es ist neben der Speiche übrigens der Knochen des menschlichen Körpers, welcher am häufigsten bricht und er ist, abgesehen von ein paar Teilen des Schädelskeletts, der einzige Bindegewebsknochen.
Andererseits liegt das Schlüsselbein bei einem normal herabhängenden Arm fast horizontal und sowohl das innere Schlüsselbeingelenk bzw. Brustbeinschlüsselbeingelenk sowie auch das äußere Schlüsselbeingelenk bzw. Schulterblattschlüsselbeingelenk werden jeweils durch einen Diskus unterteilt. Was wiederum zusätzliche Beweglichkeit in den Gelenken bringt und das heben der Schultern nach oben, hinten, vorn und unten ermöglicht und gemeinsam eine kreisende Bewegung ermöglicht.
Deswegen ist das Schlüsselbein auch zur Sicherheit über kräftige Bänder mit dem Brustbein, dem Schulterblatt, der ersten Rippe und dem zweiten Schlüsselbein verbunden. Denn diese Bänder verstärken die Gelenkkapsel, womit sie die Bewegungsfreiheit der Gelenke auf ein gesundes Maß einschränken, aber trotzdem das hängen lassen der Arme ohne großartige Muskelkraft Aufwendung gestatten.
Das breite, dreieckige, platte Schulterblatt ist dessen ungeachtet der wichtigste Knochen, da er die Verbindung mit dem Rumpf bildet und muskulös mit dem Thorax verbunden ist. In ihm ist eine pfannenartige Vertiefung eingearbeitet, welche sich mit dem abgerundeten Kopf des Oberarmknochens zum Schultergelenk zusammenfügt. Dieses Gelenk verleiht dem Arm viel Bewegungsspielraum, kann sich aber auch leicht ausrenken.
Das Schulterblatt besteht aus einer dünnen Hauptplatte, die in breiten Muskeln eingebettet ist und durch drei feste Ränder versteift wird. Wobei seine nach vorn gerichtete Fläche an der Außenseite des Brustkorbs anliegt und den Unterschulterblatt Muskel aufnimmt, dessen Sehnenblätter drei zur Gelenkpfanne hinreichenden Leisten als Ansatz dienen. Die hintere Fläche dient hingegen, durch ihren leistenförmig hervorspringenden Schultergrat und eine über und unter diesem liegende Vertiefung, den Oberarmmuskeln als sicherer Halt. Wobei der Schultergrat seitwärts als Oberarmhöhe mit einer Verbindung zum Schlüsselbein endet und einen dachartigen Schutz für das darunter liegende Schultergelenk bildet. In der Mitte dieses Gelenks entspringt am Oberrand des Schulterblatts ein hackenförmiger sogenannter Rabenschnabelfortsatz, welcher den Bändern und Sehnen als Ansatz dient.
Das Schulterblatt selber ist nur über ein besonders kleines unscheinbares Gelenk mit dem Schlüsselbein und somit dem Rumpf verbunden. Da es aber einerseits vom Luftdruck und andererseits durch die vom Rumpf zum Schultergürtel ziehenden Muskeln an die vordere Wand des Brustkorbs gepresst wird, hat es trotzdem einen sicheren Halt.
Wobei die bis zum Kopf, zum Arm, zum Brustbein, zum Becken und zur Dornfortsatzreihe reichenden Muskeln die Haltung und Stellung des Schulterblattes je nach Körperlage ganz individuell beeinflussen. Wodurch diese den Schultergürtel am Thorax bzw. Brustkorb durch die Führung in den Gelenken des Schlüsselbeins bewegen und verschieben.
Damit ermöglicht das charakteristische breite Schulterblatt den aufrechten Gang, die freie Beweglichkeit der oberen Gliedmaßen und die starke Entwicklung der Rotationsmuskeln des Schultergelenks.