Anatomie - Speichel

Geschrieben am 27.06.2006 von Conni Kreißl

Der Speichel bzw. Saliva, der im Volksmund oft Spucke, Sabber oder auch Geifer genannt wird ist ein Sekret der Speicheldrüsen. Diese Körperflüssigkeiten werden allerdings nicht nur im Bereich der Mundhöhle produziert, sondern auch in bestimmten inneren Organen wie der Bauchspeicheldrüse.
Bereits die Unterschiede der Speicheldrüsen in ihrer Struktur sowie auch in ihrer Gefäß- und Nervenversorgung lassen erkennen, das der Speichel ebenfalls äußerst unterschiedliche Zusammensetzungen aufweist. Weshalb akkurate Angaben zu seiner Zusammenstellung zumindest in quantitativer Hinsicht nur unter Berücksichtigung bestimmter Aspekte gemacht werden können.
Er ist nachweislich eine stark hypotone bzw. schwach konzentrierte Flüssigkeit im Vergleich zum Blut, die einen ph-Wert von ungefähr 6,75 aufweist und in einer Menge von etwa 0,5 bis 2,01 Litern pro Tag hergestellt wird. Wobei der Anteil der jeweiligen Trockensubstanzen zwischen 0,3 und 0,6 Prozent schwankt, annähernd eindrittel aus anorganischen und der Rest aus organischen Substanzen besteht.
Zu den anorganischen Bestandteilen gehört das am meisten vorhandene Hydrogenkarbonat HCO3-, das zusammen mit dem anorganischen Phosphat die Pufferwirkung des Speichel bewirkt. Außerdem ist die Einhaltung des ph-Werts von 6,75 genauso notwendig für die Wirksamkeit der im Speichel vorhandenen Amylase bzw. Enzyme wie der verhältnismäßig hohe Chlor-Ionenspiegel. Auch das Verhältnis der Kationen untereinander ist auffällig, denn es sind meist mehr als doppelt so viele Kalium-Inonen im Gegensatz zu den Natrium-Ionen vorhanden.
Andererseits stehen an der Spitze der organischen Bestandteile die sogenannten Muzine, die hauptsächlich in der Unterkiefer- und der Unterzungendrüse gebildet werden. Das sind Stoffe wie Glykoproteine, Sialinsäure und Sulfatreste, welche die aufgenommene Nahrung umhüllen und gleitfähig machen und gleichzeitig die Mundhöhle reinigen und spülen. Sie sind nicht gerade unwesentlich bei der späteren Verdauung behilflich, da sie die Nahrung zum Teil mit zersetzten.
Die Speichelenzyme befinden sich indessen im Proteinanteil des Speichels und da speziell die Amylase, mit ihnen wird die Verdauung der Kohlenhydrate eingeleitet und Verbindungen aufgespalten. Dies funktioniert jedoch nur wenn das Speichelmilieu stimmt, also sowohl der Chlor- als auch der ph-Wert stimmen.
Die restlichen Enzyme im Speichel wie die a-Saccharose, eine Lipase und eine Proteinase haben meistens nur untergeordnete Funktionen, da diese nicht zur Verdauung, sondern einfach nur für die Mundreinigung zuständig sind.
Denn genau wie die Amylase die im Mund zurückgebliebene Speisereste spaltet und auflöst, spalten die Lipase die Fettreste und die Proteinase die Eiweiße. Während die antibakteriell wirkenden Emzyme Lysozym, Hyalluronidase und Muzinase den Mund reinigen. Woran die Speichelkörperchen, welches abgeschliffene Gewebezellen vor allem aber Leukozyten sind, auch einen großen Anteil haben. Denn sie sind in der Lage Bakterien zu phagozytieren bzw. regelrecht zu fressen.
Dagegen sind die im Speichel enthaltenen Kaliumsalze und organischen Substanzen, eher die Grundlage für den Zahnstein, der sich vor allem an den Einmündungsstellen der großen Speicheldrüsen der Zähne ablagert und da den Kontakt zwischen Zahnhals und Zahnfleisch erheblich stört.
Trotzdem ist die Sekretion also die Abgabe von Speichel und die Variation seiner Inhalte im Zusammenhang mit einer Vielfalt von äußerlichen und innerlichen Vorgängen zu sehen. Da schon der Mundspeichel je nach Speise oder Getränk anders ist. So wird bei Wasser so gut wie kein Speichel produziert, bei Milch aber sehr muzinreicher Speichel abgegeben. Auch der Anblick und die Einnahme von Nahrung löst im Normalfall automatisch reflexartig und unbeeinflusst sowohl die Mundspeichel- als auch die Magenspeichel Sekretion aus. Anders ist das bei extremen Flüssigkeitsmangel, da die Wasserverarmung der Körperflüssigkeiten und damit der Hypothalamus mit seinen Osmoserezeptoren die Auslösung der Sekretion dann hemmen. Das darauf entstehende Trockenheitsgefühl in Mund und Rachen wird erst wieder durch eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme und der daraus resultierenden Senkung des osmotischen Drucks auf normale Werte eingestellt.