Anatomie - Speiseröhre

Geschrieben am 16.06.2006 von Conni Kreißl

Die Speiseröhre bzw. der Ösophagus gehört zum Verdauungstrakt und dient dem Transport der Nahrung vom Rachenraum zum Magen. Sie ist nahezu 25 bis 30 cm lang, beginnt gleich hinter dem Kehlkopf, endet unter dem Zwerchfell im Magen und liegt eng an der Hinterwand der Luftröhre an. Weshalb sie die Luftröhre bei jedem Bissen der sie passiert eindrückt bzw. einengt.
Der oberste Punkt der Speiseröhre liegt in Abhängigkeit von der Stellung des Kehlkopfes in Höhe des 6. bis 7. Halswirbels. Dieser sogenannte Ösophagusmund ist auch der erste der drei Engstellen der Speiseröhre. Sie ist von lockerem Bindegewebe umgeben und verläuft zwischen den Wirbelkörpern und der Luftröhre entlang in den Brustkorb, wo sich die enge Beziehung der Speiseröhre mit der Wirbelsäule wieder verliert. Dabei nähert sie sich, an der Aufzweigung der Luftröhre in die beiden Stammbronchien, nach hinten eng an die Aorta an. Wodurch die Speiseröhre an dieser Stelle gewissermaßen zum zweitenmal eingeengt wird. Danach tritt die Speiseröhre durch ein muskelumrandetes Loch unmittelbar im Zwergfell in die Bauchhöhle ein und erreicht nach ungefähr 1 bis 2 cm den Magen, wo sie an der Stelle des Eintritts zum dritten mal eingeengt wird.
Sie ist ein langer, schmaler, besonders dehnbarer muskulöser Schlauch bzw. ein Hohlorgan, dessen innere, gleitfähige Schleimhaut das Passieren der zerkleinerten Nahrung ermöglicht. Diese Schleimhaut lässt sich in drei Schichten teilen. Da ist erstens die Gewebeschicht, welche die Grenzschicht zum Inneren der Speiseröhre bildet, mehrschichtig und plattenartig ist sowie die mechanischen Belastungen ausgleicht. Dann kommt als zweite eine kräftige Bindegewebsschicht, welche die Blut- und Lymphgefäße sowie kollagene und elastische Fasern enthält, die ihr eine beachtliche Verformbarkeit und Elastizität verleihen. Zum Schluss folgt noch als dritte, die aus stabilen Fasern bestehende Muskelschicht, welche die aktive Komponente zur Veränderung des Oberflächenreliefs der Schleimhaut beisteuert und die Nahrung durch wellenartige Kontraktionen befördert. Wobei die Speiseröhre bei Dehnung einem glattwandigen Rohr gleicht und im gerade nicht beanspruchten Zustand derart in Falten liegt, das sie im Querschnitt sternförmig aussieht.
Zwischen der Muskel- und der Bindegewebsschicht befindet sich noch ein dichtes Geflecht aus Nervenfasern, in dem zahlreiche Ganglienzellen eingelagert sind. Außerdem ist die Muskulatur im oberen Drittel der Speiseröhre quergestreift und nicht dem Willen unterworfen, also eher reflektorisch Veranlagt. Im mittleren Drittel ist die Muskulatur sowohl glatt als auch quergestreift, welche dann im unteren Drittel in die Muskelschicht des Darm übergeht. Aber sowohl die äußere Längsmuskel- als auch die innere Ringmuskelschicht verlaufen spiralartig um die Speiseröhre herum, wobei die einzelnen Fasern innerhalb der Schichten sich dabei wie Scherengitter überkreuzen. Überdies ist die Ringmuskelschicht am Ösophagusmund und am untersten Speisenröhreneingang besonders kräftig ausgebildet.
Weil die Bindegewebeschicht jedoch auch scherenartig aufgebaut ist, besitzt die Luftröhre eine äußerst hohe Dehnfähigkeit, da so nicht nur Längen- sondern auch Weitenänderungen möglich sind.
Von außen wird die Luftröhre dazu noch von einer bindegewebeartigen Verschiebeschicht umschlossen, über welche die Gefäße und Nerven direkt in die Darmwand geleitet werden. Erwähnenswert ist jedoch auch noch die Tatsache, das die Speiseröhre im Gegensatz zu allen nachfolgenden Darmabschnitten, eine segmentale Innervation besitzt. Das heißt, das jede reflektorisch ausgebildete Kontraktionswelle in jedem Segment aufs neue ausgelöst werden muss, was im allgemeinen durch die Reizung der Dehnungsrezeptoren durch die heruntergeschluckte Nahrung erfolgt. Wobei während der Aufnahme von Flüssigkeiten vom Prinzip her die selben Vorgänge ablaufen, nur die Flüssigkeit eilt der Kontraktionswelle auf Grund der Schwerkraft voraus. Dies würde sich nur ändern, wenn der Mensch beim Trinken auf dem Kopf steht, denn dann wäre die Flüssigkeit ebenso langsam wie die feste Nahrung. Aber wer tut so was schon und warum auch.