Anatomie - Thymus

Geschrieben am 17.06.2006 von Conni Kreißl

Der Thymus bzw. Bries zählt zu den endokrinen Drüsen und nimmt sowohl mikroskopisch-anatomisch, entwicklungsgeschichtlich als auch funktionell eine Sonderstellung innerhalb des lymphatischen Systems ein. Nicht nur, das er sich nicht wie die Lymphknoten und die Milz aus dem Embryonalen Bindegewebe Mesenchym entwickelt, sondern direkt aus dem Deckgewebe der 3. Schlundtasche. Er ist überdies zugleich auch ein wichtiges zentrales lymphatisches Organ, obgleich er selbst gar nicht an den Immunreaktionen beteiligt ist.
Allerdings nimmt diese ursprünglich epithelgewebeartige Anlage aus der er stammt, schnell das Aussehen eines netzartigen Bindegewebes an. Dies geschieht bereits in der sehr frühen Embryonalzeit, wenn sich in dem Anlagegewebe über den Blutweg undifferenzierte Zellen ansiedeln, welche vom Dottersack und vom Knochenmark stammen und als Vorstufen der Lymphozyten gesehen werden können. Diese vermehren sich da zum Thymus und verteilen sich so, das sie an der gelappten äußeren Rinde wesentlich dichter liegen als in dem inneren dicht zusammenhängenden Mark. Wobei sich dessen ungeachtet keinerlei Lymphknötchen mit Reaktionszentren bilden. Diesen Aufbau behält der Thymus dann bis zur Pubertät bei, da erst unter dem Einfluss von Geschlechtshormonen Rückbildungsvorgänge auftreten, welche einen großen Teil des Ausgangsgewebes durch Fettgewebe ersetzen. So das anschließend nur noch die unveränderten kleinen Areale des Thymusgewebes vorhanden sind, welche im Alter nur noch als kleine Gewebereste existieren.
Kurz gesagt der Thymus ist bei der Geburt und im Kindesalter voll ausgebildet, entwickelt sich bei Jugendlichen allerdings soweit zurück, bis er schließlich nur noch einige Reste von Mark- und Rindengewebe enthält, die in Thymusfettgeweben eingebettet sind, das sich im Gegenzug verstärkte.
Bei noch sehr jungen Versuchstieren, wo man den Thymus Testweise entfernte, stellte man übrigens fest, das diese eine stark herabgesetzte Immuntoleranz aufwiesen und Fremdstoffe somit nicht mehr abstießen, da ihr Immunsystem diese nicht mehr erkannte. Was fürs Gebiet der Organtransplantation äußerst interessant zu sein scheint.
Womit wir zu den Aufgaben des Thymus kommen, denn er ist wesentlich am Aufbau und auch an der Prägung des Immunsystems beteiligt, indem er gewisse weiße Blutkörperchen herstellt, die später die Lymphknoten, das Knochenmark und die Milz übernehmen. Er prägt die T-Lymphozyten auf ihren jeweiligen Aufgabenbereich, um aus ihnen immunkompetente Zellen zu machen, die sich vor allem in den übrigen lymphatischen Organen ansiedeln und vermehren. Im Thymus werden die T-Zellen demnach zu den bekannten Gedächtniszellen, Killerzellen, Helferzellen sowie Regulierenden Zellen ausgebildet. Wobei die Blut-Thymus-Schranke während der Ausreifung den Kontakt zu den körpereigenen Antigenen verhindert. Anschließend wandern die reifen bzw. fertigen T-Lymphozyten dann direkt über das Blut in die anderen lymphatischen Organe und stehen dort infolgedessen in den T-Zell-Regionen der Immunabwehr zur Verfügung. Weswegen diese thymusabhängigen Lymphozyten auch als Träger der zellgebundenen Immunität bezeichnet werden.
Zudem ist der Thymus auch für die Produktion der Hormone vom Protein Thymosin und dem Thymusfaktor bzw. dem Thymopoetin verantwortlich, welche die Reifung der Immunzellen in den Lymphknoten steuern. Als Drüse produziert er obendrein noch bestimmte Botenstoffen, welche die Entwicklung bestimmter Abwehrzellen des Immunsystems steuern.
Er liegt im oberen Brustkorbbereich hinter dem Brustbein über dem Herzbeutel und besteht aus zwei asymmetrischen Lappen, die miteinander in Verbindung stehen. Diese Lappen bestehen wiederum aus der dunkleren Rindenzone, die von dicht gelagerten Lymphozyten besiedelt ist, welche sich hier differenzieren und aus dem helleren Mark. In diesem befinden sich die reifen T-Lymphozyten und Makrophagen sowie Epithelzellen, welche sich häufig in typischen Gruppen anordnen und die sogenannten Hassall-Körperchen bilden. Von außen wird der Thymus zusätzlich noch schützend von einer Kapsel aus kollagenem Bindegewebe umhüllt.