Anatomie - Zunge

Geschrieben am 1.06.2006 von Conni Kreißl

Die Zunge ist ein längliches, schleimhautbedecktes Muskelorgan, das Dank ihrer längs und quer verlaufenden Muskelfasern äußerst beweglich ist. Sie gehört mit zum bekannten oberen Verdauungstrakt, liegt auf dem Boden der Mundhöhle und füllt diese bis auf einen schmalen Schlitz bei geschlossenen Kiefern fast ganz aus. Dabei ist der Zungengrund fest mit dem Unterkiefer, dem Zungenbein und der Rachenwand verbunden und das Zungenbändchen verbindet die Zungenunterfläche unmittelbar mit dem Boden der Mundhöhle.
Allerdings vermag die Zunge viel mehr, denn sie ist ein wahrer Alleskönner, was sie aber auch sein muss um ihren täglichen Aufgaben gerecht zu werden. Denn einerlei ob sie nun schmeckt, tastet, prüft oder artikuliert, immer ist sie dabei in voller Aktion. Sie befördert die Nahrung bei der Nahrungsaufnahme zu den Zähnen, wendet den Bissen immer wieder hin und her und bewegt sich dabei in alle erdenklichen Richtungen und kontrolliert dabei noch den Zerkleinerungsprozess. Nebenbei mischt sie die zerkleinerte Speise sorgfältig und formt diese zu schluckbahren Brocken um, die diesen dann in den Rachen befördert. Gleichzeitig nehmen wir mit ihren insgesamt über 9000 Geschmacksknospen die unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen wahr.
Dank ihrer großen Beweglichkeit kann sie aber auch mühelos jede Stelle im Mundraum erreichen und diesen so auf Fremdkörper oder Unebenheiten absuchen und sie hilft den Säuglingen sogar beim Saugen, indem sie einen Unterdruck erzeugt.
Sie verfügt über den sensibelsten Tastsinn im menschlichen Körper, weswegen sie auch bei medizinischen Test meist als Kriterium für die Feinheit des Tastsinns herhalten muss. Denn nur sie allein kann zwei extrem dicht nebeneinander liegende Punkte noch als voneinander getrennt wahrnehmen.
Und auch für die Sprache ist sie überaus wichtig, wenn sie auch nicht alleine dafür haftbar ist, doch ohne die Zunge ließen sich Buchstaben, Wörter und Sätze nur undeutlich bilden und aussprechen. Sie stellt zusammen mit Mund und Rachen einen Schalltrichter her, der für das Sprechen unerlässlich ist, da die von den Stimmbändern erzeugten Geräusche und Klänge erst dort zu Sprechlauten moduliert werden. Dabei ist die Zunge außergewöhnlich geschickt und schnell, wobei sie es im Normalfall auf mehr als 90 Wörter pro Minute bringen kann. Um das und noch mehr zu schaffen kann sie allerdings auch auf ein Repertoire von mehr als 20 verschiedenen Bewegungen zurückgreifen.
Anatomisch gesehen lässt sie sich in den Zungengrund bzw. die Unterseite der Zunge, den Zungenrücken bzw. die Oberseite der Zunge, die Zungenspitze und die Papillaren sowie Geschmacksknospen unterteilen.
Wenn man genau hinsieht ist das allerdings etwas komplizierter, da der Zungenkörper aus der Zungenspitze und dem leicht gewölbten, frei liegenden Zungenrücken besteht und sich an der Unterseite dieses Zungenkörpers die vom Mundboden kommende Schleimhautfalte, die man Zungenbändchen nennt, anschließt. Diese ist mit ihrem mittleren Teil an den Boden der Mundhöhle angewachsen und so angeheftet, dass nur die Spitze und die Seitenränder frei sind. Dieser Bereich ist außerdem noch durch die V-förmige, mit der Spitze nach hinten gerichtete Furche Namens Sulcus terminalis, von der Zungenwurzel bzw. dem Zungengrund getrennt. In der Spitze dieser Vertiefung befindet sich auch die kleine dreieckige Einsenkung Foramen caecum, in der sich etliche diverse Schleimdrüsen befinden. Außerdem verläuft in der Mitte des Zungenrückens dazu noch eine weitere leichte Furche, die Sulcus medianus heißt. Wobei der hinterste und dickste Teil der Zunge, die direkt am Zungenbein befestigte Zungenwurzel, bis zum Rachen und zum Kehlkopf reicht, wo sich das lymphatische Gewebe der Zungenmandel am Zungengrund befindet. Dafür ist das Zungenbein durch Muskeln und Bänder mit dem Kehlkopf verbunden und in der Mittellinie der Zunge befindet sich so eine Art senkrechter Scheidewand aus Sehnenfasern, die man Zungenknorpel nennt. Hauptsächlich besteht sie allerdings aus Muskelfasern mit zahlreichen dazwischen verlaufenden Nerven und Gefäßen.
Ihre extreme Beweglichkeit verdankt die Zunge allerdings nur der besonderen Architektur ihrer Muskeln. Diese verlaufen in drei verschiedene Richtungen, weshalb sie die Zunge auch als vertikale Muskelfasern sowie Längs- und Quermuskelfasern durchdringen. Wobei sie ein dreidimensionales Netzwerk untereinander bilden. Dabei stehen die einzelnen Fasern der Muskeln sogar teilweise senkrecht zueinander, was der Zunge ihre überaus hohe Flexibilität verleiht.
Zusätzlich ist sie noch von den Papillen mit den eigentlichen Geschmacksorganen bzw. den Geschmacksknospen sowie becherförmigen Organen voll stabförmiger Nervenendzellen, die mit den Geschmacksnerven verbunden sind, übersäht. Aber sie enthält auch zahllose kleine Speicheldrüsen, besonders in der Gegend der Zungenwurzel und ihre gesamte Oberfläche ist von Epithel überzogen, die durch Verhornung im Bereich der Papillenspitzen den weißen Zungenbelag bilden.