Anatomie - Zwerchfell

Geschrieben am 28.06.2006 von Conni Kreißl

Das Zwerchfell bzw. Diaphragma wird auf Grund seiner Lage häufig zur Bauchmuskulatur gezählt obwohl es eigentlich ein Halsmuskel ist. Genaugenommen ist es eine 3 mm dicke, muskulöse, sehnige Platte die sich kuppelförmig aus der unteren Thoraxapertur bzw. dem Bauchraum in den Brustkorb empor wölbt. Wobei es die Brust- von der Bauchhöhle trennt und dabei eine Reihe von Öffnungen für den Durchtritt der Speiseröhre sowie der Gefäße und Nerven freilässt.
Das Zwerchfell ist der wichtigste Einatemmuskel, denn durch seine Muskelkontraktionen kommt es erst zur Einatmung bzw. Inspiration. Es unterstützt zwei Drittel der Atemkapazität, wobei es sich im Wechsel zusammenzieht und wieder absenkt sich. Dabei entsteht eine Art Unterdruck in den Lungen und die Luft wird eingeatmet bzw. eingesogen. Wodurch es zu einer Absenkung des Zwerchfells kommt, was wiederum die Baucheingeweide wegdrängt und zu einer Vorwölbung des Bauches führt. Bei der sich anschließenden Erschlaffung des Zwerchfell erfolgt die Ausatmung bzw. das entweichen der Luft, wobei sich das Zwerchfell wieder hebt und der Bauch abflacht. Dieser Vorgang läuft meist unbewusst ab und da das Zwerchfell keine eindeutigen Bewegungsempfindungen aufweist, können Erkrankungen und Funktionseinschränkungen seinerseits meist erst durch Atem- und Stimmprobleme erkannt werden. Denn fehlende oder schwache Kontraktionen sind nicht nur für das Atemmuster verhängnisvoll, sondern ebenfalls für die Stimme, da die Öffnung der Stimmritze direkt mit der Zwerchfellatmung gekoppelt ist. So bewirkt eine Kontraktion gleichzeitig eine Senkung des Kehlkopfs und sorgt somit für die Druckentlastung in der Stimme. Weshalb eine richtig kombinierte Brust- und Bauchatmung nicht nur für das gesamte körperliche Wohlbefinden wichtig ist, sondern auch für die Stimmfunktion.
Es wird es oben von Brustfell und unten von Bauchfell bedeckt und sein kleeblattförmiges, sehniges Mittelteil, welches bis in die Höhe des achten Brustwirbels aufragt, trägt das Herz in einer als Herzsattel bezeichneten Vertiefung des vorderen Blattes. Um dieses herum wölb sich das Zwerchfell zur rechten und linken Zwerchfellkuppel auf, wo Organe wie Leber, Milz, Magen und Pankreas äußerst gut geschützt durch den knöchernen Brustkorb untergebracht sind. Es besteht aus einer Muskelplatte, die sich aus feinen Muskelfasern zusammensetzt, die in parallelen Strängen von der Innenfläche der Skelettteile ausgehen, welche die untere Thoraxapertur begrenzen. Man könnte es ebenso als muskuläre Querebene bezeichnen, die fest an den Rippenbögen verwachsen ist.
Obendrein lässt es sich aufgrund seiner Ursprungsstellen in drei Teile unterteilen, welche als Brustbeinteil, Rippenteil sowie Lendenteil bezeichnet werden und alle in einer gemeinsamen V- bis herzförmigen Sehnenplatte enden, die aus miteinander verflochtenen Sehnenfasern besteht.
Der Lendenteil, der an der Bauchseite der Lendenwirbelsäule entspringt, besteht aus einem rechten und einem linken Zwerchfellschenkel, dessen sehnige Muskelstränge wie Pfeiler nach oben ziehen. Wobei der wesentlich kräftigere rechte Schenkel noch in mehrere kleinere Unterabschnitte unterteilt werden kann. Außerdem besitzt das Lendenteil noch drei sehnige Bögen und grenzt seitlich an den Rippenteil, welcher an den Rippenknorpeln entspringt. Dabei verläuft die Verbindungslinie bzw. Zwerchfellansatzlinie der einzelnen Ursprünge an den Rippen sehr unterschiedlich, da der Grad ihrer Schrägstellung in Abhängigkeit von der Länge des Brustkorbs und der Rippenzahl abhängt. Diese Linie bestimmt den maximalen Bewegungsspielraum der Lunge, da sich die Lunge in den Raum seitlich des Scheitelpunkts der Zwerchfellkuppel bis maximal zu dieser Ansatzlinie ausdehnen kann.
Der Rippenteil, der bauchseitig an den kleinen Brustbeinteil grenzt, entspringt dagegen am Ende des Brustbeins, am sogenannten Schwertfortsatz.
Wie schon erwähnt besitzt das Zwerchfell unterschiedlich große Öffnungen, eine davon ist der Aortenschlitz. Er ist leicht schräg, liegt rückenseitig zwischen den beiden Schenkeln des Lendenteils und reicht vom ersten Lendenwirbel bis zum elften Brustwirbel. Durch ihn läuft die Hauptschlagader bzw. Aorta und ein großer Lymphsammelstamm. Ein weiterer nennt sich Speiseröhrenschlitz und liegt in Höhe des zehnten Brustwirbels zwischen den unteren Abschnitten des rechten Lendenschenkels. Durch ihn läuft die Speiseröhre sowie die beiden Hauptstämme des zehnten Hirnnerven. Dann gibt es indes auch noch das Hohlvenenloch, das sich in der Sehnenplatte befindet und die untere Hohlvene durchlässt. Diese ist in einem festen Bindegewebsring mit dem Zwerchfell verwachsen, ganz im Gegensatz zu den beiden Schlitzen, in denen alles verschiebbar gelagert ist. Dadurch wird aber sichergestellt, das die Vene bei der Kontraktion des Zwerchfells nicht zusammenfällt.
In Zwerchfell befinden sich noch etliche weiter kleinere Öffnungen, durch die kleinere Nerven und Gefäße durch das Zwerchfell treten, welche nicht erwähnenswert aber auch wichtig sind. Erwähnenswert ist aber noch, das das Zwerchfell an diesen Stellen am schwächsten gebaut ist, weshalb es dort auch am häufigsten zu Durchbrüchen desselben kommt.