Akkommodationsmechanismus

Geschrieben am 28.07.2006 von Conni Kreißl

Akkommodation ist die Befähigung zur Änderung der optischen Brechkraft der Augenlinse des Auges.
Dabei ist grundsätzlich eine ganze Reihe von Akkommodationsmöglichkeiten denkbar. Denn einesteils lässt sich die Brechkraft verringern, indem sich die Retina bzw. die Netzhaut des Auges nach hinten in eine andere Bildebene verlagert. Andererseits lässt sich die Brechkraft vergrößern, indem entweder die optische Dichte des Systems erhöht oder die Linse nach vorn in die vordere Augenkammer verlagert wird.
Anders gesagt, beim Akkommodationsvorgangs werden die Krümmungen der Linsenvorder- und -hinterseite durch den Verlauf der Haltefasern und deren Bindung an der Linse äußerst unterschiedlich stark beeinflusst.
Dadurch wird der Lichtweg im Auge jeweils so verändert, das Objekte ungleicher Entfernung in der Netzhautebene trotzdem scharf abgebildet werden. Dies erfolgt durch Kontraktionen des überwiegend ringförmig angeordneten und parasympatisch versorgten Ziliarmuskels im Strahlenkörper des Auges, bei der optisch-geometrische Veränderungen im Auge erfolgen. Diese sind imstande die Gesamtbrechkraft des Auges um bis zu 15 Dioptrien zu verändern, was allerdings nicht in jedem Fall bewusst gesteuert werden kann.
Allerdings ist der komplette bzw. genaue Akkommodationsmechanismus auch noch nicht völlig geklärt, weshalb zur Zeit auch noch zwei bis drei gegensätzliche Theorien dazu im Gespräch sind. Das ist einerseits die Relaxationstheorie von Helmholtz, welcher in der Anordnung von Linse, Zonulafasern und Ziliarmuskel ein mechanisch-elastisches System sieht. Weshalb er von einer Linsenverformung durch die Akkommodation ausgeht, da seiner Meinung nach die Zonulafasern die Linse dauernd in einer formbestimmenden Spannung festhalten. Wobei durch Kontraktionen des Ziliarmuskels der Durchmesser dieses ringartigen Muskels abnimmt, wenn die Zonulafasern sich entspannen. Das bedeutet die elastische Augenlinse wird bei Fernblick durch den Zug der Zonulafasern an der Linsenkapsel in einer Ellipsenform festgehalten und bei der Akkommodation entspannen sich diese Zonulafasern wieder, durch die konzentrische Verengung des Strahlenkörpers. Demzufolge zieht sich die Linse durch die elastischen Kräfte der Linsenkapsel in ihre kugelförmigere Ruheform zurück, wodurch die Brechkraft zunimmt. Die Ferneinstellung soll dann über die Wiederabflachung der Linse durch die Erschlaffung des Ziliarmuskels und den deswegen entstehenden Druck des Glaskörpers erfolgen.
Die zweite Theorie stammt von dem US-amerikanischen Wissenschaftler Prof. Dr. Ronald A. Schachar und nennt sich deswegen Schachar-Theorie. Diese noch recht neue Hypothese geht zusätzlich von einer Vorverlagerung der Augenlinse bei der Akkommodation aus, die ebenso eine Zunahme der Brechkraft des Auges herbeiführt. Auf dieser Theorie aufbauend entwickelte er obendrein die erste wirksame Methode, durch die alterssichtige Menschen auf eine Lesebrille verzichten können. Dabei geht er davon aus, das die Haltefasern, welche für die Akkomodation der Linse notwendig sind, mit zunehmendem Alter durch das Wachstum der Linse erschlaffen, was man durch eine Operation korrigiert.
Dann gab es allerdings noch Allvar Gullstrand, der die Meinung vertat das der Ziliarmuskel radiäre Fasern enthält, die vom Sympaticus Nerv versorgt werden, deren Kontraktionen die Linse spannen. Außerdem meinte er, das die Ferneinstellung der Linse durch die über dem Glaskörper elastisch gespannte Aderhaut erfolgt, welche die Kontraktion des Ziliarmuskels verstärkt und durch ihren Zug die Linse flach zieht.
Auf alle Fälle führen beide Augen Parallel zu der Anspannung des Ziliarkörpers jedoch stehts auch eine Konvergenzbewegung aus, das heißt das sich beide Augen synchron zur Nase hin bewegen. Was eine Voraussetzung für die Verbindung der Seheindrücke beider Augen zu einem dreidimensionalen Seheindruck in der Nähe ist. Außerdem kommt es synchron mit der Akkommodation zu einer Pupillenverengung, was sich noch zusätzlich auf die Sehschärfe auswirkt. Wobei die deutliche Sehweite, auch Bezugs- oder Normsehweite genannt, auf 250 mm fixiert ist.
Die Akkommodationsbreite hingegen ist der maximal mögliche Brechkraftzuwachs bzw. die Brechkraftänderung bei der Akkommodation. Diese beträgt bei Kleinkindern ca. 14 Dioptrien und fällt im Alter auf Werte unter 2 Dioptrien ab, wodurch sich der kleinste Abstand, in dem Gegenstände noch scharf gesehen werden von ca. 10 cm auf mehr als 50 cm vergrößert.