Räumliches- & Farbsehen

Geschrieben am 1.08.2006 von Conni Kreißl

Das Sehen und Erkennen von Farben wird durch die in den Zapfen enthaltenen zahlreichen Farbstoffmoleküle ermöglicht. Diese reagieren auf verschiedene Farben unterschiedlich stark empfindlich. Dabei unterscheidet man drei Zapfentypen, die je ein Photopigment enthalten, dessen Lichtabsorption in einem ganz bestimmten Wellenbereich ein Höchstmaß aufweist. Dieser liegt beim Rotrezeptor bei 600 bis 610 nm, beim Grünrezeptor bei 550 bis 570 nm und beim Blaurezeptor bei 450 bis 470 nm. Wobei die Empfindlichkeitsmaxima der drei Zapfentypen bei den kleinen bei 425 nm, bei den mittleren bei 535 nm und bei den großen bei 565 nm Wellenlängen liegt. Trotzdem reagieren für gewöhnlich mehrere Zapfentypen auf verschiedene Wellenlängen in unterschiedlicher Stärke. Zudem entspricht die Menge des absorbierten Lichtes auch der Stärke des Pigmentverfalls und damit ebenfalls der Größe der Erregung der Rezeptoren. Die Photopigmente werden hingegen außerdem jeweils nach ihrem Farbbereich untergliedert. So bezeichnet man die Rotlabilen als Erythrolab, die auf Grün sensiblen als Chlorolab und die auf Blau empfindlichen als Zyanolab.
Da jede Farbe allerdings durch ein für sie typisches Erregungsverhältnis der drei Rezeptoren wiedergespiegelt wird, kann das Auge nichtsdestoweniger sämtliche 150 unterscheidbaren, gesättigten Farbtöne und dazu noch alle 600.000 nichtgesättigten, weiß- und grauverhüllten Farbnuancen darstellen. Dabei erzeugt die gleichstarke Erregung aller 3 Farbkomponenten die Wahrnehmung Weiß und die gleichzeitige, unterschiedliche Belichtung verschiedener Farbverhältnisse, die entsprechenden Farbmischungen wie Orange, Gelb, Indigo oder eben Violett. Vereinfacht dargestellt bedeutet das sozusagen, wenn ein Erythrolab bzw. ein roter Zapfen gereizt wird, wirkt sich das hemmend auf die grüne Peripherie aus und umgekehrt. Die spektralen Empfindlichkeiten bzw. Möglichkeiten sind dabei allerdings außerordentlich breitgefächert.
Sind einige oder mehrere dieser Komponenten defekt oder fehlen ganz beispielsweise aus gesundheitlichen Gründen, kommt es zu Farbsehstörungen, Farbsehschwächen oder auch Farbenblindheit, welche an das X-Chromosom gebunden rezessiv vererbt werden. Weshalb diese auch häufiger bei Männern als bei Frauen auftreten.
Das räumliche Sehen ist, durch die verhältnismäßig großflächige Anordnung der Rezeptoren in der Netzhaut möglich, durch die schon ein ziemlich großer Raumausschnitt bei geradeaus Blick mit feststehendem Auge erfasst wird, was man auch Gesichtsfeld nennt. Hierbei vertritt jede Stelle auf der Netzhaut eine ganz bestimmten Richtung im Raum, so entspricht zum Beispiel der obere äußere Raumquadrant dem inneren unteren Netzhautquadranten und so weiter. Die Grenzen dafür werden jedoch durch anatomische Strukturen wie Jochbein, Nase und Augenbraue vorgegeben.
Bei bewegten Augen erweitert sich der erfassbare Raum natürlich noch ganz beträchtlich, weshalb man dies dann auch als Blickfeld bezeichnet. Dabei müssen die Informationen aber noch von dem entsprechenden Netzhautort mit den Informationen über die augenblickliche Augenstellung verrechnet werden, damit eine Aussage über die Richtung des Sichtobjektes gemacht werden kann.
Wobei man neben der Richtungsempfindung ebenso eine für die Raumerfassung benötigt, um eine Tiefenempfindung zu bewirken. Weswegen diese für Einäugige auch nur indirekt aus der Erfahrung über die Größen bestimmter Objekte, relativer Bildverschiebungen und Farbvariationen möglich ist. Denn echtes, stereoskopisches Sehen ist erwiesenermaßen nur mit beiden Augen möglich. Was sich darauf begründet, das sich die Gesichtsfelder beider Augen sich erheblich überschneiden. So das beim fixieren eines Objektes die Augachsen auf dieses gerichtet und die optische Brechung der Augenlinse dementsprechend eingestellt werden kann. Dabei sind im allgemeinen alle Punkte, die zum gleichen Zeitpunkt ebenfalls gesehen werden, auf identischen Punkten beider Netzhäute abgebildet, wobei sie in einer annähern kreisförmigen Linie liegen aber nicht den gleichen Raumwert besitzen. Weshalb sie eigentlich doppelt gesehen werden müssten, was allerdings durch die Querdisperation verhindert wird, welche die beiden Bilder miteinander verbindet.
Hierbei wird das räumliche Sehen noch vertieft, denn wenn die Doppelbilder sich kreuzen, weil beispielweise das linke Auge den Punkt rechts vom fixierten Objekt und das rechte Auge den links sieht, entsteht daraus der Eindruck das dieses näher bzw. dichter dran ist. Sobald die Doppelbilder jedoch ungekreuzt sind, ergibt sich der Eindruck das der Punkt weiter weg ist.