Sehschärfe

Geschrieben am 17.08.2006 von Conni Kreißl

Unter der Sehschärfe versteht man das räumliche Auflösungsvermögen der Auges. Sie hängt von der Rasterdichte der Rezeptoren sowie von der Verschaltung den afferenten bzw. zuführenden Leitungsbahn ab. Wobei der Begriff afferent im allgemeinen zur Einordnung der Leitungsrichtung von Nervenfasern verwendet wird und afferente Nervenfasern die von den Rezeptoren aufgenommenen Informationen zum Zentralnervensystem oder zu einzelnen neuronalen Zentren übertragen.
Daher lassen sich zwei Punkte auch dann noch getrennt wahrnehmen, wenn sie auf zwei Rezeptoren abgebildet werden zwischen denen sich ein wenig erregter bzw. ein unerregter Rezeptor befindet. Dabei reicht mitunter schon ein Unterschied von 4 Prozent zwischen den Rezeptoren aus. Womit die Trennschärfe dementsprechend umso größer wird je schmaler die Rezeptoren sind und je dichter diese zusammenstehen. Dabei ist jedoch zu beachten das die bewusste Wahrnehmung nicht im Rezeptorfeld sondern in der Großhirnrinde erfolgt. Weshalb jeder Rezeptor seine eigene afferente Weiterleitung bin hin zum Projektionsfeld der Großhirnrinde besitzen muss, was einer eins zu ein Verschaltung gleichkommt. Ansonsten würden die Informationen von zwei belichteten Rezeptoren, die auf einer nachgeschalteten Zelle zusammentreffen, nicht mehr getrennt verarbeitet und die beiden Punkte würden dann als einheitlicher Fleck sichtbar.
Wenn man die Netzhaut allerdings näher betrachtet kann man feststellen, das diese überaus ungleichmäßig aufgebaut ist. So enthält die Sehrgrube nur Zapfen, während in der restlichen Umgebung der Netzhaut die Dichte der Zapfen zum Rand hin immer mehr schrumpft. Dort befinden sich vorwiegend die Stäbchen, die wesentlich dünner als die Zapfen, dafür aber mit den Ganglienzellen verschaltet sind, dieweil jeder Zapfen seine eigene Weiterleitung besitzt. Obendrein sind die Zapfen innerhalb der Sehgrube auch bedeutend dünner als die in ihrer Umgebung, womit ihre Dichte dort auch höher ist, wodurch Auflösungsvermögen zum Rand hin stark abnimmt und die Sehschärfe in der Sehgrube am allergrößten ist.
Dabei bezeichnet man den kleinsten Abstand zwischen zwei Punkten, den man gerade noch so wahrnehmen kann als Minimum Separabile. Er lässt sich aus dem Zapfendurchmesser und dem Abstand vom Knotenpunkt zur Netzhaut berechnen und ist daher in der Sehgrube am kleinsten. Weil sich die Längenangabe jedoch trotz gleichbleibender Sehschärfe zumeist mit dem Abstand des Objektes zum Auge erhöht, ist es wesentlich angebrachter den Winkel einzubeziehen den die Strahlen beider Punkten einschließen. Dieser als Sehschärfewinkel bezeichnete Winkel beträgt 1¢, also eine Bogenminute, was auch der Minimum Separabile entspricht.
Dabei erfolgt die Sehschärfebestimmung über Sehtafeln, welche unterschiedliche Zeichen enthalten die erkannt werden müssen. Mitunter wird auch die Methode von einem gewissen Landoldt verwendet, der einen Ring mit einer sehr kleinen Öffnung nutzte, bei dem man die Position dieser Lücke bestimmen muss. Diese Methode hat den Vorteil, das seine kritische Größe bzw. das Loch oder die Öffnung sich besser definieren lässt als beispielsweise Ziffern oder Buchstaben, bei denen die Kenntnis dieser eine nicht immer präsente Vorraussetzung für die Erkennung ist. Bei der Landoldtschen Methode sind verschieden große Ringe auf der Tafel angeordnet, bei denen die Öffnung jeweils bei bestimmten auf der Tafel angegebenen Leseentfernungen unter der Einbeziehung des Sehwinkels von einer Bogenminute erscheint. Dabei soll die Testperson die Zeichen aus fünf Metern Entfernung betrachten, was dann der Ist-Entfernung entspricht, um das Zeichen welches sich in fünf Metern Entfernung befindet, was die Sollentfernung ist, zu erkennen. Die Sehschärfe ist bei einem Wert von eins perfekt, alle Werte darunter sind gleichbedeutend mit einer schlechteren Seeschärfe, während es Werte darüber wohl nicht geben wird. Das heißt wenn der Proband auf fünf Metern herran gehen muss um etwas aus zehn Metern Entfernung zu erkennen hat er eine ziemlich miese Sehschärfe.
Solch eine Verschlechterung kann durch eine Veränderung in der Netzhaut oder auch durch andere Refraktionsanomalien zustande kommen. Wobei physiologische Abbildungsfehler nur so winzig kleine Zerstreuungskreise hervorrufen, das diese gerade so noch unter einem Zapfendurchmesser liegen und so die Sehschärfe nicht beeinflussen bzw. beeinträchtigen. Wodurch eine weitere Verfeinerung des Rasters keinen weiteren Gewinn für die Schärfe bzw. das Auflösungsvermögen brächte.