Eisenüberschuss Krankheitstyp Sekundäre Eisenüberladung

Geschrieben am 27.08.2006 von Conni Kreißl

Eine sekundäre Eisenüberladung ist in der Regel eine durch bestimmte Einflüsse, wie ein Eisenüberangebot in der Nahrung, Bluttransfusionen oder seltene Blutbildungsstörungen, erworbene Eisenspeicherkrankheit.
Zu ihr gehören außerdem alle Formen von Eisenüberschusserkrankungen, bei denen es infolge einer Gewebeerweiterung durch eine mächtig ineffektive Bildung und Entwicklung von roten Blutkörperchen zu einer ständig gesteigerten Eisenabsorption im Darm kommt. Wobei es durch die übermäßige Eisenaufnahme langfristig gesehen zu einer extremen Eisenüberladung das Grundgewebes kommt, die zu ganz ähnlichen klinischen Symptomen führen kann wie die der erblichen Eisenspeicherkrankheiten.
Bei dieser Form der Erkrankung wird dem Körper beispielsweise durch Bluttransfusionen ständig Hämoglobin-Eisen zugeführt, was zu Siderosen bzw. Eisenspeicherkrankheiten führt. Trotzdem ist diese Form des Leidens auf kurze und mittlere Sicht weniger gefährlich für den Patienten, denn hierbei ist der Grad der Erkrankung von der individuellen Eisenüberladung und der Speicherfähigkeit der Zellen abhängig.
Eine klinisch relevante Eisenüberladung im Kindes- und Jugendalter stellt sich größtenteils als sekundäre Form der Eisenüberladung heraus, denn die genetisch bedingte Überladung mit Eisen offenbart sich vorwiegend erst im fortgeschrittenen Erwachsenenalter und muss im Kindesalter in der Regel nicht behandelt werden. Eine Ausnahme bildet da allerdings die genetisch bedingte Blackfan-Diamond-Anämie die schon den ungeborenen Embryo bzw. das Neugeborene betrifft.
Die sekundäre Eisenüberladung ist andererseits eine schwere Eisenüberladung die zu einer chronischen Organschädigung von Leber, Bauchspeicheldrüse und Herz führen, die meist langandauernde Beschwerden nach sich ziehen.
Daher ist eine rechtzeitige und gut angepassten Eisenentzugstherapie mit Eisenpräparaten wie beispielsweise Deferoxamin oder dem oral zu verwendenden Deferipron außerordentlich empfehlenswert. Dies gilt trotz der bekannten Nebenwirkungen dieser Medikamente, wie ein eventueller Hör- und Sehverlust oder ähnliches. Außerdem kann eine dem tatsächlichen Speichereisen nicht angepasste Dosis bei jugendlichen Patienten höchstwahrscheinlich zu einer irreversiblen Beeinträchtigung des Wachstums führen. Diese Bedenken sind zwar teilweise tatsächlich begründet, da durch eine womöglich vorhandene Überdosierung nicht nur überschüssiges Speichereisen entfernt wird, sondern auch Funktionseisen aus Enzymen und andere Spurenelemente wie Zink beseitigt. Weshalb es dabei immer auf die richtige auf den jeweilig betreffenden Patienten abgestimmte Dosis ankommt, die von unterschiedlichen diagnostischen Parametern abhängt, welche den Verlauf der Erkrankung und die Dimension der individuell vorliegenden Eisenüberladung betreffen.
Zu diesen Parametern gehören unter anderem so empfindliche Hilfsgrößen wie das Serum-Eisen und die Transferrin-Eisen-Sättigung im Blut, die unverzüglich und unkompliziert eine überschüssige Eisenspeicherung anzeigen, da diese Werte dann meist ständig erhöht sind. Wobei hauptsächlich die Serum-Ferritin-Konzentration gemessen wird, da sie die wichtigsten und sichersten Ergebnisse zu Ermittlung des Krankheitsgrades liefert, während das Serum-Ferritin an sich nur ein grobes Maß für das individuell vorhandene überschüssige, potentiell toxische Speichereisen ist.
Andererseits wird die Eisenkonzentration nur ausnehmend selten durch eine Leberbiopsie bestimmt. Denn diese ist gerade für Patienten im Kindesalter besonders belastend und dazu stets auch noch mit einem Komplikationsrisiko verbunden. Dafür wird bei einer großen Zahl von Patienten mit sekundärer Eisenüberladung die klinische Wertigkeit der Eisenmenge mittels SQUID-Biosuszeptometrie untersucht und nachgewiesen.
Auf alle Fälle sollten sich Patienten mit Beschwerden wie ständiger Müdigkeit, Gereiztheit, Leistungsschwäche, Herzproblemen, diffuse Leibschmerzen, Hautveränderungen, seltsamen unerklärlichen belastungsabhängigen Gelenkbeschwerden und Gelenkveränderungen an den Fingern in Form von schmerzhaften und berührungsempfindlichen Auftreibungen einmal sicherheitshalber auf die Eisenkonzentration in ihrem Körper untersuchen lassen. Denn es kann durchaus sein das ihre Eisenwerte und Leberparameter im Blutbild erhöht sind. Was unbehandelt zu Diabetes, Leberschäden, Gelenkveränderungen wie bei Arthrose, Gelenk-, Sehnen- und Muskelbeschwerden, Störungen der Geschlechtsfunktion und zu psychiatrische Symptome wie Depressionen führen kann.