Portugiesischer Schäferhund Nr. 4 – Rafeiro do Alentejo

Geschrieben am 18.04.2006 von Conni Kreißl

Herkunft und geschichtlicher Hintergrund:
Der Rafeiro do Alentejo stammt aus der Region Alentejo, dem Flachland von Südportugal südwestlich von Lissabon und ist die größte Portugiesische Schäferhundrasse. Er gehört zu den Molossern und könnte gemeinsam mit vielen anderen großwüchsigen Hunden auf eine einzige Ursprungsrasse, die Tibetdogge zurückzuführen sein, die sich dann entsprechend der klimatischen und geographischen Gegebenheiten der jeweiligen Regionen unterschiedlich entwickelte. Wahrscheinlicher ist aber das er sich aus verschiedenen Rassen entwickelte bzw. eine Kreuzung aus der Spanischen Dogge Mastin Espanol, dem Estrela-Berghund und anderen Lokalschlägen seiner Heimatregion ist. Die sehr alte Rasse ist in den Privathäusern und landwirtschaftlichen Betrieben der Alentejo-Region schon ewig als außergewöhnlich guter Wach- und Herdenschutzhund beliebt. Wie lange es ihn jedoch genau gibt ist nicht bekannt. Obwohl 1940 der erste Standard festgelegt und er auch vom FCI anerkannt wurde, ist er jedoch sehr selten. 1990 waren im Portugiesischen Hundezüchterverband gerade einmal 62 Rafeiros registriert und 1998 nur 279. Trotz seiner guten Eigenschaften, machten der Rasse auch Ereignisse wie die Portugiesische Revolution, die auf das Regime Oliveira Salazars folgte, zu schaffen. Auch der Ruf ein „Reiche-Leute-Hund“ zu sein, wegen seines Einsatzes als Hütehund auf großen Ländereien, half seiner Verbreitung nicht gerade. Selbst die Tatsache, das er ein Lieblingshund des Prinzen Don Carlos ist, der ihn als Jagdhund verwendet, machte die Rasse nicht populärer. Dieser sehr seltene Hund stand bis vor kurzen sogar vorm Aussterben. Zum Glück fanden sich inzwischend aber einige Freunde und Züchter die bestrebt sind den Rafeiro zu erhalten.
Beschreibung:
Dieser große, starke Herdenschutz- und Wachhund hat das Gebäude eines Bernhardiners und einen bärenartigen, sehr massiven, nach unten schmaler werdenden Kopf. Er ist ein schwerer und kraftvoller Hund, wild und muskulös. Der Fang ist kürzer als der Schädel, der Nasenrücken gerade, die Nase dunkel und das Scherengebiss kräftig. Die kleinen, ovalen Augen sind dunkel mit schwarzen Lidrändern und blicken gelassen. Die kleinen, dreieckigen Hängeohren sind mittelhoch angesetzt und wenig beweglich. Der gerade, kurze Hals mit der mittleren Wamme geht gut in die Schulterpartie über und der lange, leicht abfallende Rumpf ist gerade und muskulös. Der lange Rücken ist gerade, die Lendenpartie breit, die Brust tief und der Bauch nie aufgezogen. Die lange Rute wird herunterhängend getragen und die langen, starken Gliedmaßen sind ebenfalls gut bemuskelt. Er steht auf gewölbten Pfoten mit gut geschlossenen Zehen und harten Ballen. Sein kurzes oder halblanges, glattes, dichtes, schweres Fell ist bis zu den Zehenzwischenräumen gleichmäßig über den ganzen Körper verteilt. Er kommt in den Farben schwarz, wolfsgrau, lohfarben, gelbbraun, rotbraun, gelb, meliert oder gestromt mit oder ohne weiße Abzeichen vor. Er wird etwa 64 bis 74 cm hoch und 35-50 kg schwer.
Wesen des Hundes:
Er ist sehr selbstsicher, stets wachsam, gegenüber anderen Hunden dominant, eigensinnig und handelt oft unabhängig. Er handelt meist intuitiv, ist intelligent und weiß er stets was zu tun ist. Sein ruhiges zurückhaltendes Auftreten lässt sein aggressives Wesen nicht erahnen. Er ist wild, außerordentlich selbstbewusst, unerschrocken, dickköpfig, unabhängig, seiner Familie treu ergeben und Fremden gegenüber sehr misstrauisch.
Pflegehinweise:
Er sollte regelmäßig gebürstet und gekämmt werden, er benötigt besonders viel Auslauf und ist nur sehr selten ein angenehmer Haushund, da er das Leben im Freien braucht. Er rennt und läuft sehr gern stundenlang und hasst es eingesperrt zu sein.
Besonderheiten:
Dieser sture, eigenwillige Hund muss mit fester, jedoch nie grober Hand trainiert werden. Er wird als Hüte- und Wachhund für Haus, Hof und Vieh eingesetzt und manchmal sogar zur Hochwildjagd, wo er sich auch mit einzelnen Wölfen anlegt. Er ist nichts für Hundeanfänger.