Asteroid Quaoar

Geschrieben am 07.09.2006 von Conni Kreißl

Der Asteroid Quaoar befindet sich im Kuiper-Gürtel, welcher wiederum ein scheibenförmiger Bereich ist der sich im Sonnensystem hinter der Neptunbahn in einer Entfernung von etwa 30 bis 50 Astronomischen Einheiten erstreckt. Was im übertragenen Sinn genau 30 bis 50 mal 1,495 978 706 91 · 1011 Meter entspricht.
Der Quaoar, dessen Name kwah-o-wahr gesprochen wird hat einen Durchmesser von 1.250 km, was etwa einem Zehntel des Erddurchmessers bzw. ein Drittel des Monddurchmessers gleichkommt. Er umrundet die Sonne in einer fast perfekten Kreisbahn, welche 7,984° gegen die Ekliptik geneigt ist und die teilweise innerhalb der Pluto-Bahn liegt. Außerdem ist er ein wenig weiter von der Sonne entfernt als Pluto. Wobei sein Abstand zur Sonne sozusagen 6.500.000.000 km bzw. etwa 43 AE beträgt, weshalb er für einen Umlauf zirka 288 Jahre benötigt. Er ist der 10. Himmelskörper von unserer Sonne ausgehend, hat eine Oberflächen-Temperatur die unter -200 Grad Celsius liegt und eine Relative Helligkeit von 18,5.
Mit seiner Entdeckung am 4. Juni 2002 durch die Astronomen Michael Brown und Chadwick Trujillo verlor Pluto seinen Rang als sonnenfernster Himmelskörper unseres Sonnensystems. Sie nannten das damals am Palomar-Observatorium entdeckte Objekt anfangs einfach nur 2002 LM60, was später aber offiziell nach dem Schöpfer-Gott der nordamerikanischen bzw. kalifornischen Tongva-Indianer, die in der Gegend um Los Angeles leben, in den Namen "Quaoar" geändert wurde. Diese Namensänderung wurde auch von der IAU Internationalen Astronomischen Union bestätigt und anerkannt.
Der Wunsch einiger Fans des Romans Per Anhalter durch die Galaxis, den Himmelskörper als Erinnerung an Douglas Adams den Autor des Buchs Rupert zu nennen wurde jedoch abgelehnt. Dies hätte allerdings ganz gut gepasst, da der Name Rupert in diesem Roman der Spitzname für den fiktiven 10. Planeten Persephone ist.
Nach seiner Entdeckung stellte man indessen fest das er auch schon auf viel älteren Archiv-Aufnahmen von 1982, 1996, 2000 und 2001 drauf war, bisher aber immer übersehen wurde. Dies ermöglicht jedoch eine relativ genaue Berechnung seiner Umlaufbahn. Wobei die ersten Aufnahmen von Quaoar von dem Astronom Charlie Kowal 1982 fotografiert wurden, der diesen aber nicht identifizierte.
Quaoar war zu diesem Zeitpunkt der größte Himmelskörper den man seit der Entdeckung des Pluto im Jahr 1930 im Sonnensystem fand, rückte jedoch schon ein Jahr später durch die Entdeckung von Orcus und Sedna 2003 VB12 auf einen hinteren Platz der am weitesten entfernten Himmelskörper.
Obwohl einiges dafür sprach betrachten sowohl die NASA als auch der Teamleiter Michael Brown Quaoar nicht als eigenständigen 10. Planeten, sondern als eines der vielen Objekte des Kuiper-Gürtels bzw. als Asteroid in dieser Region. Was zugegeben durchaus vernünftig erscheint, wenn man bedenkt das Quaoar nur etwa halb so groß wie der Zwergplanet Pluto ist. Trotzdem verdient Quaoar einige Beachtung, denn er ist größer als die meisten Monde unseres Sonnensystems. Weshalb er wahrscheinlich auch eher zu der am 24. August 2006 von der IAU neu eingeführten Klasse der Zwergplaneten gehört, wie Pluto und nicht zu den Asteroiden.
Manche meinen auch er ist größer als alle im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter befindlichen Asteroiden zusammen. Dies ist aber sehr unwahrscheinlich, wenn man bedenkt das die größten Objekte im Kuiper-Gürtel wie der Varuna und der 2002 AW197 schon einen Durchmesser von jeweils etwa 900 km aufweisen. Auch den Ixion sollte man auf keinen Fall unterschätzten, da dessen Größe nahe an die von Quaoar heran kommt.
Außerdem wurde inzwischend am 17. Februar 2004 im Kuiper-Gürtel ein weiterer Planetoid entdeckt, den man 2004 DW nennt und der die Größe von Quaoar eventuell sogar übertrifft. Ohnehin wird nach näheren Betrachtungen inzwischend auch angenommen, das sich noch allerhand weitere wesentlich gewaltigere Objekte in diesem Gebiet finden lassen, welche möglicherweise sogar den Durchmesser des Mars erreichen.
Der Quaoar besteht wahrscheinlich wie Pluto und die meisten Monde des äußeren Bereichs unseres Sonnensystems aus einer Mischung von Gestein und Eis mit geringer Dichte. Diese Vermutung wurde im Dezember 2004 noch untermauert als es gelang mit dem japanischen 8 Meter Teleskop Subaru kristallines Wassereis und Ammoniakhydrat auf seiner Oberfläche nachzuweisen. Was sehr überraschend ist, da man bei seiner extrem niedrigen Temperatur eher amorphes Eis ohne Kristallstruktur vermutete. Deshalb gehen manche Experten davon aus das sich im Inneren von Quaoar noch ausreichend Radioaktivitätswärme befindet um die dafür notwendigen Temperaturen zu erzeugen.
Die Entdeckung von Quaoar schwächte Plutos Status als Planet ausnehmend, zumal etliche Astronomen weitere Objekte von Quaoars Größe im Kuiper-Gürtel vermuten. Andererseits zählt man Pluto neuerdings schon nicht mehr zu den richtigen Planeten sondern nur noch zu den Zwergplaneten, wie höchstwahrscheinlich auch bald Quaoar. Zusätzlich wurde bereits mit dem 2003 UB313 dort ein Himmelskörper gefunden welcher größer als Pluto ist.
Der Ruf ein Asteroid zu sein hat er bekommen, weil er auf Aufnahmen von hintereinander folgenden Nächten als langsam wandernder Punkt zu erkennen ist.