Himmelskörper im Asteroidenhauptgürtel

Geschrieben am 14.10.2006 von Conni Kreißl

Auch im Asteroidengürtel bzw. Asteroidenhauptgürtel welcher auch Planetoidengürtel oder einfach nur Hauptgürtel genannt wird, der zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Jupiter liegt und damit unser Planetensystem in den inneren und äußeren Bereich teilt, gibt es sehr interessante Objekte. In ihm befinden sich Himmelskörper die erfahrungsgemäß eine sehr unregelmäßige Form aufweisen und eine Ausdehnung haben, die zwischen einigen wenigen Zentimetern und über 100 km liegen kann oder mitunter sogar mehr als 1.000 km beträgt. Da ich in einem anderen Artikel auch ein paar Transneptunischen Objekte beschrieben habe möchte ich dies hier auch bei einigen Objekten des Asteroidenhauptgürtels tun, zumal die Kometen des Asteroidengürtels nach Expertenmeinung im Verdacht stehen, die Lieferanten für das Wasser auf der Erde zu sein.
Außerdem wurden in diesem Gebiet vor noch nicht all zu langer Zeit Kometen entdeckt, die sich nicht wie typische bzw. gewöhnliche Kometen verhalten, sondern sich eher wie felsige Asteroiden benehmen. Am interessantesten ist allerdings das die Kometen im Hauptgürtel kreisförmige Umlaufbahnen haben und manchmal auch stark geneigte Bahnen besitzen, so wie die der Asteroiden und keine langgestreckten bzw. elliptischen wie sie normalerweise für Kometen typisch sind.
Zu denen gehört auch der zirka 1.000 m große Asteroid 2002 EL6, welcher in der Nacht vom 9. zum 10. März 2002 von dem deutschen Hobbyastronomen André Knöfel entdeckt wurde. Dieser potenziell bedrohliche Kleinplanet war damals eine sensationelle Zufallsentdeckung, da es vorher noch keinem Amateurbeobachter in Europa gelungen war einen gefährlichen Erdbahnkreuzer aufzuspüren. Allerdings wird er Bahnberechnungen zufolge seine größte Erdnähe erst im Jahr 2072 erreichen.
Aber auch der unregelmäßig geformte Asteroid Ida mit der Kleinplanetennummer 243, der am 29. September 1884 von Johann Palisa am Observatorium von Wien entdeckt wurde, ist ein Objekt des Asteroidenhauptgürtels. Er ist ein von Einschlagskratern überzogener, sehr heller und silikatreicher Körper, der von einer dicken Staubschicht bedeckt ist, eine Masse von 4 ·1016 kg und einen Durchmesser von 56 × 24 × 21 km hat. Außerdem besitzt er einen kleinen natürlichen Mond der nur 1,4 km groß ist, den Namen Dactyl trägt und der erste erfasste Asteroidenmond ist.
Auch der größte Asteroid Pallas mit der winzigen Kleinplanetennummer 2 befindet sich im Asteroidenhauptgürtel, wo er zudem der zweitgrößte Himmelskörper ist. Entdeckt wurde der 523 km dicke Brocken am 28. März 1802 von Heinrich Wilhelm Olbers eher zufällig, als der seinen ein Jahr zuvor entdeckten und heute als Zwergplanet klassifizierten Ceres aufsuchen wollte. Benannt wurde er dann nach der griechischen Göttin Pallas Athene und nach ihm das im Jahr 1803 entdeckte chemische Element Palladium. Pallas ist ansonsten der zweithellste Asteroid am Nachthimmel.
Dann möchte ich in dieser Liste noch den Asteroiden Juno mit der Kleinplanetennummer 3 nennen, welcher am 1. September 1804 von Karl Ludwig Harding entdeckt und nach Juno der höchsten römischen Göttin benannt wurde. Dieses Objekt des Asteroidenhauptgürtels wurde anfangs noch als vollwertiger Planet eingestuft, später aber als Asteroid klassifiziert. Er hat nur einen mittleren Durchmesser von etwa 267 km und eine Masse von 2,82 ·1019 kg. Seine unregelmäßig geformte Gestalt erinnert an beträchtlich an die einer Kartoffel, wobei Infrarotaufnahmen einen nahezu 100 km großen Einschlagskrater auf ihm offenbarten, der wahrscheinlich erst vor geologisch kurzer Zeit entstanden ist. Außerdem ist Juno der erste Asteroid, bei dem eine Sternbedeckung beobachtet werden konnte, denn er zog am 19. Februar 1958 genau vor einem lichtschwachen Stern vorbei und verdunkelte diesen dabei für mehrere Sekunden.
Der Asteroid mit der Kleinplanetennummer 4 auch Vesta genannt, welcher mit zirka 516 km mittlerem Durchmesser der drittgrößte im Asteroidenhauptgürtel ist und am 29. März 1807 von Heinrich Olbers entdeckt wurde, war auch ein Anfangs als Planet eingestufter und später zum Asteroiden degradierter Himmelskörper. Er bekam seinen Namen nach der römischen Göttin von Heim und Herd Vesta, welche die Schwester von Ceres war. Seine Umlaufbahn liegt mit durchschnittlich 2,15 bis 2,57 AE genau im inneren des Asteroidengürtels. Wobei er durch seine basalthaltige Kruste und das siliziumarme, silikathaltige Mantelgestein mit dem ziemlich hohen Aluminium- und Eisengehalt sowie ihren Eisen-Nickel-Kern einen ähnlichen Aufbau wie die terrestrischen Planeten aufweist. Wodurch er sich gewaltig von allen anderen Asteroiden im Hauptgürtel unterscheidet.
Desweiteren möchte ich auch noch den Asteroiden Astraea mit der Kleinplanetennummer 5 erwähnen, der ursprünglich mal Asträa genannt wurde und am 8. Dezember 1845 von Karl Ludwig Hencke entdeckt wurde. Er erhielt seinen Namen nach einer Tochter des Zeus und der Göttin der Gerechtigkeit und war der letzte Asteroid der vor der Entdeckung des Neptun gefunden wurde. Auch er galt Anfangs als vollwertiger Planet und wurde später wieder zum Asteroiden degradiert. Er hat einen mittleren Durchmesser von zirka 117 km, eine relativ helle, silikatreiche Oberfläche und rotiert in 16 Stunden und 48 Minuten um seine eigene Achse.
Zum Schluss kommt noch der Asteroid Hebe mit der Kleinplanetennummer 6, der am 1. Juli 1847 von dem Amateurastronomen Karl Ludwig Hencke entdeckt und nach der griechischen Göttin der Jugend benannt wurde. Er bewegt sich auf einer sehr exzentrischen Bahn um die Sonne, hat einen Durchmesser von 195 km und gehört damit zu den größeren Brocken im Asteroidengürtel. Außerdem hat er eine verhältnismäßig helle, silikatreiche Oberfläche und ist bereits in einem guten Feldstecher zu sehen.