Hypothetischer Planet Gegenerde

Geschrieben am 09.10.2006 von Conni Kreißl

Die Gegenerde ist ein hypothetischer bzw. imaginärer, also nichtexistierender, erdähnlicher Planet, welcher die selbe Umlaufbahn um die Sonne wie die Erde hat, sich jedoch auf der gegenüberliegenden Seite der Erde hinter der Sonne auf dem sogenannten Gleichgewichts-Punkt befindet. Das heißt, dieser auch als Antichthone bezeichnete Planet, soll sich auf der Erdumlaufbahn beständig genau 6 Monate hinter der Erde befinden, weshalb er auch nicht gesehen werden kann.
Dieser Planet wurde von der antiken griechischen Philosophenschule der Pythagoreer als unanfechtbar angesehen. Deren Mitglieder waren Anhänger des Pythagoreismus, die sich auf die Thesen des Pythagoras von Samos beruften, der nicht nur den Lehrsatz über die Seitenquadrate im rechtwinkligen Dreieck entwickelte, sondern auch ein Anführer der als Geheimbund geltenden Schule der Pythagoreer war.
Diese Pythagoreer waren von der Existenz dieses Planeten überzeugt, sie meinten das es zehn Planeten in unserem Sonnensystem geben muss, da sie aber nur neun Himmelskörper zählen konnten probagierten sie das Vorhandensein von Antichthone. Denn nach ihrer bzw. dem Erfinder dieser Theorie Philolaos, kreisten um die Erde, Sonne, Mond, fünf Planeten und das Himmelsgewölbe, was in der Summe leider nur neun Objekte sind. Da die Zahl 10 für diese Fanatiker aber als Gebilde von überragender Schönheit galt, musste zwangsläufig noch ein zehnter Himmelskörper existieren. Wobei sich die Himmelskörper aus ästhetischen Gründen natürlich auch noch auf perfekten Kreisbahnen bewegen sollten, weswegen fast 2000 Jahre lang neue und vernümpftige Erkenntnis blockierte und abgelehnt wurden. Doch Planeten scheren sich im allgemeinen nicht um ästhetische Vorgaben, weswegen sie meist auf unschönen Ellipsen um die Sonne eiern und wahren Forschern wie Johannes Keppler schon damals das Leben schwer machten, da er schließlich unter dem gewaltigen Druck der Beobachtungsdaten des Astronomen Tycho Brahe schweren Herzens als einer der ersten mit diesem klassischen Schönheitsideal brechen musste.
Allerdings bedachten sie dabei auch nicht, das ein solcher Planet Gegenerde, wenn er denn wirklich existierten sollte, fortwährend hinter der Sonne verborgen wäre. Er müsste allerdings auf Grund seines Gravitationseinflusses auf die anderen Planeten unseres Sonnensystems nichtsdestoweniger von der Erde aus feststellbar sein. Solch ein Einfluss wurde dessen ungeachtet aber niemals festgestellt. Überdies wären die Raumsonden, welche im laufe der Zeit zu den Planeten Venus, Mars und zu anderen Orten gesendet worden sind, keinesfalls an ihrem vorbestimmten Ziel angekommen, wenn eine solche Gegenerde existierten würde. Denn deren Existenz hätte in der Berechnung der jeweiligen Flugbahnen berücksichtigt und dann mit einbezogen werden müssen.
Aber auch weil die Umlaufgeschwindigkeit der Erde aufgrund ihres elliptischen Umlaufbahn geringfügig variiert und sich die Gegenerde daher entsprechend exakt in einer bestimmten Umlaufbahn befinden müsste, um ständig hinter der Sonne zu bleiben, ist die Vorhandensein dieses Planeten nicht nur umstritten, sondern sogar unwahrscheinlich.
Hinzu kommt, das die Umlaufbahn einer Gegenerde erdgeschichtlich gesehen in einer relativ kurzen Zeitspanne instabil werden müsste, da sie höchstwahrscheinlich nicht in der exakten Gegenposition zur Erde bliebe, sondern mit der Zeit allmählich abdriften würde. Wodurch die beiden Planeten eines Tages entweder zusammenstießen oder sehr nahe aneinander vorbei flögen, womit beide Planeten aus ihrer bisherigen Umlaufbahn geworfen würden.
Andererseits gibt es Experten die der Meinung sind, das mit dem Urknall zu gleichen Teilen Materie und Antimaterie entstanden ist und es daher möglicherweise ganze Galaxien aus Materie und Antimaterie nebeneinander gibt. Denn das gegenwärtige Verständnis der Physik beinhaltet durchaus die Existenz von Antimaterie und unter der Voraussetzung, das sich Materie und Antimaterie exakt gleich verhalten, wo ist die Antimaterie dann geblieben, die im Urknall entstanden sein muss. Demnach könnte also neben unserem Universum noch eins Existieren. Dann wäre Gegenerde nicht ein Teil unseres Systems sondern das des anderen. Diese Möglichkeit soll bei Versuchen der internationalen Raumstation ISS mit dem Alpha-Magnetischen Spektrometer AMS, das im All nach schweren Antielementen suchen soll, ermittelt werden. Untersuchungsziel ist dabei Kerne von Antiatomen aus Antigalaxien, sofern vorhanden ausfindig zu machen und anhand von Antisauerstoff- oder Antikohlenstoffkernen die Existenz von Gestirnen aus Antimaterie zu beweisen. Da derart schwere Kerne nur durch Kernfusionsprozesse innerhalb von Gebilden aus Antimaterie geformt worden sein können. Das würde wiederum den Überschuss von Materie und den deutlichen und auch erwiesenen Mangel an Antimaterie in unserem Universum erklären, wenn es neben den bekannten noch Universen aus Antimaterie nachgewiesen werden würden. Dieses würde wiederum die bis heute fragliche Existenz einer Gegenerde möglich machen.