Oortsche Wolke

Geschrieben am 21.09.2006 von Conni Kreißl

Die sogenannte Oortsche Wolke, die bisweilen auch zirkumsolare Kometenwolke oder aber Öpik-Oort-Wolke genannt wird, hat nach den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen eine Ausdehnung von mehr als 100.000 Astronomischen Einheiten, was ungefähr 1,5 Lichtjahren entspricht. Sie umhüllt unser gesamtes Sonnensystem wie eine übergroße Kugel, weswegen sie die verschiedensten Bahnneigungen gegenüber der Ekliptik aufweist, welche die Ebene darstellt auf der sich die Planeten um die Sonne herum bewegen.
Sie erhielt ihren Namen nach dem holländischen Astronomen Jan Hendrik Oort der dieses Gebiet als Ursprungsort der langperiodischen Kometen festlegte, indem er die Gedanken des estnischen Astronomen Ernst Öpik von 1932 aufgriff.
In dieser Region befinden sich nach ganz vorsichtigen Schätzungen 100 bis 1.000 Milliarden Himmelskörper der unterschiedlichsten Größe und Zusammensetzung, denen ungeachtet ihrer mächtig gewaltigen Anzahl ein Überangebot an Platz zur Verfügung steht. Denn die Entfernungen zwischen diesen Himmelskörpern betragen im Durchschnitt annähernd rund 20 Astronomische Einheiten, was einer ungefähren Entfernung von der Erde zum Uranus entspricht.
Die Bahnen der Himmelskörper in der Oortschen Wolke werden dann und wann durch den Vorbeizug nahe gelegener Sterne beeinflusst, so das es vorkommt das sie in das innere Sonnensystem eindringen und dadurch für Beobachter sichtbar werden. Typische Vertreter dieser Himmelskörper sind Kometen, welche daraufhin die Sonne mit einer relativ geringen Geschwindigkeit von 100 Metern in der Sekunde umkreisen. Diese kaum erkennbare kleine Veränderung der sonst üblichen Geschwindigkeit wird höchstwahrscheinlich durch einen vorbeiziehenden Stern ausgelöst und beträgt nur wenige Millimeter pro Sekunde. Diese sehr geringe Erhöhung der Gesamtgeschwindigkeit des Kometen reicht jedoch aus, um manche dieser Kometen aus ihrer einmal eingeschlagenen Bahn abzutreiben. Dabei kommt es vor das ein Teil dieser aus der Bahn geworfenen Objekte das Sonnensystem verlässt, während andere in Richtung Sonne reisen.
Andererseits befinden sich in diesem Gebiet auch Himmelskörper die ständig unbeirrbar und unverrückbar auf ihrer Umlaufbahn bleiben. Wie beispielsweise der 2003 VB16 der erst im Jahr 2004 entdeckt wurde und inzwischend Sedna genannt wird. Es steht zwar noch nicht eindeutig fest ob Sedna wirklich zur Oortschen Wolke gehört, ihr extremer Bahnverlauf sowie die Umlaufzeit von rund 10.500 Jahren deuten jedoch massiv darauf hin.
Die Oortsche Wolke hat seit dem Bestehen des Sonnensystems vermutlich etwa 40 bis 80 % ihrer Masse verloren, wobei der größte Massenverlust immer noch erfolgt, wenn ein Stern die Oortsche Wolke in naher Entfernung passiert. Hierdurch können unter Umständen große Kometenschauer ausgelöst werden die zwei bis drei Mio. Jahre andauern, allerdings ist nur alle 300 bis 500 Millionen Jahre mit einem solchen Ereignis zu rechnen.
Leider machen es die große Entfernung zwischen den uns bekannten großen Planeten und der Oortschen Wolke und die relativ geringe Größe der Himmelskörper in diesem Gebiet es bislang nicht möglich vernümpftige Aufnahmen von diesen zu machen. Zwar passierten die Sonden Voyager 1 und 2 schon die Plutobahn, sie benötigen aber bedauerlicherweise noch mindestens 20.000 Jahre bis sie wenigstens die inneren Randgebiete der Wolke erreichen, was uns heute nicht gerade viel nützt.
Die Oortsche Wolke umschließt das Sonnensystem schalenförmig und enthält Gesteins-, Staub- und Eiskörper unterschiedlicher Größe, Konsistenz und Form, die bei der Entstehung unseres Sonnensystems übrig geblieben, weil s sich wahrscheinlich durch ihre extrem große Entfernung zu Sonne nicht mehr zu Planeten zusammen schließen konnten. Das heißt diese Objekte konnten möglicherweise nicht von der Sonne oder von einem der äußeren Planeten aufgesogen werden, weil deren Gravitationskräfte nicht bis in die Bereiche der Wolke bzw. in diese Entfernung hinausreichten.
Diese Gebilde sind jedoch trotz ihres gigantisch großen Abstandes zur Sonne aber gravitativ an diese gebunden und darum feste Bestandteile unseres Sonnensystems. Man nimmt an das diese Wolke sich bildete, weil die übrig gebliebenen Planetesimale von Jupiter und den anderen großen Planeten in die äußeren Bereiche unseres Sonnensystems geschleudert wurden und von da durch den gravitativen Einfluss benachbarter Sterne in die äußeren Bereiche des Sonnensystem gelangten, wo sie sich um die Sonne herum verteilten. Bewiesen ist das bisher aber nicht.
Die Oortschen Wolke geht vermutlich kontinuierlich in den Kuipergürtel über, dessen Objekte allerdings eher in der Ekliptik konzentriert sind.