Planetoid Sedna

Geschrieben am 06.10.2006 von Conni Kreißl

Bei dem im Jahre 2003 entdeckten Planetoiden Sedna handelt es sich anscheinend um ein Objekt, welches möglicherweise jenseits von Pluto bzw. außerhalb der Plutobahn entstand. Er war anfangs unter der Bezeichnung 2003 VB12 bekannt, zählt zu den transneptunischen Objekten und gehört vermutlich eher zu den Zwergplaneten.
Genaugenommen wurde er am 14. November 2003 mit dem Samuel Oschin Telescope des Palomar Observatoriums im Osten von San Diego von einer Forschergruppe aufgestöbert, die auf der Suche nach transneptunischen Objekten war. Zu dieser Arbeitsgruppe gehörten Professor Michael E. Brown vom California Institute of Technology in Pasadena, Chadwick A. Trujillo vom Gemini Observatory auf Hawaii sowie David Lincoln Rabinowitz von der Yale University in New Haven Connecticut.
Sedna bewegt sich auf einer langgestreckten elliptischen Umlaufbahn um die Sonne herum, welche im Durchschnitt weit mehr als 500 Astronomische Einheiten von der Sonne entfernt ist bzw. deren Nähe zur Sonne zwischen 76 AE und 915 AE schwankt. Das entspricht rund 12 Lichtstunden bzw. 13 Milliarden Kilometern, was annähernd das 90-fache der Entfernung der Erde von der Sonne ist. Womit er in kein bisheriges Schema passt, da er dadurch weder zum Kuipergürtel noch zur Oortschen Wolke gehört. Seinem Standort zufolge scheint er eher ein Bestandteil einer derzeit noch unbekannten inneren Oortschen Wolke zu sein. Denn die äußere Oortsche Wolke befindet sich ganz woanders, wohingegen Pluto, Quaoar und Eris, welche erwiesenermaßen zum Kuiper-Gürtel gehören, sich sehr viel weiter innerhalb vom Sonnensystem befinden als Sedna. Daher dauert nur eine einzige Umrundung der Sonne bei Sedna auch schätzungsweise unglaubliche 12.500 Jahre. Wobei seine Rotationsperiode bei nahezu 10 Stunden liegt, weshalb manche Experten davon ausgehen das Sedna keinen Mond besitzt, zumal bisher auch keiner gefunden worden ist.
Sein mittlerer Durchmesser beträgt schätzungsweise 1.600 bis 1.800 km, womit er ein wenig kleiner als Pluto ist, seine Masse liegt annähernd bei 1,7 bis 6,1 · 1021 kg und seine mittlere Dichte bei nahezu 2,0 g/cm3. Wegen seiner enormen Entfernung von der Sonne herrschen auf ihm Oberflächentemperaturen die durchschnittlich unter -243° Celsius liegen, womit er zu den kältesten bekannten Ort in unserem Sonnensystem gehört.
Seinen Namen erhielt er wegen seines kalten und entfernten Wesens nach der Meeresgöttin der Inuit Sedna, welche der Sage nach in den kalten Tiefen des Atlantischen Ozeans lebte. Dieweil der Ursprung seiner recht außergewöhnlich hellen roten Färbung, die nur von Mars übertroffen wird und der des viel sonnennäheren Zentauren Pholus ähnelt, derzeit noch nicht geklärt ist. Besonders da diese offensichtlich deutlich von der meist dunklen etwas kohligen Farbe der bislang entdeckten transneptunischen Objekte abweicht. Mancherlei Kapazitäten meinen sie könnte auf Eisenverbindungen oder hohe Konzentrationen organischer Stoffe auf der Oberfläche hinweisen, wie es beim Mars der Fall ist. Doch bei einem Objekt das so weit außen liegt wäre dies eigentlich ungewöhnlich, weshalb andere auf Verbindungen aus der organischen Chemie hinweisen, die mitunter zum Beispiel als Alkohole in Gasnebeln diese Färbung verursachen. Womit auch dies eins der ungeklärten Dinge ist.
Die Entdeckung dieses Planetoiden wirft plötzlich Fragen nach Alternativen zu den allseits bekannten Entstehungsmodellen unseres Sonnensystems auf und das nicht nur weil er sich auf einer völlig unerwarteten Bahn befindet. Denn das gegenwärtig bevorzugte Modell der Planetenentstehung, das auf der Zusammenballung von Planetesimalen basiert, liefert schon für mancherlei Objekte des Kuipergürtels keine ausreichende Erklärung. Da die Dichte des protoplanetaren Materials einfach zu gering für ihre Entstehungsdauer war. Diese hätte bei dem bisschen Material um Zehnerpotenzen bzw. mehrere 100 Millionen Jahre länger sein müssen, um daraus so viele Himmelskörper von der Größe zu Formen wie es sie in unserem Sonnensystem gibt. Die Lebensdauer der bislang zugrundegelegten protoplanetaren Wolke reichte aber weit weniger als 10 Millionen Jahre, was heißt es war gar nicht genug Material da damit in so kurzer Zeit unser Sonnensystem entstehen konnte. Schon gar nicht um einen Planetoiden so weit außerhalb von der Größe eines Sedna zu modellieren. Über diese noch unverständlichen Fakten gibt es bereits etliche Hypothesen, aber keine vernümpftige klare Erklärung.
All das ungeklärte und unbekannte wollen Astronomen spätestens mit dem Einsatz von dem James Webb Weltraumteleskop dem Nachfolger des Hubble herausfinden, das jedoch erst frühestens 2011 einsatzbereit sein wird.