Transneptunische Objekte Allgemein

Geschrieben am 13.10.2006 von Conni Kreißl

Ein Transneptunisches Objekt wird irrtümlicherweise hin und wieder auch als Transneptuner bezeichnet. Obwohl Transneptuner eher fiktive Himmelskörper sind, denen man vereinzelt symbolische Eigenschaften zuschreibt, die von den klassischen Planeten nicht abgedeckt werden. Transneptunische Objekte sind dagegen Himmelskörper, welche sich außerhalb der Umlaufbahn von Neptun, dem äußersten Gasplaneten, um die Sonne bewegen.
Andererseits stand der Begriff Transneptun von etwa 1900 bis 1930 für einen hypothetischen neunten Planeten, welcher fälschlicherweise für die Bahnstörungen der Planeten Uranus und Neptun verantwortlich gemacht wurde. Dafür dessen Suche hatte der Marsforscher Percival Lowell sogar das Lowell-Observatorium bei Flagstaff in Arizona/USA finanziert, wodurch er am 18. Februar 1930 schließlich Pluto das einzige Transneptunische Objekt entdeckte, das jemals den Status eines Planeten besaß. Auch wenn ihm dieser leider ungerechterweise am 24. August 2006 mit der Zurückstufung zum Zwergplaneten wieder aberkannt wurde.
Die meisten Transneptunische Objekte befinden sich vermutlich größtenteils im Kuipergürtel, weswegen der Begriff Kuipergürtelobjekt bzw. KBO auch synonym für ein Transneptunisches Objekt steht. Allerdings stammen auch etliche Kometen, Bahnmessungen zufolge, eher aus dem Kuipergürtel und nicht wie wiederholt behauptet aus der Oortschen Wolke. Dazu kommt das sich TNOs oftmals in speziellen Gruppen sammeln bzw. vereinigen.
Da die bislang entdeckten Transneptunischen Objekte fast alle in ihrer Zusammensetzung äußerst kometenähnlich sind, verwundert es auch nicht sehr, das sie auch als spezielle Gruppe der Asteroiden angesehen werden. Diese unterscheiden sich hauptsächlich von jenen im Hauptgürtel durch ihre sonnenfernen und oft sehr langgestreckten Umlaufbahnen, ihre ziemlich kohlenartige dunkle Farbe und ihre Zusammensetzung. Denn sie bestehen größtenteils aus lockerem Gestein und Eis, wie es meistens auch bei Kometenkernen der Fall ist.
Er gibt wahrscheinlich mehrere tausend Transneptunische Objekte und Kuipergürtelobjekte, wovon zweifellos einige zehntausend Objekte einen Durchmesser von weit mehr als 100 km aufweisen. Dazu kommt das sich alle Transneptunischen Objekte bzw. Kuipergürtelobjekte in verschiedene Kategorien einteilen lassen.
So gibt es unter anderem die Gruppe der Resonanten KBOs, zu denen wenigstens ein Drittel aller Kuipergürtelobjekte gehört. Sie stehen in einer sogenannten Bahnresonanz zum Neptun unserem äußersten Planeten, wie beispielsweise die Plutinos, deren Bahnelemente sehr mit denen von Pluto vergleichbar sind und die sich alle auf ziemlich stabilen, aber auch auffällig exzentrischen Bahnen in einer 3:2 Resonanz zu Neptun befinden. Zu dieser Gruppe gehören aber auch die Twotinos, welche in einer 2:1 Resonanz zur Neptunbahn stehen oder Objekte mit Resonanzen von 5:2 und 3:1.
Zur nächsten Kategorie bzw. Gruppe Transneptunischer Objekte bzw. Kuipergürtelobjekte gehören die Cubewanos, auch Klassische KBOs bzw. klassische Kuipergürtelobjekte oder C-KBOs genannt. Diese bewegen sich mit nur sehr geringen Exzentrizitäten auf annähernd kreisförmigen Bahnen, die Bahnneigungen von bis zu 30° aufweisen und die ungefähr rund 42 bis 50 Astronomische Einheiten von der Sonne entfernt sind. Erstaunlicherweise zählen fast zweidrittel zu dieser wichtigen Gruppe, das heißt etwa zweidrittel der KBOs bewegen sich auf einer solchen kreisähnlichen Bahn um die Sonne herum. Zu dieser Gruppe gehören übrigens auch die beiden Objekte Quaoar und Varuna, die beide einen Durchmesser von mehr als 1000 km haben.
Aber auch die Gruppe der Gestreuten KBOs bzw. Scattered Disk Objects oder kurz SDO sind Transneptunische Objekte des Kuipergürtels. Diese bewegen sich mit verhältnismäßig großen Exzentrizitäten auf extrem elliptischen Umlaufbahnen, welche am sonnennächsten Punkt ungefähr 35 AE und am entferntesten Punkt fast 1000 AE weit weg sind. Das bedeutet die Objekte dieser Gruppe befinden sich außerhalb des Neptun-Einflussbereichs, wodurch dieser nur eine geringen Einfluss auf ihre Bahn hat. Allerdings sind Objekte dieser Kategorie nicht allzu oft vertreten, zumindest wurden noch nicht sehr viele entdeckt.