Blasare

Geschrieben am 22.11.2006 von Conni Kreißl

Blasare sind eine besondere Form der sogenannten aktiven Galaktischen Mittelpunkte bzw. Kerne, bei denen das Licht bzw. die Strahlung aus einem punktförmigen Ausgangspunkt stammt und die ihre Aktivität in der Regel einem supermassiven zentralen Schwarzen Loch verdanken. Weshalb sie auch als Unterklasse der AGN bzw. Aktive Galactic Nuklei gelten, die übersetzt, zentrale aktive galaktische Kerne sind, welche mehr Strahlung als der übrige komplette Rest der Galaxie produzieren, aus der sie stammen. Außerdem sind sie eindeutig die Quellen der energiereichsten elektromagnetischen Gammastrahlung, welche jemals im Universum gemessen wurde.
Diese Blasare erscheinen, ganz im Gegensatz zu den Quasaren, nicht verschwommen oder verschmiert, obwohl sie mitunter auch von Nebeln umgeben sind, weil ihre Strahlung stehts von einer punktförmigen Quelle emittiert wird. Sie haben dadurch auch ein ausgesprochen gleichmäßiges Spektrum, welches keinerlei kräftige Absorptionslinien enthält, wie man sie ansonsten meist bei Sternen finden. Dafür weisen ihre Strahlungsemissionen allerdings sehr viel mehr und auch schnellere Schwankungen auf, als man es von den Quasaren her kennt. Trotzdem zählen auch Quasare mit sehr schwachen Spektren im Radiobereich sowie optisch extrem stark schwankende Quasare, die überdies noch hoch polarisiert sind und sogenannte BL Lacertae-Objekte, die auch Lacertiden oder BL Lac genannt werden und äußerst aktive Galaxienkerne sind, zu den Blasaren. Weshalb manche Wissenschaftler davon ausgehen, das Blasare höchstwahrscheinlich Teile oder Objekte von verhältnismäßig jungen Galaxien sind, deren Materie durch den Einfluss eines supermassiven zentralen Schwarzen Lochs, in Form eines sogenannten Jets mit nahezu Lichtgeschwindigkeit regelrecht ins Weltall hinaus geschleudert wird. Wobei die Strahlen dieser Jets dem Anschein nach geradewegs in unsere Richtung zeigen, wie ein Gewehrlauf der direkt auf uns zielt.
Wobei ihre hochenergetische Strahlung durch Elektronen und Protonen entstehen soll, die entlang der Magnetfeldlinien des Jets bis auf annähernd Lichtgeschwindigkeit beschleunigt werden und dabei entweder Synchrotronstrahlung emittieren oder mit normalen Photonen zusammen stoßen, womit diese daraufhin mit unvergleichlich hohen Energien aufgeladen werden.
Zudem stellten Astrophysiker fest, das Blasare gelegentlich plötzlich aufflammen und dann mehrere Tage lang gigantische Energiemengen in Form von Gammastrahlung freisetzen, wofür es allerdings noch keine schlüssige Erklärung gibt. Wenngleich einige Experten der Meinung sind, das sie hiermit eventuell bereits heute in der Praxis zeigen, wie die lange gesuchte Verbindung von Relativitätstheorie und Quantenmechanik funktionieren könnte. Womit diese Objekte möglicherweise auf anschauliche Art demonstrieren wie es in einem frühzeitlichen galaktischen Zentrum aussehen könnte.
Der vermutlich bekannteste Vertreter eines solchen Blasars ist der unserer Galaxis am aller nächsten gelegene Blasar namens Markarian 501, welcher sich rund 300 Millionen Lichtjahre entfernt im Sternbild Herkules befindet. Er wurde übrigens nach dem bekannten georgischen Astronomen Beniamin Markarian benannt, welcher bekanntermaßen in den sechziger Jahren einen ganzen Katalog mit Hunderten dieser meist bläulich strahlenden heißen Galaxiekerne zusammenstellte. Dieser Markarian 501 besitzt nachweislich einen außerordentlich aktiven Kern, welcher eine deutlich messbare hochenergetischer Strahlung aussendet, die allerdings merkwürdigerweise bei der radioastronomischen Darstellung eine dramatische Drehung des Jets offenbart, welche fast im rechten Winkel steht. Was im Übrigen auch noch nicht geklärt werden konnte. Auf alle Fälle wurden bei ihm jedoch Gammastrahlen-Energien von bis zu 22 Tera-Elektronvolt gemessen, was der Billionen fachen (1012!) Energiemenge eines normalen Photons des normalen sichtbaren Lichts entspricht und eigentlich allen bekannten Gesetzen wiederspricht. Denn diese Photonen dürften die Erde gar nicht erreichen, da sie erstens auf dem Weg hierher normalerweise eigentlich mit den Photonen des im Kosmos vorhandenen Infrarothintergrundes, der von Sternen und heißem interstellarem Staub ausgeht, kollidieren müssten, wobei sie ein Elektron und ein Positron bilden. Andererseits vermögen Photonen an und für sich nicht solch gigantische Wegstrecken zurücklegen, also gar nicht mehr bei uns messbar sein.
Daher sind Blasare wohl die fremdartigsten Galaxien des Universums, in denen etwas sehr dramatisches vor sich geht, das die Wissenschaft sicher noch viele Jahre beschäftigt.