Planemos

Geschrieben am 30.10.2006 von Conni Kreißl

Planemos sind Himmelkörper, welche die Größe und Masse eines Planeten haben bzw. im weiteren Sinne einen durch die Eigenschwerkraft rund geformten Körper besitzen, aber von der Masse bzw. Größe her unter der von Fixsternen liegen. Außerdem umkreisen sie weder einen Stern, noch besitzen sie während ihrer gesamten Lebenszeit die Fähigkeit eine stellare Kernfusion zu zünden um als Fixstern aufzuleuchten. Dazu kommt, das auf ihnen keinerlei chemische Entwicklung komplizierter organischer Verbindungen möglich ist, da sie meistens keinen eigenen Stern besitzen der sie erwärmen könnte.
Die Begriff Planemo kommt von der englischen Bezeichnung Planetary Mass Object, was so viel heißt wie Planetarisches Massenobjekt. Zu ihnen gehören große Monde, Planeten sowie kleine Braune Zwerge und einige Kuipergürtelobjekte bzw. transneptunische Plutinos, aber keine Kometen, Asteroiden und Gasnebel. Andererseits können Himmelskörper, die noch kleiner als Planemos sind, mangels Masse auch keine runde Form ausbilden und Planemos sind im allgemeinen rund.
Diverse Planemos, die sich nicht einmal in der nähe von Sternen befinden, sind durch diesen Mangel an Licht- und Reflexionsquellen extrem schwer zu finden. Andere wiederum können sogar eigene Planeten besitzen, auf diesen kann aber ebenfalls durch den Mangel an Licht und Wärme kaum Leben entstehen.
Ein schönes Beispiel für einen sogenannten Vereinzelten Planemo ist der 2005 von dem US-Astronomen Kevin Luhmann und seinen Kollegen entdeckte Cha 110913-773444. Er liegt im Sternbild Chamäleon, womit er sich in einer Entfernung von 500 Lichtjahren befindet. Er ist vermutlich nur 2 Millionen Jahre alt und wiegt acht mal mehr als der Jupiter bzw. 0,008 mal soviel wie die Sonne, wodurch er für einen Braunen Zwerg zu klein ist und demzufolge als ein Planet ohne Stern angesehen werden kann. Im Grunde ist er erfahrungsgemäß jedoch eigentlich eine sich ganz allmählich verdichtende Gaskugel mit einer Staubscheibe drum herum.
Es gibt aber auch Planemos die sich im Orbit fremder Sterne befinden und somit sozusagen zu den Exoplaneten zählen. Zu dieser Sorte gehören Objekte wie die Begleiter von Gliese 876, Gliese 86 und 581, Beta Hydri, Fomalhaut, Wega, HD 365110, 6983012 und 149026, 55 Cancri, Ypsilon Andromedae, 47 Ursae Majoris, 51 Pegasi und Bellerophon sowie My Arae. Das sind erstens der HD 149026, ein sogenannter gelber Stern, welcher alle 2,87 Tage von einem saturngroßen Gasplaneten in einem Abstand von 0,046 AE umkreist wird und 36 % der Masse sowie 72 % vom Durchmesser des Jupiters besitzt. Hierbei entfallen aber über 50% seiner Masse interessanterweise auf seinen festen Kern. Er befindet sich im Sternbild des Herkules und ist somit 250 Lichtjahre von uns entfernt.
Als nächster interessanter Vertreter dieser Art folgt Lalande 21185, der bei nur 0,393 fachem Sonnendurchmesser und 0,403 Sonnenmassen ein 8,312 Lichtjahre entfernter Zwergstern mit nur 0,00568-facher Sonnenleuchtkraft ist. Überdies besitzt er zwei bekannte Exoplaneten die beide zu den Gasriesen gehören.
Ihm sehr ähnlich ist der neu entdeckte Planemo OGLE-2005-BLG-390Lb, welcher ebenfalls weit entfernt von einem Zentralgestirn schwebt und somit ebenso kalt ist wie der Lalande 21185 B.
Dazu gehört auch der sogenannte Epsilon Eridani, der möglicherweise sogar ein komplettes Planetensystem besitzt und ein nahezu orangenfarbener sonnenähnlicher Stern mit einem Gasplaneten sowie einer Staubscheibe ist. Er ist nur rund 10,50 Lichtjahre von uns entfernt, nur 800 Millionen Jahre jung, hat 1,5 Jupitermassen und umkreist den Stern alle 6,85 Jahre in 1,9 bis 3,7 Astronomischen Einheiten Abstand.
Aber auch der Rote Zwerg Gliese 876 aus dem Sternbild Wassermann ist ein Planemo. Er ist scheinbar 11 Milliarden Jahre alt und besitzt einen der kleinsten bislang aufgefundenen Planeten. Er wiegt etwa das 8-fache der Erde und ist mit 200 bis 400 °C für einen Planemo relativ heiß.
Der 55 Cancri E aus dem Sternbild Krebs ist ebenso wie der Gliese 876B, durch seine nähe zu einem Stern ziemlich heiß und konnte deshalb durch die Verdampfung seiner flüchtigen Bestandteile nur eine wenige km dicke Kruste bilden. Über dieser sollen Schwefeldämpfe und einige wenige Wolken hinwegschweben, wobei sich die letzteren anscheinend aus Gesteinsstaub von Vulkanausbrüche zusammensetzen.
Zum Schluss möchte ich noch die Ypsilon Andromedae Planemos erwähnen, die alle in dem Doppelsternsystem aus einem großen gelben Hauptreihenstern und einem weit entfernten Roten Zwerg zu finden sind. Wobei der größere der beiden mindestens drei Planemos hat. Das ist einerseits der Ypsilon Andromedae b, dessen Temperaturunterschied zwischen der Tag- und Nachtseite nahezu 1400 Grad beträgt, der eine Umlaufdauer von 4,617 Tagen hat und eine 0,71-fachen Jupitermasse aufweist. Dem folgt der Ypsilon Andromedae c, der sehr warm ist, sich jedoch am inneren Rand der Lebenszone befindet und mit seiner 2,11-fachen Jupitermasse eine Umlaufdauer von 241,2 Tagen besitzt. Sowie der Ypsilon Andromedae d, welcher eher kühl ist, aber gerade noch am äußersten Rand der Lebenszone liegt und mit seiner 4,61-fache Jupitermasse eine Umlaufdauer von 3,47 Jahren hat. Wobei dieses ganze System im Sternbild Andromeda liegt, ungefähr 2,9 bis 4,1 Milliarden Jahre alt sowie 43,93 Lichtjahre entfernt ist und daher eine Umlaufzeit von 20.000 Jahre besitzt.