Weiße Löcher

Geschrieben am 13.11.2006 von Conni Kreißl

Weiße Löcher sind die ungleichen Geschwister der Schwarzen Löcher bzw. das Gegenteil von Schwarzen Löchern. Man bezeichnet sie auch als sichtbare Singularitäten, weil sie dem Anschein nach Einsteins physikalischen Feldgleichungen der allgemeinen Relativitätstheorie wiedersprechen bzw. sich nicht mit deren Verhältnissen und Gesetzmäßigkeiten beschreiben lassen. Dadurch gehören sie ebenso wie die Wurmlöcher zu den bemerkenswertesten und größten, sowie leider noch immer ungelösten, Rätseln die Einstein der Menschheit mit seiner Relativitätstheorie übergab. Denn bei ihnen findet sozusagen eine Zeitumkehrtransformation der Feldgleichungen statt, während die Einsteinschen Feldgleichungen eigentlich in der Zeit symmetrisch sind.
Gewisse Experten gehen deswegen davon aus, das ein nicht rotierendes Weißes Loch der avancierten Eddington-Finkelstein-Lösung, von Sir Arthur Eddington und David Finkelstein, eines Schwarzschild Loches entspricht. Welche eine mathematisch analytische Erweiterung der klassischen Schwarzschild-Lösung darstellt bzw. eine zeitumgekehrten Lösung durch die Einführen einer weiteren Zeitkoordinate ist, welche für Teilchen bzw. Atome nur nach innen durchlässig ist. Wobei die Schwarzschild-Lösung der erste allseits anerkannte Beweis der Einsteinschen Feldgleichungen ist, der den kugelsymmetrischen, materiefreien Außenraum einer ungeladenen, nicht-rotierenden Punktmasse beschreibt.
Womit ein Weißes Loch folglich die zeitliche Umkehrung eines Schwarzen Loches bzw. eine Raumzeitregion sein müsste, aus der ständig Materie und Strahlung heraussprudelt. Folglich müsste so ein Weißes Loch logischerweise im Gegensatz zum Schwarzen Loch, das Masse in sich aufnimmt, jegliche Masse ausstoßen. Diese in mathematischer Weise bereits längst nachgewiesene Theorie, konnte allerdings bisher noch nie beobachtet werden.
Deswegen und weil ein solches umgekehrt funktionierendes Loch zudem auch dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik widersprechen würde, gelten die Weißen Löcher noch immer als rein hypothetische Objekte der Astrophysik. Denn im Grunde genommen weicht es vom Energieerhaltungssatz ab, da eine solches Gebilde einer Art Perpetuum Mobile gleicht, das einmal in Gang gesetzt, ewig ununterbrochen in Bewegung bleibt. Folglich muss in erster Linie nicht nach den Weißen Löchern, sondern nach der Energiezufuhr und Funktionsweise dieser Gebilde gesucht werden, um diese entdecken zu können.
Ein weiterer Grund, warum Weiße Löcher bisher nicht praktisch gefunden wurden, ist wohl die Tatsache, das ein solches Loch innerhalb kurzer Zeit so gewaltig viel Materie ausstoßen würde, das diese wiederum ab einem bestimmten Augenblick zu einem Schwarzen Loch kollabiert. Dadurch müsste das Schwarze Loch entweder das Weiße Loch verschlucken oder beide sich gegenseitig neutralisieren, wobei man sich noch nicht einig ist was denn nun eher eintritt bzw. wahrscheinlicher ist.
Das nach Meinung einiger Wissenschaftler einzige nachweisbare existierende Weiße Loch gab es vermutlich unmittelbar vor dem Urknall. Es gibt allerdings auch Experten die in ihnen Wurmlöcher sehen, die bei geeigneter Krümmung ein Loch in die Raumzeit gerissen haben und nun wie Trichter fungieren die nur einen Eingang und einen Ausgang besitzen, also nur in einer Richtung funktionieren. Andere hingegen vertreten die Ansicht, das die Weißen das repräsentieren was hinter einem Schwarzen Loch ist und wieder anders behaupten das ein Weißes Loch ein entgegengesetzt zur Zeitachse ablaufendes Schwarze Loch ist. Wenn das allerdings wahrhaftig zutrifft dürfte es im Universum keinen Unterschied zwischen Vorwärts- und Rückwärtszeit geben und es müssten eigentlich ebenso viele Weiße wie auch Schwarze Löcher existieren. Denn all das, was die Schwarzen Löcher wie supergigantische kosmische Staubsauger mit rasend schneller Rotation in ihren riesigen dunkeln Schlund hineinsaugen, kann Theoretisch eigentlich nicht spurlos verschwinden als hätte es nie existiert. Es muss also praktisch was geben wo all das landet und das scheinen die Weißen Löcher zu sein, die das Gegenteil von dem machen, was ihre schwarzen Gegenspieler tun. Sie spucken nämlich unaufhörlich Energie und Materie aus, womit sie die Kinderstube für neue Welten darstellen. Weswegen mache Wissenschaftler sogar glauben, das unsere Milchstraße noch immer im Geburtskanal eines riesigen Weißen Lochs steckt und wir quasi erst langsam rausgedrückt werden bzw. auf dem Weg nach draußen sind. Was augenscheinlich auch die immer noch stattfindende Expansion des Universums erklären dürfte. Und erst wenn dieses irgendwann in ferner Zeit das Weiße Loch verlassen hat, könnten wir es eventuell sehen, wenn wir dann noch existieren, was wiederum ziemlich unwahrscheinlich sein dürfte.